Vertrauen ist gut
Der südbadische Unternehmer
Peter Osypka folgt seiner christlichen Verantwortung nicht
nur in seinem Betrieb
So richtig chefig wirkt er eigentlich nicht, wenn er durch die
Werkshallen seines Unternehmens geht: kein teurer Anzug, kein
gestochener Schritt, keine gespielte Hektik. Und wenn Peter
Osypka mit seinen Mitarbeitern spricht, dann nicht um Anweisungen
zu geben, sondern um etwas von ihnen zu erfahren: Wie läuft
es denn mit der neuen Maschine? Aber auch: Wie geht
es denn inzwischen Ihrem Sohn? Man darf nicht
vergessen, dass es die Mitarbeiter sind, die zum Erfolg eines
Unternehmens beitragen. Und so muss man sie auch schätzen und
mit ihnen umgehen, sagt Peter Osypka.
175 Mitarbeiter hat die Dr. Osypka Medizintechnik GmbH in
Rheinfelden an der Schweizer Grenze. Vorwiegend stellen sie die
Verbindungsstücke zwischen Herzschrittmacher und Herzen her.
Wir dürfen uns keine Schlamperei leisten, sagt Peter
Osypka. Gerade in der Medizintechnik tragen wir eine große
Verantwortung für die Menschen, die auf unsere Produkte
angewiesen sind.
Doch die Verantwortung für Menschen zeigt Peter Osypka nicht nur
in seiner Firma. Gerade hat er einen besonders hohen Betrag für
Caritas international gespendet. Insgesamt 24 Sozialstationen in
Rumänien, Moldawien und Bulgarien können damit aufgebaut und
unterhalten werden. Ich habe mir nach Kant das Motto zu
Eigen gemacht: ,Reich ist man nicht durch das, was man besitzt,
sondern durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß,
begründet der Unternehmer sein großzügiges Handeln. Materielle
Güter bedeuten mir nichts, und deswegen kann ich von dem, was
ich habe, gut einiges abgeben.
Dreimal hat er alles verloren
Dreimal hat der 66-Jährige in seinem Leben alles verloren,
dreimal musste er fliehen und seinen Besitz zurücklassen. Das
habe ihn gelehrt, sein Herz nicht an die Dinge zu hängen, sagt
Peter Osypka. Als Sohn eines Elektrikers wurde er 1934 in
Oberschlesien geboren. Später zog die Familie nach Peenemünde
an der Ostsee. Als sich die Osypkas im August 1943 auf den Weg
zurück nach Oberschlesien machten, ahnten sie noch nicht, dass
sie damit ihr Leben gerettet hatten. Denn drei Tage später
fielen Bomben auf Peenemünde. Alle, die wir kannten, waren
tot, erzählt Osypka.
Zwei Jahre später flüchtete die Familie wieder von
Schlesien nach Leipzig. Und als Peter Osypka nach seinem Abitur
1952 in der DDR nicht studieren durfte, weil er in der
katholischen Jugend aktiv war, hat er sich wieder auf die Flucht
begeben. Diesmal über die Grenze nach Braunschweig, wo er den
Grundstein für seine heutige Tätigkeit legte und Elektrotechnik
studierte. Ich glaube, dass Gott es sehr gut mit mir
gemeint hat. Und immer, wenn etwas nicht so geschehen ist, wie
ich es mir gewünscht habe, dachte ich mir: ,Wer weiß, wozu es
gut ist, erzählt der gläubige Katholik.
1977 hat er seinen Betrieb in Lörrach gegründet. Vor fünf
Jahren hat er die Firma verkauft, weil er sich langsam zurückziehen
wollte. Als er jedoch merkte, dass der Käufer plante, das Werk
zu schließen, kaufte er seine Firma kurzerhand zurück
vor allem, um die Arbeitsplätze zu sichern. Ich glaube,
dass Erfolg zu einem Drittel durch Intelligenz, zu einem Drittel
durch Disziplin und zu einem Drittel durch Glück zustande kommt,
erläutert Peter Osypka. Und das bringt für ihn auch eine
Verpflichtung mit sich: Das ist wie in dem Evangelium von
den Talenten. Jeder bekommt seine Talente. Wenn er sie nicht
nutzt, macht er einen Fehler. Und jeder wird einmal zur
Rechenschaft gezogen für das, was er mit seinen Talenten gemacht
hat.
Und deswegen will Peter Osypka nicht nur sein Unternehmen
voranbringen, sondern auch diejenigen unterstützen, die Not
leiden. Für Projekte von Caritas international in Bangladesch
und Vietnam hat er bereits viel Geld zur Verfügung gestellt:
Ich glaube, dass Caritas international weiß, wie das Geld
am besten angelegt ist. Deswegen starte ich auch keine eigenen
Projekte. Mit einer großen Spende für Osteuropa trägt er
dazu bei, langfristig eine strukturelle Veränderung im osteuropäischen
Gesundheitswesen hervorzurufen.
Hunderttausende Menschen können in Ländern, in denen das
staatliche Gesundheitssystem zusammengebrochen ist, durch den
Aufbau von Sozialstationen eine Gesundheitsversorgung bekommen.
Es ist nicht das Geld allein, das Peter Osypkas Spende so
wertvoll macht, sagt Martin Salm, der Leiter von Caritas
international. Zusammen mit ihm können wir Projekte
finanzieren, die in den Medien wenig beachtet werden und für die
wir deshalb nur wenige Spenden bekommen. Und wir können die
Caritas-Idee in die Länder tragen, weil es uns gelingt, dort
selbstständige Caritas-Strukturen aufzubauen.
Jeder bekommt seine Talente
Peter Osypkas
Verantwortungsbewusstsein speist sich aus seiner christlichen
Grundüberzeugung und aus seinem positiven Menschenbild. Ich
habe große Fehler gemacht, weil ich anderen Menschen zu sehr
vertraut habe. Viel Geld hat er verloren, als Geschäftspartner
ihn betrogen und hintergangen haben. Trotzdem hat Peter Osypka
daraus kaum Konsequenzen gezogen: Wenn mir ein Mensch
begegnet, kann ich nicht als Erstes ausfindig machen, ob alles
wahr ist, was er sagt, sondern vertraue ihm erst einmal. Man kann
nicht leben, wenn man keinem Menschen vertraut.
Und sein Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Peter Osypka will
noch in diesem Jahr expandieren. Die Pläne für die neuen Gebäude
liegen schon in seinem Büro gleich gegenüber der Werkhalle. Auf
dem Weg dorthin kommt Monika Gillner vorbei. Seit 22 Jahren ist
sie Facharbeiterin in Osypkas Unternehmen. Freudig nimmt sie den
Firmenchef in den Arm und ruft: Sie wollen wirklich schon
vor mir in den Ruhestand gehen, Frau Gillner? Ja,
eigentlich im Sommer ... Aber als sie dort so steht, mit
ihrem Chef an der Hand, entscheidet sie sich doch noch schnell,
wenigstens bis zum Ende des Jahres zu bleiben.
Linda Tenbohlen