16 Kirchen in Karlsruhe, Bad Bergzabern und Wissembourg sind derzeit mit 19 temporären Kunst-Installationen ausgestattet. Vorausgegangen war ein europaweiter Wettbewerb, an dem sich über 500 Künstler beteiligt hatten. An diesem Sonntag wird das Projekt um 18 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Weihbischof Rainer Klug und Landesbischof Ulrich Fischer eröffnet.

Heiliger Schein

Ein Kunstprojekt der katholischen und evangelischen Kirche am Mittleren Oberrhein

Ist das eine Landestation für UFOs“, fragt der vielleicht zehnjährige Junge seinen Vater. „Nein, das ist ein Heiligenschein“, weiß es dieser besser. Von dem italienischen Restaurant im Gothaer Haus hat man einen vorzüglichen Blick auf den Heiligenschein über der Kuppel von St. Stephan in Karlsruhe. Die Arbeit des Hamburger Künstlers Ulf Reisener ist der spektakulärste Beitrag zu dem ökumenischen Projekt „Kirchen(t)räume“. Wenn es dunkel wird, beginnt der Heiligenschein über der Kuppel des klassizistischen Bauwerks gelblich-grün zu leuchten. Bei Pasta und Rotwein schmunzeln die Gäste über das heiter-hintergründige Objekt.
„Die Leute fragen mich schon“, berichtet die Aufsicht in der Evangelischen Stadtkirche am Karlsruher Marktplatz. Hoch oben an den Säulen hängen in dem Gotteshaus bunte Nistkästen. Sie kommen in der grauen, nüchternen Kirche gut
zur Geltung. „Die Kirchenbesucher finden es heiter“, freut sich Pfarrer Dieter Splinter über erste Reaktionen. An den beiden nächsten Sonntagen wird er in „Vogelpredigten“ versuchen, die Häuschen theologisch zu deuten.
Pfarrer Alfons Bechtold von der Gemeinde Unsere Liebe Frau in der Karlsruher Südstadt hat ein Buch in seiner Kirche ausgelegt. In dieses können die Besucher ihre Meinung zu den Stofftafeln, die von den Lampen herabhängen, schreiben. Lob findet sich darin, aber auch Kritik. Die Tücher provozieren. „Sie sind Gesprächsstoff in der Pfarrei“, berichtet der Seelsorger. Die einen werden sich freuen, die anderen werden es bedauern, wenn in einem Vierteljahr die Tücher wieder abgehängt werden. „Kunst muss nicht immer für die Ewigkeit sein“, sagt der Pfarrer nachdenklich.
Das Mühlburger Tor in Karlsruhe ist einer der Verkehrsknotenpunkte im Zentrum. Etwas abseits der Straße, zwischen alten hohen Bäumen, erhebt sich mächtig die neogotische Christuskirche. Es ist noch gar nicht lange her, dass die im Krieg zerstörte Turmspitze dem aus rotem Sandstein erbauten evangelischen Gotteshaus wieder aufgesetzt wurde. Seit ein paar Tagen steht rechts vor dem Hauptportal etwas verloren die „Domus aurea“, ein mit Bleiblech verkleidetes „goldenes Haus“ in der Größe eines Geräteschuppens. „Die Tür kann man ja gar nicht aufmachen“, wundert sich eine junge Passantin. Nicht alle Kunstwerke erschließen sich dem Betrachter von selbst. Schade, denn innen soll die eigentlich begehbare Plastik golden strahlen und „Neugier wecken“, wie die Künstlerin Elisabeth Heindl schreibt.
Bis zum 10. September laden die 19 Kunstwerke noch zum Dialog mit dem Betrachter ein. In der Krypta der Evangelischen Stadtkirche werden während dieser Zeit in einer Ausstellung alle ausgewählten Entwürfe gezeigt. Zu dem Projekt „Kirchen(t)räume“ erscheint ein Katalog.
ALBERT KÄUFLEIN