Verwurzelt weiterwachsen
Die Klosterschulen Offenburg treten der Schulstiftung bei
In der Geschichte der Klosterschulen Unserer Lieben Frau in Offenburg wurde zu Jahresbeginn ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Trägerschaft des Mädchengymnasiums und der Mädchenrealschule ging vom Orden der Augustiner-Chorfrauen an die Schulstiftung der Erzdiözese über. In einem Festakt wurde dieser Wechsel nun feierlich vollzogen.
Seit 1783 engagierten sich die
Augustiner-Chorfrauen auf dem Gebiet der heutigen Erzdiözese
Freiburg in der Mädchenerziehung: zunächst in Ottersweier, seit
1823 in Offenburg. Ihre Arbeit war bis zuletzt erfolgreich und
beliebt aber sie war aufgrund des zurückgehenden
Nachwuchses im Orden nicht mehr in der bisherigen Form zu
leisten. Und so gaben die Schwestern die Trägerschaft und damit
die strukturelle und finanzielle Verantwortung ab. Die Schulen
schlüpften wie schon 25 andere unter das Dach der
Schulstiftung der Erzdiözese.
Die Fakten sind also schnell beschrieben, doch welche Gefühle
passen zu solch einem Übergang? Da ist zunächst sicherlich ein
gehöriger Anteil Wehmut bei den Klosterfrauen, wie Weihbischof
Paul Wehrle in seiner Festpredigt erinnerte. Denn die Erziehung
von Mädchen gehört ganz wesentlich zur Geschichte und zum
Profil dieses Ordens, speziell mit diesem Akzent hatte der
heilige Pierre Fourier die Schwesterngemeinschaft gegründet. Und
so hatten die Augustiner-Chorfrauen auch nur schweren Herzens die
Trägerschaft der Offenburger Klosterschulen abgegeben. Doch sie
hatten erkannt, dass nur damit der Bestand der Schulen zu sichern
sei, so die Superiorin, Mutter Martina Merkle.
Das vorherrschende Gefühl bei den Festrednern war die
Dankbarkeit gegenüber den Schwestern. Schulleiter Hans Entringer
sprach von einer unvergleichlichen historischen Leistung
des Ordens. Auch der Leiter der Schulstiftung, Dietfried Scherer,
würdigte die Arbeit der Augustiner-Chorfrauen. In seinem Beitrag
sicherte er den Schwestern zu, die Patina, also das
unverwechselbare eigene Profil der Schule, zu erhalten. Sie
wird weiterhin Klosterschule sein, sagte Scherer. Und er
ermunterte die Ordensgemeinschaft, den Weg der Schule auch in
Zukunft zu begleiten und zu prägen. Sie gehören zu dieser
Schule, ich bitte Sie um Ihre Präsenz. Ohnehin ist der
Orden im Stiftungsrat, dem höchsten beschlussfassenden Organ der
Schulstiftung, vertreten und hat so ein Mitspracherecht.
Mit dem Eintritt unter den Schirm der Stiftung hätten die
Klosterschulen die höchstmögliche Form der Sicherheit
gewählt, erläuterte Scherer. Somit wird es auch weiterhin freie
katholische Schulen in Offenburg geben, wird die Kirche hier
diesen unschätzbaren Dienst an der Gesellschaft
(Scherer) leisten. Die Freude darüber war das dritte, und
letztlich überragende Gefühl am Festtag.
Ein wenig Wehmut, Dank und Freude Weihbischof Wehrle
fasste die drei Gefühle in der Losung zusammen Verwurzelt
weiterwachsen: Nur wer in der Tradition verankert
ist, kann sich auch der Zukunft verpflichten.
Stephan Langer