Suche nach dem Miteinander

Paul Wehrle seit 20 Jahren Weihbischof im Bistum Freiburg

Weihbischof Paul Wehrle feiert am 5. Juli ein Jubiläum: Vor 20 Jahren, am 5. Juli 1981, wurde er im Freiburger Münster zum Bischof geweiht.

„So wie Mensch sein und Mensch werden nur mit anderen Menschen möglich ist, so lebt Christsein und Christwerden nur aus dem Miteinander im Glauben.“ Dies ist Quintessenz eines Beitrages, den Weihbischof Paul Wehrle im April dieses Jahres für die Osterausgabe des konradsblattes schrieb. Ein Satz, der auch als Generalthema seines bischöflichen Dienstes stehen könnte. Es scheint, als sei es der Wunsch, ja die Sehnsucht nach diesem Miteinander, die ihn in diesem Dienst immer wieder antreibt und bewegt. Und das seit nunmehr 20 Jahren: Am 5. Juli 1981 wurde Paul Wehrle im Freiburger Münster zum Weihbischof geweiht.
Erst 41 Jahre alt war Paul Wehrle damals. Und man sieht ihm kaum an, dass er im Laufe dieser zwei Jahrzehnte die 60 überschritten hat. Als „Jugendbischof“ der Erzdiözese Freiburg geht er immer noch locker durch. Auch bei der heutigen Generation Jugendlicher, die noch gar nicht geboren war, als er 1982 ganz offiziell zum Bischöflichen Vikar für Jugendfragen ernannt wurde. Und als Verantwortlicher für die Hochschulseelsorge ist der gebürtige Singener auch für die Studentinnen und Studenten der Hochschulgemeinden noch immer der selbstverständliche Ansprechpartner. Auf Bundesebene ist Paul Wehrle unter anderem Mitglied der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz.
Im Blick auf die vielfältigen Termine, die Weihbischof Wehrle Monat für Monat wahrnimmt, fällt auf, dass er auf den Kontakt zur so genannten „Basis“ – zu denjenigen, die sich vor Ort in den Gemeinden und Verbänden engagieren – Wert legt. Angesichts der vielfältigen und widersprüchlichen Entwicklungen, so die Überzeugung Paul Wehrles, kommt es mehr denn je auf die unmittelbare und persönliche Begegnung an.
Mit dieser Grundhaltung konnte Weihbischof Wehrle in den letzten 20 Jahren auch so manches Vorurteil abbauen. Dem Gespräch über gesellschaftliche und innerkirchliche Fragen ist er nie ausgewichen. Und gerade dann, wenn es kontrovers zugeht, sucht er immer den gemeinsamen Boden. Oder wenigstens die vorhandenen Berührungspunkte. Das „Miteinander im Glauben“ eben. Zuhörer und Gesprächspartner erleben ihn als einen, der in der Lage ist, die Dinge auf den Punkt zu bringen, ohne sie zu vereinfachen; als einen, der die verschiedensten Aspekte eines Themas im Auge behält und sich doch nicht in Nebensächlichkeiten verliert; und vor allem als einen, der „auf Augenhöhe“ mit den Menschen redet, der Einwände und Kritik nicht einfach beiseite wischt, sondern genauer hinhört, um vielleicht das „Anliegen hinter dem Anliegen“ seines Gesprächspartners zu entdecken.
„Erneuerung der Kirche“, so sagte Paul Wehrle vor einigen Jahren in einem Interview, beginne mit der persönlichen und gemeinsamen Bereitschaft zur Umkehr, mit der Freiheit zum Dienen und mit dem Mut, dem Wirken des Geistes Gottes Raum zu geben. Für diese Haltung steht er.
Immer wieder war in der Vergangenheit davon die Rede, dass Weihbischof Wehrle als Bischof in diesem oder jenem vakanten Bistum in Deutschland im Gespräch sei. Bewahrheitet haben sich diese Spekulationen nie. Darüber kann man sich nur wundern. Oder freuen. Denn so ist er dem Erzbistum Freiburg erhalten geblieben.

Michael Winter