Wer sind die Religionslehrer?
Beginn einer interdisziplinären Studie in Baden-Württemberg
Welche Ziele verfolgen Religionslehrer in ihrem Unterricht und wie verstehen sie ihre Rolle? Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie soll diesen Fragen bezogen auf den Religionsunterricht in Baden-Württemberg nachgegangen werden. Erfahrungen einer entsprechenden Untersuchung unter evangelischen Religionslehrern in Niedersachsen dienen dabei als Vergleichsfolie.
Religion bei
Religionslehrerinnen und -lehrern heißt die Studie des
Braunschweiger Religionssoziologen Andreas Feige, die dieser
unter evangelischen Religionslehrern und -lehrerinnen unternommen
hat und die nun Grundlage einer entsprechenden Untersuchung für
Baden-Württemberg werden soll. In der religionspädagogischen
wie auch der bildungspolitischen Diskussion der letzten Jahre rückten
verschiedentlich die das Fach Religion Unterrichtenden in den
Mittelpunkt des Interesses. Für die Beantwortung einiger dabei
aufgetretenen Fragen erhofft man sich von der Studie Aufschluss,
die im Sommer dieses Jahres begonnen hat.
Die niedersächsische Studie brachte ein gerade für den
evangelischen Raum nicht ohne Weiteres erwartbares Ergebnis: Sie
zeigte eine hohe Identifikation der Religionslehrer mit ihrem
Fach. Die kirchlichen Wurzeln und Quellen würden von den Lehrern
nicht geleugnet. Die Erfolgsbedingungen seien dann am besten,
wenn die Lehrenden sich sowohl der gelehrten wie der
gelebten Religion verpflichtet fühlten: also weder
konturlose Übereinstimmung, noch totale
Distanz zeigten, sondern Spannung zwischen beidem. Auch
wenn der Religionsunterricht nicht Kirche in der Schule
sei, so sei er eben auch nicht Religion ohne Kirche.
Zur evangelischen Kirche bestehe die Bereitschaft der Lehrenden
zu offener Kooperation.
Die baden-württembergische Folgeuntersuchung wird neben Feige
von dem Freiburger (katholischen) Religionspädagogen Werner
Tzscheetzsch geleitet. Sie ist interdisplinär sie bringt
Soziologen und Religionspädagogen zusammen. Sie ist
interuniversitär beteiligt sind die Universitäten
Braunschweig und Freiburg. Sie ist vor allem aber auch
interkonfessionell: Im Unterschied zur niedersächsischen Vorgängerstudie
sollen diesmal evangelische wie auch katholische Religionslehrer
befragt und miteinander verglichen werden.
Finanziert wird die Studie gemeinsam von der Universität
Freiburg, der württembergischen und der badischen Landeskirche
sowie den beiden Bistümern Freiburg und Rottenburg-Stuttgart.
Die eigentliche Befragung der Religionslehrer findet im November
2002 statt. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse wird für
Ende 2004 gerechnet.
Klaus Nientiedt