Seit jeher stellen die Christen das Weihnachtsgeschehen auch in Form von Krippen dar. Dass die Volkskunst gerade außerhalb Europas dabei oft richtige Schätze hervorbringt, zeigt die Sammlung von Othmar Ballof aus Freiburg. Nach Weihnachten gibt er in der Domsingschule einen Einblick.
Motivation fürs Herz
Othmar Ballof sammelt Weihnachtskrippen und stellt sie in Freiburg aus
Es gibt Menschen, für die ist
Sammeln ein Hobby. Mehr oder weniger zielstrebig steuern sie
bestimmte Stücke an und fügen sie ihrem Bestand hinzu. Aber
dann gibt es auch diejenigen, die aus wahrer Leidenschaft dabei
sind...
Othmar Ballof gehört ohne Zweifel zu der zweiten Gruppe. Seit
knapp 30 Jahren sammelt er außereuropäische Krippen. Weit über
200 hat er inzwischen zusammengetragen. Und wer ihn trifft, merkt
gleich: Hier lebt einer für seine Sammlung. Und das nicht nur
zur Advents- und Weihnachtszeit. Othmar Ballof ist immer auf der
Suche nach einer neuen Krippe, hat stets die nächste
Ausstellung, ein künftiges Arrangement im Blick. So klappert er
europaweit Galerien ab, steht in Kontakt mit Missionsorden,
Eine-Welt-Läden und anderen Sammlern. Und bei den allermeisten
Gesprächen mit auswärtigen Gästen kommt er irgendwann zu der
Frage: Können Sie mir eine Krippe besorgen?
Ein etwas wildes Sammelsurium ist im Laufe der Zeit aus Ballofs
Haus und Garten geworden. Denn hier in Freiburgs Süden hat er
nicht nur viele Krippen verstaut. Sondern der Sammler häuft so
ziemlich alles an, was sich möglicherweise für eine Ausstellung
verwenden lässt. Buchsbaumstängel, Tannenzweige, Äste,
getrocknete Pflanzen zum Beispiel. Sogar ein Tempeltor aus Nepal
lehnt an der Hauswand. All die Dinge könnten ja einmal eine
schöne Dekoration abgeben...
Dieses leidenschaftliche Engagement mögen manche für kauzig
halten. Aber vielleicht ist dieser Tunnelblick
notwendig, um ein solches Niveau, eine solch exquisite Auswahl
von Volkskunst zusammen zu bringen. Denn das hat Othmar Ballof
geschafft. Er sammelt nicht alles, was ihm in die Finger kommt.
Als ehemaliger Kunstlehrer kann er die Qualität kundig
beurteilen. Da können Sie in jedes Gesicht
hineingucken, weist er die Besucher auf die Schönheiten in
der Ausführung eines besonderen Stückes hin.
An den Schätzen, die er weltweit gefunden hat, lässt Othmar
Ballof möglichst viele Menschen teilhaben. Ich will meine
Krippen nicht im Tresor lagern, sagt er dazu. Und so
veranstaltet er immer wieder Ausstellungen, manchmal sogar
mehrere gleichzeitig. Nach Weihnachten wird Ballof zum Beispiel
in der Freiburger Domsingschule Krippen aus Lateinamerika zeigen.
Vor allem Volkskunst aus dem Partnerland der Erzdiözese, aus
Peru, wird dabei zu sehen sein.
In seiner aktiven Zeit als Lehrer hat Ballof nicht nur Kunst,
sondern auch Religion unterrichtet. Und deshalb wird eine
Ausstellung aus seiner Hand die Krippen nicht nur als Kunstwerke
präsentieren. Er sieht und zeigt Krippen als Motivation
für das Herz, wie er sagt. Für die Freiburger Schau hat
Ballof etwa die entsprechenden Texte aus der Heiligen Schrift
vorbereitet. Damit sollen die Besucher beim Betrachten der
Krippen sich das Weihnachtsgeschehen besser vergegenwärtigen
können.
Aber Ballof geht noch einen Schritt weiter. Er will in der
Ausstellung den Bezug zur Gegenwart herstellen. Auf einem eigenen
Tisch zeigt er, wie die Kunsthandwerker in Lateinamerika ihre
Stücke herstellen. Außerdem plant er ein Ensemble bestehend aus
einer Darstellung aus dem Alten Testament (David mit der Harfe)
und Stickereien aus Palästina. Damit will Ballof den
Nahostkonflikt thematisieren. Das soll keine süßliche und
glatte Schau sein, erklärt er.
50 Weihnachtskrippen hat Othmar Ballof für die Ausstellung in
der Domsingschule ausgewählt. Er will ständig persönlich
anwesend sein und den Besuchern Wissenswertes über die
Geschichte jedes einzelnen Stückes erzählen. Wenn er dann
abends nach Hause kommt, warten dort wiederum Krippen auf ihn.
Fünf oder sechs wird er für sich selbst aufstellen. Vielleicht
ist auch jene dabei, die er als Jugendlicher einmal gebastelt hat
und die wohl letztlich die Sammelleidenschaft erstmals
geweckt hat. Den Stall habe ich immer noch, lächelt
Ballof.
Stephan Langer