„Die Wahrheit beim anderen entdecken“

Walldorf: Ökumenischer Gottesdienst von Erzbischof Saier und Landesbischof Fischer

Seit 19 Jahren treffen sich die Bischöfe der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche in Baden vor Pfingsten zu einem ökumenischen Gottesdienst. In diesem Jahr kamen Oskar Saier und Ulrich Fischer mit mehreren hundert Gläubigen in der evangelischen Stadtkirche von Walldorf zusammen.

„Alle sollen eins sein.“ Der Auftrag Jesu ist eindeutig. Auf dem Weg zu diesem Ziel, dem Weg der Ökumene, haben die beiden großen Kirchen hierzulande eine feste Einrichtung geschaffen: den Gottesdienst, zu dem der Erzbischof von Freiburg und der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden alljährlich zusammenkommen. In diesem Jahr trafen sich Oskar Saier und Ulrich Fischer in Walldorf. Mit mehreren hundert Gläubigen feierten die Bischöfe einen Gottesdienst, der in erster Linie gekennzeichnet war von Freundschaft und Achtung: So zitierte etwa Ulrich Fischer den katholischen Theologen Hans Urs von Balthasar. Oskar Saier antwortete, indem er in seiner Predigt empfahl, sich am „Vorbild“ Dietrich Bonhoeffers zu orientieren.
Das gute geschwisterliche Klima in der Ökumene ermöglicht und verlangt aber, dass genauso die Schwierigkeiten angesprochen werden. Für Fischer war dies im vergangenen Jahr vor allem eine „kräftige Seitenböe aus Rom“: die vatikanische Erklärung „Dominus Iesus“. Der Landesbischof unterstrich, dass das Dokument den „Widerspruch“ der evangelischen Christen hervorrufen müsse. „Wir sind katholische Kirche im ursprünglichen Sinn des Wortes“, so der Landesbischof: „Das sagen wir selbstbewusst gegen alle römischen Ansprüche.“ Fischer zeigte sich dankbar, dass dies „von unseren katholischen Schwestern und Brüdern hier in Baden so gut verstanden wird“.
Auch Erzbischof Saier sprach Probleme offen an. So gebe es „Besorgnisse“ gegenüber der Ökumene – von beiden Seiten: Die einen beklagten, man habe sich vom wahren Protestantismus zu weit entfernt. Andere würden befürchten, die reine Lehre der katholischen Kirche zu verraten.
Beide Bischöfe riefen die Gläubigen auf, trotz aller Schwierigkeiten nicht auf dem Weg zur Einheit stehen zu bleiben. Als Ermunterung könne dabei der Blick auf das bisher Erreichte dienen. Saier verwies etwa auf das „gemeinsame Zeugnis“ der christlichen Kirchen zum Lebensschutz sowie auf die Erklärung der Erzdiözese und der Landeskirche „Gottesdienst und Amtshandlungen als Orte der Begegnung“. Saier wörtlich: „Wir können Resultate vorweisen. Es geht voran.“
Für die Zukunft forderte Saier, „sich auf die anderen Christen einzulassen, um auch bei ihnen Jesu Weg, Wahrheit und Leben zu entdecken“. Dies könne in erster Linie über das verstärkte Glaubensgespräch geschehen. Weitergehendem erteilte auch Ulrich Fischer eine Absage: „Eine Abendmahlsgemeinschaft wird es auf absehbare Zeit zwischen unseren Kirchen wohl nicht geben.“
Stephan Langer