Wer etwas auf sich hält, kauft im Weltladen ein. Das war einmal. Seit ein paar Jahren gehen die Geschäfte mit den fair gehandelten Produkten zunehmend schleppender. Ein Problem ist die Vermarktung. Das hat auch der Weltladen in Karlsruhe bemerkt. Er beteiligt sich an der Fairen Woche vom 24. bis 30. September (siehe Anhang).
Hier gibts nicht das Einheitsallerlei
Weltläden haben ein vielfältiges und exklusives Angebot, sind aber zu wenig bekannt
Kann ich Ihnen helfen?
Danke, ich suche nichts Bestimmtes, ich schau mich
bloß mal um. Ein paar Minuten später steht Lieselotte
Bundy mit einem Tansanya Tee Kilimanjaro und einer
Tüte Bonbons an der Kasse. Ich guck immer wieder hier
vorbei, auch wenn ich gar nichts brauche.
Der Karlsruher Weltladen am Kronenplatz liegt am Rande der
Innenstadt. Hier gibts nicht das Einheitsallerlei,
was jedes Geschäft hat, sagt Lieselotte Bundy. Die
Dinge sind handgefertigt. Alle ein, zwei Monate schaut sie
im Weltladen vorbei, meist um Tee zu kaufen, denn der
schmeckt und hat eine gleichbleibende Qualität. Sie hat
aber auch schon hübsche Geschenke gefunden.
Geflochtene Körbe, Fensterschmuck, sogar eine Panflöte hat
Lieselotte Bundy hier gekauft. Jetzt probiert sie eine Halskette
aus Kokosnussschale an: Gibts hier einen
Spiegel?
Brigitte Gnegne ist mit ihrem kleinen Sohn hier. Der sieht sich
verschiedene T-Shirts und Pullover an. Leider sind die Klamotten
etwas zu schmal. Bei der Kleidung ist die Nachfrage höher
als das Angebot, sagt Mitarbeiterin Birgitta Hahn. Es
ist schwierig, an die Dinge ranzukommen. So müssen Kunden
des Weltladens schon hin und wieder Geduld haben, wenn sie ein
bestimmtes Produkt suchen. Brigitte Gnegne stöbert in den
Regalen, kauft Kakao, Kaffee und das Buch Zahltag in
Abidjan. Ich habe den Laden gerade zufällig
entdeckt. Hier gibt es Produkte, die die großen Kaufhäuser
nicht haben, stellt sie fest.
Das bestätigt Birgitta Hahn vom Weltladen-Team.
Umweltpapier zum Beispiel oder die Babytragetücher kriegen
Sie nur bei uns. Überhaupt bietet das Geschäft auf
kleinem Raum eine große Vielfalt. Die bekannten Kaffee-, Tee-
und Honigsorten mit dem Transfair-Siegel, das den Produzenten
faire Erlöse garantiert, sind ebenso zu finden wie
Lederrucksäcke, Jutetaschen, bestickte Tücher, Wachskerzen,
Blöcke und Buntstifte, handgefertigter Schmuck und
Haushaltswaren wie Tischuntersetzer, Teller oder Gläser. In
einem Regal stehen Bücher über Afrika und Asien, entwicklungs-
und umweltpolitische Themen. In der so genannten Mediathek
können sich die Kunden Videos, Zeitschriften, Bücher und CDs
ausleihen und sich über fairen Handel informieren.
Birgitta Hahn trägt einen großen Karton von draußen herein:
Die getrockneten Mangos sind heiß begehrt. Während
sie die neu gelieferte Ware auszeichnet, wird sie immer wieder
von Kunden unterbrochen, die etwas wissen wollen. Sie ist an
diesem Tag einzige Mitarbeiterin im Laden. Die Aktion
Partnerschaft Dritte Welt, Träger des Weltladens, ist
ständig auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen, die als
Verkäufer aushelfen. Ein knappes Dutzend Freiwillige arbeiten
zurzeit mit, außerdem finanziert der Trägerverein zwei halbe
und eine Viertelstelle.
Apropos Finanzierung: Da der Laden nicht auf Gewinn aus ist,
investiert er die Einnahmen in Miete und Personal. In der Regel
gibt es dafür auch Zuschüsse von der Stadt. Vor zwei Jahren ist
der Umsatz um zehn Prozent gesunken. Die Bereitschaft, für
Lebensmittel mehr zu bezahlen, ist zurückgegangen,
erklärt Birgitta Hahn. Als die Weltläden in den 1970er und 80er
Jahren entstanden, seien sie beliebter gewesen. Aber: Das
Preisdumping wie bei den Discountern können und wollen wir nicht
mitmachen.
Mit sinkenden Umsätzen haben viele der 40 Organisationen zu
kämpfen, die sich unter dem gemeinsamen Dachsiegel von Transfair
zusammengeschlossen haben. Hauptgrund sei der massive Wettbewerb
im Lebensmittelhandel, bei dem vor allem Kaffee zu
Schleuderpreisen angeboten werde, so Transfair. Wer allerdings
den Produzenten faire Preise bezahlen wolle, könne Tee oder
Kaffee nicht so billig anbieten. Sinn und Zweck des fairen
Handels wollen die Weltläden wieder verstärkt ins Bewusstsein
der Öffentlichkeit bringen. Eine Möglichkeit ist die
bundesweite Faire Woche, an der sich auch Weltläden im Erzbistum
Freiburg beteiligen (siehe Anhang).
Auf seinen Umsatzrückgang hat der Karlsruher Weltladen reagiert:
Wir haben den Laden umgestaltet, präsentieren uns
professioneller und machen auch gezielter Werbung, sagt
Birgitta Hahn. Vor 20 Jahren war die Qualität der Ware
eher bescheiden, aber heute können wir selbstbewusst hinter
unseren Produkten stehen. Dass sich jemand zufällig in den
Laden verirrt, komme eher selten vor, erklärt die Verkäuferin.
Die meisten Käufer seien Stammkunden. Im Gegensatz zu
früher kommen kaum noch Studenten.
Meist sind es junge Mütter mit Kindern, die hier einkaufen.
Größter Kunde sind die Pfarrgemeinden, die im Weltladen Waren
auf Kommission besorgen, um sie etwa nach dem Gottesdienst zu
verkaufen. In Karlsruhe kooperieren diese Pfarrei-Arbeitskreise
mit dem Weltladen. Anderswo in der Erzdiözese Freiburg
organisieren Pfarreien Verkäufe von fair gehandelten Waren
selbständig oder betreiben sogar eigene Weltläden.
Der Karlsruher Günter Seibert hat durch den Pfarreiverkauf den
Weltladen wiederentdeckt. Zwar könnte ich aus
Kostengründen für meine große Familie nicht alles hier
einkaufen, sagt er. Aber das Geschäft ist eine gute
Provokation.
Burkhard Schäfers
Stichwort: Faire Woche
Mit einer bundesweiten Aktionswoche vom 24. bis 30. 9. 2001
wollen verschiedene Akteure des Fairen Handels auf sich
aufmerksam machen. Kirchen, Verbände, Weltläden, Schulen,
Agenda-Gruppen, entwicklungspolitische Initiativen, Politik und
Wirtschaft sollen sich an der Kampagne beteiligen. Geplant sind
lokale und überregionale Aktionen, die die Öffentlichkeit auf
den Fairen Handel aufmerksam machen sollen. So haben
beispielsweise in der Region Waldshut-Tiengen, Wiesental,
Dreiländereck alle Weltläden ein gemeinsames Programm auf die
Beine gestellt, das am Samstag, 22. September, um 9 Uhr auf dem
Münsterplatz Bad Säckingen von der Parlamentarischen
Staatssekretärin Uschi Eid eröffnet wird. In einer gemeinsamen
Veranstaltung aller beteiligten Weltläden berichtet am Montag,
24. 9., Pater Shay Cullen aus den Philippinen über seine Arbeit
in einem Kinderschutzzentrum. Beginn ist um 19.30 Uhr im
Vincentiushaus in Murg.