Warum die Glocken schweigen
Der historische Glockenstuhl des Münsters wird saniert
Die Sanierung des Hauptturmes ist sicherlich die prominenteste, weil weithin sichtbare Baustelle am Freiburger Münster. Aber es ist beileibe nicht die Einzige. Besonders aufwändig gestalten sich derzeit die Arbeiten am historischen Glockenstuhl.
Manches bemerkt man erst, wenn es nicht mehr da ist … Vielen Freiburgern und Besuchern der Bischofsstadt geht es derzeit so mit dem Geläut des Münsters. Die Glocken sind im Moment – wenn überhaupt – nur eingeschränkt zu hören. Das sei für viele eine irritierende Erfahrung, weiß Michaela Elbs vom „c-Punkt/Münsterforum“ durch entsprechende Anfragen.
Der Grund für das Schweigen der Glocken sind umfangreiche Arbeiten am Glockenstuhl. Seit Anfang des Jahres bauen Zimmerleute einen neuen Aufsatz, an dem künftig die Glocken in veränderter Anordnung aufgehängt werden sollen. Bis dahin ist das Geläut weitgehend abgehängt und auf dem Turm zwischengelagert.
Die Maßnahme geht im Grunde auf das Jahr 1959 zurück, als das Münster den bisherigen Glockenstuhlaufsatz mit einem fast komplett neuen Geläut bekam. Nur die historische „Hosanna“, mit 750 Jahren die älteste „Angelus“-Glocke Deutschlands, hatte man damals erhalten. Die Anordnung der sechzehn Glocken erwies sich indes bald als problematisch, erklärt Anton Bauhofer, der Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes Freiburg. Dies betraf vor allem die „Hosanna“- und die „Petrus“-Glocke, die im selben so genannten Gefach aufgehängt worden waren; das heißt, sie hingen unmittelbar nebeneinander. „Die beiden Glocken konnten daher nie gleichzeitig geläutet werden“, so Bauhofer. Denn dann wären sie gegeneinander gestoßen, hätten einander beschädigt oder gar zerstört.
Der bloße Verzicht auf ein „Vollgeläut“ war allerdings keine dauerhafte Lösung. Denn es gibt die bleibende Gefahr, dass ein Blitzeinschlag – wie er auch am Münsterturm immer wieder vorkommt – die Elektrik derart beschädigt, dass plötzlich alle Glocken gewissermaßen „von selbst“ zu läuten anfangen. Gerade Glockeninspektor Kurt Kramer hat immer wieder auf dieses Risiko hingewiesen.
Da es nicht möglich war, das Geläut im bestehenden Glockenstuhlaufsatz neu zu hängen, entschieden sich die Verantwortlichen jetzt also für den Bau eines neuen Aufsatzes. Es sei eine komplizierte Baustelle, erzählt Anton Bauhofer. Schon die Anlieferung des Holzes sei schwierig; dies muss über einen Kran und den Aufzug der Münsterbauhütte erfolgen. Dennoch ist der Oberbaudirektor zuversichtlich, die Arbeiten bis Pfingsten fertig stellen zu können. Das erste offizielle Vollgeläut seit knapp 50 Jahren soll es dann zum Jubiläum der „Hosanna“ Ende Juni geben. Glockeninspektor Kramer verspricht bereits einen atemberaubenden neuen musikalischen Eindruck.
Das Thema „Glockenstuhl“ ist für das Erzbischöfliche Bauamt damit allerdings nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Denn bereits seit 2002 läuft in mehreren Bauabschnitten die Sanierung der Basis des Glockenstuhls, und das Ende dieser Arbeiten ist noch überhaupt nicht abzusehen. Das Ganze ist so aufwändig, dass die geschilderten Maßnahmen am Glockenstuhlaufsatz – verglichen damit – fast schon als „überschaubar“ gelten müssen.
Worum geht es? In dem gut 22 Meter hohen Glockenstuhl ist noch das Originaltannenholz aus dem 13. Jahrhundert zu finden. Dies ist inzwischen allerdings stark geschädigt, die zerstörten Hölzer müssen ausgewechselt werden. Ein immens komplizierter Vorgang: Mit Hydraulikpressen und einer Stahlkonstruktion zur Absicherung wird der Glockenstuhl an den betroffenen Stellen um 15 Millimeter angehoben. „Die so freigelegten Balken werden dann bis auf das unverfaulte Holz zurückgeschnitten, ergänzt und wieder eingesetzt“, beschreibt Anton Bauhofer das Verfahren.
Autor: Stephan Langer
Artikelübersicht des Konradsblatts Nr. 8 vom 24.02.2008
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