Keine Jubiläumsstimmung
Wenn die katholische Kirche im Moment die Kraft hätte, nicht nur über das Missbrauchsthema zu sprechen, dann würde man reden über – das Zweite Vatikanische Konzil. Die Deutsche Bischofskonferenz nahm sich auf ihrer Vollversammlung in Freiburg vor, sich in den kommenden Jahren ausführlich mit der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ über die Kirche in der Welt von heute zu befassen. Auch als Vorbereitung auf das bevorstehende 50-jährige Konzilsjubiläum 2012/ 2015. Die französischen Bischöfe tun es den deutschen Mitbrüdern gleich: Vor wenigen Wochen beschäftigten sie sich auf einem Studientag mit dem Konzil.
Jubiläumsstimmung kommt aber bisher kaum auf. Wer sich heute mit dem Konzil befasst, kann nicht absehen von der Tatsache, dass die Gespräche zwischen der vatikanischen Glaubenskongregation und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. andauern. Wobei viele schon Mühe haben sich vorzustellen, worum es bei diesen Gesprächen eigentlich genau gehen könnte. Die Monatszeitschrift der Jesuiten „Stimmen der Zeit“ fragte schon, ob das Zweite Vatikanum etwa zur „Verhandlungsmasse“ geworden sei. Stellungnahmen der Priesterbruderschaft lassen nicht erkennen, dass man in Traditionalistenkreisen bereit sein könnte, das Zweite Vatikanische Konzil substanziell anzuerkennen.
Sehr weit auseinander gehen die Vorstellungen auch über die Frage, wie lang diese Gespräche überhaupt dauern sollen. Der Distriktobere der deutschen Lefebvrianer, Franz Schmidberger, sprach unlängst davon, die Gespräche würden „sicher längere Zeit“ in Anspruch nehmen, „vielleicht Jahre“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, distanzierte sich am Rande der Vollversammlung genau von einer solchen Perspektive, weil dies verheerende Folgen haben könnte.
Sollte die Wiederzulassung der tridentinischen Messe und die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe zur Folge haben, dass man sich wieder mehr für das Konzil interessiert, dann hätte die Entwicklung sogar noch positive Folgen gehabt. Wenn da nicht zugleich die Befürchtung grassieren würde, das Konzil könnte nicht unerheblich weiter relativiert werden.
Autor: Klaus Nientiedt
Artikelübersicht des Konradsblatts Nr. 11 vom 14.03.2010
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