Sowohl als auch
Die Möglichkeit, dass in Köln
und Umgebung im Jahre 2004 ein Weltjugendtreffen mit dem Papst
stattfindet, rückt näher. Jetzt steht nur noch die Zusage aus
Rom aus. Dass diese kommen wird, daran besteht kein Zweifel.
Schon organisatorisch kommt damit auf die Kirche in Deutschland
eine erhebliche Kraftanstrengung zu: 2003 der ökumenische
Kirchentag in Berlin, 2004 das Weltjugendtreffen, im selben Jahr
der Katholikentag in Ulm. Zum ersten Mal kommt das
Weltjugendtreffen in ein europäisches Land, in dem die
katholische Kirche eine bis heute lebendige Tradition von regelmäßig
stattfindenden überverbandlichen Großtreffen (Katholikentage)
hat.
Aber was da auf die Kirche in Deutschland zukommt, ist mehr als
nur eine äußere Kraftanstrengung. Es wird auch eine Probe des
eigenen inneren Zusammenhalts werden. Kirchen- beziehungsweise
Katholikentag hier, Weltjugendtreffen dort es stehen sich
hier zwei sehr unterschiedliche Versammlungstypen gegenüber, die
durchaus eigene Akzente setzen und mit denen sich nicht alle
Katholikinnen und Katholiken gleichermaßen identifizieren.
Im selben Maße, wie es sich die Katholikentage und ihre
Veranstalter gefallen lassen mussten, dass Teile des
Katholizismus sich von ihnen distanzierten und ihnen im Grunde
die Legitimation absprachen, den Katholizismus hierzulande
widerzuspiegeln, wurden die Weltjugendtreffen als die einzig
wahre Alternative dazu in den Himmel gehoben.
Und umgekehrt. Sieht man von Minderheiten ab, hat man in
Deutschland einige Zeit gebraucht, um Gefallen zu finden an den
von Rom aus organisierten Weltjugendtreffen. Diese schienen eher
den neueren geistlichen Bewegungen ein Forum zu bieten, während
sich die Verbände außen vor hielten. Die beiden letzten
internationalen Treffen, die von Paris 1997 und Rom 2000,
brachten hier spürbar Annäherung.
Die Gefahr der nächsten Jahre wird darin bestehen, dass sich
auseinander dividieren lässt, was zusammen gehört. Niemandem wäre
geholfen, wenn Ökumenischer Kirchentag und Katholikentag
einerseits und Weltjugendtreffen anderseits gegeneinander
ausgespielt würden, nach der Devise: Die sich dem Zeitgeist
anpassende Kirche trifft sich in Berlin und Ulm, die nach Rom hin
ausgerichtete Kirche in Köln.
Dass es dazu nicht kommt, wird auch davon abhängen, ob es
gelingt, das Treffen von Köln einzubinden in den größeren Raum
von Rhein-Ruhr. Die Frage ist auch, welche Einwirkungsmöglichkeiten
auf das Programm den Bistümern vor Ort und den bestehenden
Jugendverbänden bleiben. Eine bedeutende Vermittler-Rolle kommt
hier dem Vorsitzenden der Jugendkommission der Deutschen
Bischofskonferenz zu, dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.
Die Vorbereitung auf die bevorstehenden kirchlichen Großereignisse
sind wichtige Übungen in dem, was ohnehin dringlicher denn je
ist: Die innerkirchliche Ökumene will gewahrt und gestärkt
sein. Das wird es der katholischen Kirche auch erleichtern, in
der großen Ökumene ihre Rolle zu finden.
Klaus Nientiedt