Raus aus der Schuldenfalle!
Der Caritasverband bietet Schuldnerberatung an
Immer mehr Menschen können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen aus den unterschiedlichsten Gründen. Allein in Karlsruhe sind circa 50006000 Haushalte überschuldet. Deshalb bietet der Caritasverband in Karlsruhe seit acht Jahren eine Schuldnerberatung an. Der Sozialpädagoge Markus Bentele ist einer von zwei Schuldnerberatern der Karlsruher Caritas. Er betreibt auch an Schulen Aufklärungsarbeit.
Die Markenjeans für 139 Mark, das
Skateboard für 300 Mark, vom Handy und dem Computer ganz zu
schweigen. Schon Jugendliche setzen inzwischen nicht selten
mehrere Hundert Mark im Monat um. Dass dafür das Taschengeld oft
nicht ausreicht, liegt auf der Hand. An dieser Stelle kommen die
Geldinstitute auf den Plan. Keine supergünstige Einkaufsmöglichkeit
scheitert mehr an zu wenig Kleingeld werden die
Jugendlichen umworben. Bereits ab 14 Jahren dürfen sie Konten eröffnen,
erhalten eine Karte für den Geldautomaten und können auch Überweisungen
und Daueraufträge tätigen gebührenfrei versteht sich.
Schließlich sind sie die Bankkunden von morgen. Volljährig
geworden, gewähren ihnen die Banken dann großzügigen
Kredit. So wird Geld immer und überall zugänglich, Konsumwünsche
können schnell realisiert werden.
Die Folge: Das Kaufen auf Pump wird üblich, Schuldenmachen wird
normal und gesellschaftlich akzeptiert, seitens der Wirtschaft
sogar gewollt. Oft behindert diese Man-kann-alles-haben-Mentalität
die frühe Einsicht Jugendlicher, dass Geld hart erarbeitet
werden muss. Hier ist Vorsicht geboten: Kredit, Darlehen,
Schulden sie alle sind nichts anderes, als ein Vorgriff
auf das Geld, das ich morgen erst noch verdienen muss warnt
Markus Bentele vom Karlsruher Caritasverband. Wenn Jugendliche
dies verdrängen, werden die Taschengeld-Kontoinhaber schnell zu
Kreditschuldnern.
Dem frühzeitig entgegenzuwirken ist das Ziel von Markus Bentele.
Darum geht er an die Schulen. Er will den Schülerinnen und Schülern
die Augen für die Zusammenhänge öffnen, die sich aus dem
Kaufen auf Pump ergeben. Bentele regt zum Nachdenken über die
eigene Einstellung zum Geld an, gibt Anstöße zu einem
verantwortlichen Umgang damit an, und weist auf die Gefahren von
Konsum auf Pump hin.
Seit Beginn der Schuldnerberatung im Jahre 1993 bietet der
Caritasverband Karlsruhe diesen vorbeugenden Unterricht für
Jugendliche an. Inzwischen erreichen die Karlsruher Caritas mehr
Anfragen, als er und sein Kollege bewältigen können. Nur fünf-
bis zehnmal jährlich besucht der Schuldnerberater die Schulen.
Gerade hier hält Bentele den Ausbau der Beratungen für
notwendig und wünschenswert. Da ein solch erweitertes Angebot
aber nur mit finanzieller Unterstützung von außen zu
bewerkstelligen ist, hofft er, dass durch Sponsorengelder demnächst
noch eine Honorarstelle eingerichtet werden kann.
Heute ist Markus Bentele an der Gewerbeschule in
Karlsruhe-Durlach. Bei der Klasse der Fleischereifachver-käuferinnen,
drittes Lehrjahr. Schuldnerinnen findet er hier keine (jedenfalls
spricht keiner offen darüber). Doch Handybesitzer sind sie fast
alle. Aber über Geld spricht man nicht
und über den Mangel daran noch viel weniger, möchte man ergänzen.
Die Klasse hält sich bedeckt. Genug Geld hat man sowieso
nie!, meint schließlich eine Schülerin. So richtig aus
der Reserve zu locken sind sie nicht und darin liegt auch
ein Problem für die Schuldnerberater. Meist reden die Leute erst
über ihre Geldprobleme, wenn ihnen der Schuldenberg schon über
den Kopf wächst, weiß Bentele zu berichten. Gerade junge
Erwachsene lassen ihre Schulden dann oftmals über Jahre
hinweg zu einem bedrohlichen Ausmaß anwachsen. Erst in
diesem Stadium nehmen sie notgedrungen fremde Hilfe in Anspruch.
Zur Schuldnerberatung kommen vor allem überschuldete Personen im
Erwachsenenalter. Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene
unter 25 Jahren sind eher die Ausnahme, berichtet Bentele. Dies
auch deshalb, weil die Eltern die Verbindlichkeiten ihrer Kinder
oftmals übernehmen.
Doch welche Hilfe bietet die für Klienten unentgeltliche
Schuldnerberatung demjenigen, der sich dazu durchgerungen
hat, die caritative Einrichtung in dieser Angelegenheit
aufzusuchen?
Wesentliche Aufgabe der Schuldnerberatung des Karlsruher
Caritasverbandes ist zunächst die Hilfe beim Erstellen eines
Haushaltsplanes sowie einer Schuldenliste. Hierdurch soll zuerst
einmal ein Überblick über die Haushaltssituation gewonnen
werden. Innerhalb des weiteren Beratungsprozesses sind die
Sicherung der materiellen Lebensgrundlage, der Schuldnerschutz
und gegebenenfalls die Schuldenregulierung wesentliche Aufgaben.
Dabei geht es nicht in erster Linie darum, rein technisch
die Schulden zu regulieren, sondern den Schuldner zu einem
Lernprozess zu ermutigen, in dem er sich mit den Ursachen und
Folgen seiner Situation auseinander setzen kann. Gleichzeitig
soll er vor überzogenen Beitreibungsmaßnahmen und überhöhten
Forderungen der Gläubiger geschützt werden. Nach Möglichkeit
sollen auch die Angehörigen in die Schuldnerberatung einbezogen
werden.
Markus Weber
Hinweis: Auch in anderen Orten des Erzbistums
Freiburg gibt es Schuldnerberatungsstellen der Caritas:
Emmendingen, Ettlingen, Freiburg, Heidelberg, Kehl, Lörrach,
Mannheim, Wolfach.
Die Karlsruher Stelle erreichen Sie unter der Telefonnummer (07
21) 9 12 43-0.