Glocke läutet Sieg ein
Preisverleihung beim Schülerwettbewerb „Christentum und Kultur“
Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zeichnete mehr als 20 Schüler und Schülerinnen der Oberstufe für ihre herausragenden Leistungen beim Wettbewerb „Christentum und Kultur“ aus.
Schwung- und stimmungsvoll begann die Preisverleihung mit dem Marsch der Stierkämpfer aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet. Einen Stier mussten die Teilnehmer des baden-württembergischen Schülerwettbewerbs „Christentum und Kultur“ zwar nicht erlegen, aber dennoch steuerte das musikalisch glänzende Orchester des St.-Ursula-Gymnasiums, geleitet von Eva Raab-Bollinger, die passende Musik zu der Veranstaltung bei.
Denn auch die mehr als 20 anwesenden Preisträger hatten so manche Schlacht zu schlagen. Kämpfe mit der Selbstdisziplin, der Zeiteinteilung, dem sprachlichen Ausdruck. Es galt eine selbstständige wissenschaftliche Arbeit abzuliefern. Drei Themenvorschläge waren gegeben: „Mission possible – Was Christen in die Welt treibt“, „Markt und Moral“ und „Singet dem Herrn ein neues Lied – neue geistliche Lieder“.
Ausgeschrieben wird der Wettbewerb von den beiden Kirchen in Baden-Württemberg. 83 Arbeiten wurden 2009 eingereicht. Zwanzig davon zeichnete die Jury vergangene Woche in der Katholischen Akademie in Freiburg aus. Das Themenspektrum der Arbeiten reichte weit: vom Gottesbild von Kindern über Johann Peter Hebel, das Fegefeuer bis zur Kirchensteuer. Allesamt bieten sie eine „spannende Lektüre mit wissenschaftlichem Niveau und Erkenntnisgewinn“, wie der evangelische Kirchenrat Reinhard Lambert Auer die Werke würdigte.
Mit dem Gesicht zur Welt agieren
Mit viel persönlichem Engagement hat auch Kilian Derdau solch eine spannende Lektüre geschrieben. Er ist Abiturient am Marta-Schanzenbach-Gymnasium in Gengenbach. Viel Zeit und Einsatz hat er in seine über 100 Seiten dicke Arbeit gesteckt. Aber das hat sich gelohnt. Er überzeugte die Jury mit seiner kulturgeschichtlichen Abhandlung über das christliche Symbol der Glocke.
Neben ihm wurde noch Annalena Aicher mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Sie schrieb einen anspruchsvollen religionsphilosophischen Diskurs zur Quantenmechanik. Dritte im Bunde der ersten drei Sieger war Muriel Gahl („Ein Pfarrerleben im Nationalsozialismus, Briefe an meinen verstorbenen Großvater“), die nach der Preisverleihung noch eine Dankesrede hielt, die zeigte, dass die ausgezeichneten Schüler und Schülerinnen nicht nur das geschriebene, sondern auch das gesprochene Wort zu beherrschen wissen. Stellvertretend für alle Lehrer, die ihre Schüler für den Wettbewerb motivierten und sie unterstützten, zeichnete Erzbischof Robert Zollitsch noch Joachim Kittel aus Breisach aus.
In seiner Festrede betonte Zollitsch, dass Christentum und Religion „auch in der Moderne zwei Seiten einer Medaille“ bleiben. Die Christen sind dazu aufgefordert „mit dem Gesicht zur Welt“ zu agieren. So „ergeben sich für uns Christen zahllose Chancen, unseren Beitrag zur kulturellen Prägung der Welt einzubringen“, sagte der Erzbischof. „Es gibt kein Christentum ohne Kultur. Es wäre als würde man dem Meer das Rauschen verbieten oder einen trockenen Regen fordern.“
Am Ende war es dann am Orchester des Mädchengymnasiums dieser Preisverleihung noch ihren krönenden Abschluss zu geben. Es gelang ihm mit Bravour – ausgezeichnet von den Gästen mit langem Applaus.
Autor: Daniel Gerber
Artikelübersicht des Konradsblatts Nr. 6 vom 07.02.2010
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