Caritas und Orden
Weihbischof Karl Gnädinger (1905–1995)
Mit dem 1995 verstorbenen Weihbischof Karl Gnädinger endet unsere Artikelfolge über die Bischöfe des Erzbistums Freiburg. In ungekürzter Fassung und ergänzt durch Beiträge über die lebenden Bischöfe ist die Reihe als Buch erschienen: Christoph Schmider, Die Freiburger Bischöfe, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2002. Euro 9,90.
Karl Gnädinger stammte aus einfachen Verhältnissen. Er war kein hochgelehrter Theologe, schon gar kein hochfahrender „Kirchenfürst“, sondern ein in sich ruhender, leutseliger und in seinem Auftreten unkomplizierter, verständnisvoller und väterlicher Seelsorger.
Seine Eltern sind früh verstorben
Am 5. November 1905 wurde Gnädinger als jüngstes von vier Kindern der Eheleute Rosa geb. Küchler und Peter Gnädinger in Bohlingen im Hegau geboren. Der Vater starb infolge eines Arbeitsunfalls in seinem landwirtschaftlichen Betrieb, als der Sohn erst fünf Monate alt war, die Mutter verlor er in seinem elften Lebensjahr.
Der Ortspfarrer unterrichtete ihn zusätzlich zur üblichen Schulbildung und sorgte dafür, dass er 1917 in die zweite Gymnasialklasse und ins „Konradi-haus“, das in Konstanz angesiedelte Erzbischöfliche Gymnasialkonvikt, aufgenommen wurde. Nach dem Abitur trat Gnädinger 1925 in das Freiburger Collegium Borromaeum ein und studierte bis zum Ende des Wintersemesters 1928/29 Theologie. Es folgten das obligatorische Jahr im Priesterseminar zu St. Peter, die Priesterweihe am 16. März 1930 durch Erzbischof Karl Fritz, und dann bis November 1931 die Vikarszeit in Nußbach im Renchtal und Waldshut.
Anschließend kam Gnädinger bis Dezember 1938 für gut sieben Jahre zurück nach Konstanz, wo er Präfekt am Konradihaus wurde. Nach einem kurzen Intermezzo in Sipplingen ging Gnädinger 1939 als Pfarrverweser nach Schopfheim im Wiesental, wo er ein Jahr später als Pfarrer investiert wurde.
Beileibe nicht nur in den Jahren der Nazidiktatur, war er in dieser Diaspora-Gemeinde auf ein gutes ökumenisches Verhältnis zu den protestantischen Schwestern und Brüdern im Glauben bedacht. In Schopfheim und Umgebung erfreute er sich auch schnell der Wertschätzung seiner Mitbrüder im priesterlichen Dienst, und so konnte er sich nicht auf Dauer der Übernahme zusätzlicher Aufgaben und Ämter entziehen: 1950 wurde er zum Kammerer, 1951 zum Dekan des Landkapitels Wiesental gewählt.
Schon rund ein Jahr später, im Dezember 1952, wurde Karl Gnädinger Münsterpfarrer in Konstanz. Mit der feierlichen Erhebung des Konstanzer Münsters zur „Basilica minor“ durch Papst Pius XII. im Jahr 1955, die Gnädinger ebenso energisch wie beharrlich in die Wege geleitet hatte, gelang es ihm, für Konstanz wenigstens einen schwachen Wi-derschein des ehemaligen Glanzes der Bischofsstadt zurückzugewinnen.
Mitglied der Ordens-Kommission der Bischofskonferenz
Am 5. November 1960, an seinem 55. Geburtstag, ernannte ihn Papst Johannes XXIII. zum Titularbischof von Celerina und zum Weihbischof in der Erzdiözese Freiburg. Die Bischofsweihe fand am 12. Januar 1961 im Freiburger Münster statt. Neben der Leitung des Referats „Caritas“ wurde ihm auch der Vorsitz des Diözesancaritasverbandes übertragen, einige Jahre später kam noch das Referat „Ordenswesen“ hinzu, für das er in der Folgezeit auch überdiözesan als Mitglied und zeitweilig als Vorsitzender der entsprechenden Kommission der Deutschen Bischofskonferenz zuständig war.
In die ersten Jahre seiner Tätigkeit als Bischof fiel mit dem von Oktober 1962 bis Dezember 1965 tagenden Zweiten Vatikanischen Konzil ein vorderhand innerkirchliches Ereignis von nachgerade weltgeschichtlicher Bedeutung. Nach dem Tod von Erzbischof Hermann Schäufele am 26. Juni 1977 wählte das Domkapitel seinen Vorsitzenden, Dompropst Karl Gnädinger, zum Kapitularvikar und Bistumsverweser.
Manch einer hätte ihn gerne als nächsten Erzbischof gesehen – wenn nicht sein Alter dagegen gesprochen hätte. Ende des Jahres 1980, anlässlich seines 75. Geburtstags, bot Karl Gnädinger dem Papst, den kirchenrechtlichen Vorschriften entsprechend, seinen Rücktritt an und wurde denn auch zum 31. Dezember 1980 von seinen Pflichten als Weihbischof und Ordinariatsmitglied entbunden.
Sein sechzigjähriges Priesterjubiläum konnte Gnädinger 1990 ebenso feiern wie sein dreißigjähriges Bischofsjubiläum 1991. An Ehrungen und Auszeichnungen fehlte es vor allem in seinen letzten Lebensjahrzehnten nicht.
In den letzten Lebensjahren machten Karl Gnädinger Alter und Krankheit zunehmend zu schaffen, ab November 1994 konnte er das Bett nicht mehr verlassen. Als er am 12. März 1995, vier Tage vor der fünfundsechzigsten Wiederkehr seiner Priesterweihe, starb, war er nicht nur nach Lebens-, sondern auch nach Dienstjahren der zweitälteste Freiburger Bischof geworden. Karl Gnädinger wurde am 17. März 1995 im Rahmen eines Pontifikalrequiems in der Krypta des Freiburger Münsters beigesetzt.
Autor: Christoph Schmider
Artikelübersicht des Konradsblatts Nr. 17 vom 28.04.2002
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