Von den Kämpfen zwischen
Israel und Palästinensern ist auch das Caritas Babyhospital in
Bethlehem betroffen. In dem 1952 gegründeten Krankenhaus werden
Kinder ohne Rücksicht auf ihre Herkunft behandelt. Unterhalten
wird das Krankenhaus von der Kinderhilfe Bethlehem, einem
deutsch-schweizerischen Hilfswerk, zu dessen Trägern wiederum
die Erzdiözese Freiburg gehört. Insbesondere die diözesane
Frauenge-meinschaft engagiert sich für die Einrichtung. Helene
von Heyl, Vorstandsmitglied der Kinderhilfe, besuchte das
Hospital und berichtet im Folgenden über ihre Erlebnisse.
Zwischen den Fronten
Ein Besuch im Caritas
Babyhospital in Bethlehem
Der Checkpoint
Unser Quartier ist wie immer ein Pilgerhaus in der Altstadt von
Jerusalem. Somit fahren wir jeden Tag über den Checkpoint, eine
Kontrollstelle, hinüber nach Bethlehem. Jerusalem ist in den
letzten Jahren nah an Bethlehem herangewachsen. Fast die Hälfte
der Stadt ist von neuen israelischen Siedlungen umgeben.
Am Checkpoint sehen wir lange Autoschlangen, die langsam
abgefertigt werden. Viele Männer warten in der großen Hitze. Es
sind Palästinenser, die zur Arbeit wollen, aber nicht
durchgelassen oder auf Schleichwegen abgefangen wurden. Zuweilen
werden sie auch bedroht. Einige sitzen auf dem staubigen Boden,
um ihr Gebet zu verrichten. Es kann Stunden dauern, bis sie ihre
Ausweise wieder bekommen. Keine Arbeit bedeutet kein Lohn und
viele Familien leben bereits in bitterer Armut. Wir Europäer
dagegen dürfen problemlos passieren.
Das Babyhospital
Der Empfang im Babyhospital ist wie immer sehr herzlich. Nach längerer
Renovierungszeit präsentiert sich das Haus rein äußerlich in
bestem Zustand. Aber es ist Krieg und somit noch nicht einmal die
Häfte aller Bettchen belegt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass
die Eltern mit ihren kranken Kindern einfach nicht bis zum
Krankenhaus durchkommen. Zum anderen wollen sie auch ihre übrigen
Kinder nicht alleine lassen. So bleiben viele kranke Kinder ohne
Behandlung. 25 von 1000 palästinensischen Kindern sterben in den
ersten Lebensjahren.
Der Betrieb im Krankenhaus läuft wie gewohnt, aber die Atmosphäre
ist angespannt. Man sieht vielen Angestellten die Belastungen an,
unter denen sie leben. Am Abend und in der Nacht liegt die Stadt
häufig unter Beschuss und am Tag müssen sie arbeiten, damit
wenigstens einer in der Familie verdient. Derzeit erwarten zehn
Schwestern selbst ein Baby. Besonders bewegend ist es, in die
Gesichter der Mütter zu sehen. Die Frauen sind mutig, aber oft
auch überlastet, traurig und müde.
Die Kinder
Das eigentliche Ziel aller Bemühungen ist, dass es den kranken
Kindern im Hospital so gut wie möglich geht. Ich habe mich darum
mehrfach eingehend mit den Kindern befasst. Etliche sind schwer
und schwerst behindert. Die Ursachen dieser oft unspezifischen
Behinderungen sind oft Verwandtenehen.
Da ist der kleine Ibrahim aus Gaza. Er ist ein halbes Jahr alt
und wächst nicht mehr. An diesem aufgeweckten Kind wird so
manche Tragik klar. Oft haben hier die Krankheiten der Kinder
neben körperlichen auch seelische Ursachen und diese sind
besonders erschütternd: Die Eltern des kleinen Ibrahim leben in
Gaza in großer Not. Sie haben noch zahlreiche andere Kinder und
lehnen dieses Kind deshalb ab. Sie wollen ihn einfach nicht mehr.
Vielleicht spürt Ibrahim dies unterschwellig und wächst deshalb
nicht mehr.
Oder das Mädchen Hind, ebenfalls aus Gaza, zwei Jahre alt. Hind
hat schwer Zucker (Glukoseintoleranz). Auch sie wollen die Eltern
nicht mehr haben. Sie haben acht weitere Kinder und die spezielle
Diät und die Medikamente für Hind sind in Gaza nicht zu
bekommen. Es war schwierig, dieses Kind am Leben zu halten.
Ursula Loeser, eine Kinderkrankenschwester aus Köln nahm sich
Hind besonders an und erzählt, dass das Kind wohl beschlossen
hatte, zu sterben. Denn auch nachdem es ihr körperlich besser
ging kapselte sie sich total ab und sperrte sich mit Händen und
Fäustchen so als wäre sie eine Autistin. Nach langem und
geduldigen Locken und Pflegen kehrte sie wieder zum Leben zurück.
Nun ist sie ein lustiges temperamentvolles Kind mit neuer
Lebenskraft. Was wird aus dir werden, kleine Hind?
Dies sind zwei traurige Beispiele von Kindern in Bethlehem. Es
gibt aber auch viele, die gesund und vergnügt an der Hand der
Mutter das Hospital verlassen.
Am letzten Tag unseres Aufenthaltes hatten wir ein paar Stunden
Zeit, durch das heiße Cidrontal hinauf zum Ölberg zu wandern.
Wir brachten das Leid so vieler Menschen, denen wir begegneten
dorthin, wo Aussichtslosigkeit und Elend ihre Zuflucht und
letztlich ihren Sinn finden im Leiden Jesu.
Helene von Heyl