Wer entscheidet?
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit
läuft derzeit eine wichtige Frist ab: In einem Monat, am 7.
Dezember, will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Fördergelder
zum Import embryonaler Stammzellen freigeben. Nun hat ein Ringen
um eine Verschiebung dieses Termins eingesetzt, das bei
Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch andauerte.
Könnte die DFG auf ihrem Ultimatum beharren, wäre dies schwer
erträglich. Denn im Hintergrund steht die Frage: Wer bestimmt
bei solch weitreichenden Fragen das Handeln? Forscherinteressen?
Wirtschaft? Volksvertreter?
Die Politik auch in Deutschland war in den vergangenen Wochen mit
den Themen Terror, Krieg und innere Sicherheit mehr als
ausgelastet. Nach der ursprünglichen Tagesordnung hätte dies
jedoch der Herbst der bioethischen Diskussion sein sollen. Den
Anstoß hatte im Frühsommer eine denkwürdige Bundestags-Debatte
gegeben. Da-mals war man sich über Parteigrenzen hinweg einig,
noch mehr über die bioethischen Fragen reden zu müssen.
In diesen Tagen wollten die Parlamentarier in freier
Gewissensentscheidung beschließen, wie weit Forschung in
Deutschland gehen darf. Der 11. September hat diesen Zeitplan
durchkreuzt. Es war schlicht keine Zeit und keine Kapazität da,
um sich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen.
Nur ein paar Wochen mehr nichts weiter verlangen nun
Politiker. Bei einer solchen Entscheidung müsse die
Volksvertretung sprechen, und das könne sie fundiert eben erst
wieder Ende Januar. Dann könnte ein Votum für oder gegen den
Import embryonaler Stammzellen gefunden sein.
Die derzeitige Eile von Seiten der DFG legt den Verdacht nahe,
man wolle vollendete Tatsachen schaffen. Doch die Politik darf
sich das Gesetz des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen.
Stephan Langer