Protest gegen Treueeid
50 Priester der Erzdiözese sagen öffentlich Nein / Missbilligung des Erzbischofs
Öffentlich protestiert haben etwa 50 Priester, darunter ein Dekan, aus der Erzdiözese gegen das erweiterte Glaubensbekenntnis und den Treueeid. Diese seien mit ihrem Verständnis von Kirche, Glauben und Gewissen nicht vereinbar, heißt es in einer Erklärung zu einer Unterschriftenaktion. Die Erzbischöfliche Pressestelle in Freiburg teilte mit, Erzbischof Oskar Saier sei über das Verhalten der Unterzeichner sehr betroffen und missbilligt deren Vorgehen.
Das erweiterte Glaubensbekenntnis
(Professio fidei) und das Treueversprechen beziehungsweise der
Treueeid wurden vor einem Jahr von der Deutschen
Bischofskonferenz nach langem Widerstreben auch für die
deutschen Diözesen übernommen. Im August hatte der Freiburger
Erzbischof für seine Diözese festgelegt, dass dieses
Glaubensbekenntnis und Treueversprechen im Erzbischöflichen
Ordinariat und nur einmal abgelegt werden müssten. Bei der
Amtseinführung vor der Gemeinde solle der Pfarrer das Nizäno-konstantinopolitanische
Glaubensbekenntnis ablegen (siehe konradsblatt 51/2000).
1989 hatte die römische Kongregation für die Glaubenslehre die
Ablegung des Treueversprechens und des Glaubensbekenntnisses
(Professio fidei) mit drei ergänzenden Zusätzen für jene
verpflichtend gemacht, die einen offiziellen Auftrag der Kirche
zur Verkündigung des Evangeliums übernehmen. Die Einführung in
Deutschland im vergangenen Jahr war verschiedentlich auf Bedenken
und Vorbehalte gestoßen.
Nach Angaben der Pressestelle hatte das Erzbischöfliche
Ordinariat nach Bekanntwerden des Protestaufrufs die Initiatoren
zu einem Gespräch eingeladen. Dieses sei zunächst in einer
konstruktiven Atmosphäre verlaufen. Doch hätten die
zu dem Gespräch eingeladenen Priester ihren Protest bereits
unmittelbar vor Beginn des Gesprächs der Presse übergeben und
ihr Vorgehen leider erst am Ende des Gesprächs offen
gelegt. Die Unterzeichner hatten laut Pressestelle zu
keiner Zeit das Gespräch mit dem Erzbischof gesucht. Auch hätten
sie Beratungen im Priesterrat und auf der Dekanekonferenz im
Zusammenhang mit dem Ablegen des Glaubensbekenntnisses und des
Treueversprechens nicht berücksichtigt.
Unter den Unterzeichnern des Protestes ist auch der neue
Heidelberger Dekan Klaus von Zedtwitz. Er wollte der Katholischen
Nachrichten-Agentur (KNA) keine Stellungnahme abgeben. Er stehe
aber im Gespräch mit dem Erzbischof, sagte der Dekan. Der
gleichfalls zu den Unterzeichnern gehörende Dekan Fritz Ullmer
(Dekanat Weinheim), hatte noch vor der Veröffentlichung des
Artikels seine Unterschrift zurückgezogen. Nach einem Gespräch
mit Erzbischof Saier habe er erkannt, dass der Protest in den
Medien kein geeigneter Weg ist. Das Anliegen bleibe
ihm aber weiterhin ein Problem und eine große Sorge, so Ullmer.
KNA/konradsblatt