Über den eigenen Tellerrand
hinausschauen das gehört immer schon zum Selbstverständnis
kirchlicher Jugendarbeit. Was in der Regel in den wöchentlichen
Gruppenstunden geschieht, soll im Oktober an drei Tagen
konzentriert deutlich werden. Jugendgruppen bekommen dann eine
Aufgabe zum Wohle der Allgemeinheit, die sie innerhalb von 72
Stunden lösen müssen.
Junge Leute, beherzter
Einsatz, sinnvolles Tun
Die 72-Stunden-Aktion des BDKJ
wird mehr als 5000 Jugendliche aktivieren aber sie ist
eigentlich noch geheim
Es hört sich ein bisschen an wie ein Actionfilm: 72
Stunden ohne Kompromiss. Da ließe sich an James Bond
denken, der im Wettlauf gegen die Uhr die Welt vor bösen Buben
retten muss. Man könnte auch versucht sein, das Ganze in die
Schublade Spielshow oder Rekordversuch einzuordnen. Im Sinne von:
Wir wetten, dass wir es schaffen, in drei Tagen 500 000
Butterbrote zu schmieren.
Na ja, die Elemente Spannung, Spaß und das Meistern einer
Herausforderung sind schon mal nicht schlecht. Doch das allein
macht die geplante 72-Stunden-Aktion des BDKJ (Bund der Deutschen
Katholischen Jugend) im Erzbistum nicht aus. Wenn im Oktober
Jugendliche aus den kirchlichen Verbänden drei Tage am Stück
die Ärmel hochkrempeln, geht es um mehr als das eigene
prickelnde Erlebnis. Die Aktion hat gerade auch den Einsatz für
andere zum Inhalt. 72 Stunden ohne Kompromiss
für den Schirmherrn, Jugendbischof Paul Wehrle, heißt das:
Junge Leute, beherzter Einsatz, Freude am sinnvollen Tun.
Rund 200 Jugendgruppen aus den neun Mitgliedsverbänden des BDKJ
haben sich auf die 72-Stunden-Aktion eingelassen. Angefangen bei
der KJG-Gruppe aus Mannheim-Lindenhof bis zum Pfadfinderstamm St.
Pankratius aus Singen (die komplette Liste gibt es unter
www.72stunden.de). Alles in allem, so schätzen die
Verantwortlichen, werden in der Erzdiözese mehr als 5000
Jugendliche aktiv werden. Die treffen sich derzeit in den
Dekanaten mit regionalen Ansprechpartnern, meist den
Dekanatsjugendreferenten. Dabei geht es darum, die jeweilige
Gemeinschaft ein wenig zu organisieren, Stärken und Talente
ausfindig zu machen. Mit dem Aktionshandbuch können die
Jugendlichen auch schon mal den Ernstfall proben. Zum Beispiel
mit der 72-Sekunden-Herausforderung: Stellt euch in 72
Sekunden nach eurem Geburtsdatum sortiert auf!
Viel mehr als diese nicht ganz ernst gemeinte Probe lässt sich
zum jetzigen Zeitpunkt nicht tun. Denn letztlich wird sich die
Aktion eben in den 72 Stunden abspielen, die ihr den Namen
gegeben haben. Am Donnerstagnachmittag, 4. Oktober, wird
irgendjemand mit der Gruppe vor Ort Kontakt aufnehmen und ihr
eine Aufgabe für die nächsten drei Tage mitteilen. Dann heißt
es ranklotzen: die Jugendlichen müssen zum Beispiel Baumaterial
besorgen, Sponsoren finden, selbst Öffentlichkeitsarbeit machen.
Auch an Kleinigkeiten wie Befreiung vom
Schulunterricht oder die Verpflegung ist zu denken. Und nach
genau 72 Stunden, am Sonntagabend, wird Bilanz gezogen. Aufgabe
erfüllt? Dann darf gefeiert werden.
Wer jetzt schon mehr über die einzelnen Projekte herausfinden
will, wird sich die Zähne ausbeißen. So ist zum Beispiel
BDKJ-Diözesanleiterin Rita Kernler in diesen Tagen eher als
Geheimnisträgerin unterwegs. Sie betont nur die allgemeinen
Rahmenbedingungen. So sollen es Projekte sein, mit denen das
soziale Engagement der kirchlichen Jugendverbände unterstrichen
wird. Allenfalls verweist Rita Kernler noch auf andere Diözesen,
in denen die 72 Stunden-Aktion schon gelaufen ist. In Paderborn,
Essen und Münster beispielsweise. Da haben Jugendliche einen
Kinderspielplatz wieder in Schuss gebracht oder ein Fest für die
Bewohner eines Altenheims auf die Beine gestellt. Andere haben
eine Behindertenrampe fürs Rathaus gebaut, wieder andere aus
einem alten Kellerraum einen Jugendtreff gemacht. Was aber die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Mannheim und Lörrach, in
Wertheim, Konstanz oder im schönen Kinzigtal erwartet da
lässt Rita Kernler nichts raus. Auch Marc Boos, zuständig für
die Öffentlichkeitsarbeit der Aktion, schweigt an diesem Punkt
beharrlich.
Hinter dieser Geheimhaltungspolitik steckt kein böser Wille.
Boos und Kernler wollen vielmehr, dass die 72 Stunden als
konzentrierte Zeit erhalten bleiben. In diesen drei Tagen und Nächten
soll sich wirklich etwas ereignen können, soll Energie frei
werden, sollen die Gruppen über sich hinauswachsen können. Und
da wäre es natürlich abträglich, wenn sich die Jugendlichen
ihre Aufgabe schon jetzt ausrechnen könnten.
Und noch ein ganz praktischer Grund: Viele Projekte kennen die
Verantwortlichen selbst noch nicht. Denn die so genannten
Aktionsbegleiter, so etwas wie Paten beziehungsweise örtliche
Schirmherren und -damen, werden erst in diesen Wochen
angesprochen. Bürgermeister, Pfarrer, Stadträte sie
sollen sich Projekte für die Jugendlichen ausdenken, ihnen die
größten Hürden wie etwa nötige Baugenehmigungen im Vorfeld
aus dem Weg räumen und mit ihnen durch die 72 Stunden gehen
(siehe Aktionsbegleiter gesucht).
Wenn all das klappt und daran lassen Rita Kernler und Marc
Boos keinen Zweifel wird die 72-Stunden-Aktion einiges
bewirken. Sie wird die Jugendlichen mit der ganzen Pfarrgemeinde
zusammenbringen (könnte nicht die Frauengemeinschaft die
Verpflegung übernehmen?), auch die Gruppen untereinander sollen
via Internet voneinander wissen und bei den Projekten der anderen
mitfiebern. Und vor allem wird die Aktion an diesem einen
Beispiel deutlich machen, was kirchliche Jugendarbeit immer will:
über den Tellerrand hinausschauen und sich für andere
einsetzen.
Stephan Langer
Hinweis: Informationen über die 72-Stunden-Aktion gibt es beim
BDKJ-Diözesanverband in Freiburg, Telefon (0761) 5144-168 und
auf den Internetseiten www.72stunden.de
Aktionsbegleiter gesucht
Während vielerorts die Jugendlichen schon in den Startlöchern
stehen und dem 4. Oktober entgegenfiebern, sind jetzt
Aktionsbegleiter vor Ort gefragt. Die BDKJ-Definition eines
solchen örtlichen Schirmherrn beziehungsweise einer Schirmdame
ist eindeutig: Der ideale Aktionsbegleiter ist in der
Gemeinde bekannt wie ein bunter Hund und hat möglichst viel
Vitamin B. Also: Bürgermeister, Pfarrer, Jugendreferenten,
Firmenchefs, Hauptamtliche in Pfarrgemeinden sie sind
aufgerufen, jetzt gemeinsam mit den Dekanatsjugendreferenten im
Geheimen eine Aufgabe für die Jugendlichen zu suchen und die
Gruppe im Oktober dann bei der Herausforderung zu begleiten. Auch
für mögliche Aktionsbegleiter gilt: Weitere Informationen unter
Telefon (0761) 5144-168 und im Internet unter www.72stunden.de