Prophetische Stimme
Bischof Luis Bambarén über die Rolle der Kirche in Peru
Erzbischof Oskar Saier hat in Freiburg Luis Armando Bambarén, dem Vorsitzenden der Peruanischen Bischofskonferenz, die Konradsplakette verliehen. Damit würdigte er dessen Engagement für die Partnerschaft zwischen der peruanischen Kirche und dem Erzbistum, aber auch den Einsatz Bambaréns für die Armen in Peru. Luis Bambarén betonte bei einer Pressekonferenz in Freiburg die wichtige Rolle der Kirche Perus im Übergang von der Diktatur zur Demokratie.
Ich muss heute bei
Erzbischof Saier eine Beichte ablegen, sagte Luis Armando
Bambarén freimütig. Die Partnerschaft zwischen dem Erzbistum
Freiburg und der Kirche in Peru habe er vor 15 Jahren lediglich für
eine schöne Idee gehalten. Aber ich konnte mir
nicht vorstellen, dass diese Idee und die damit verbundenen Wünsche
Wirklichkeit werden.
Luis Bambarén, der Bischof von Chimbote, nördlich von Lima, ließ
sich seitdem gerne eines Besseren belehren. Noch mehr: Obwohl er
bezüglich der Partnerschaft alles andere als euphorisch war, gehörte
der 73-Jährige von Anfang zu den verantwortlichen Begleitern
dieses Projekts und setzte sich mit großem Engagement für die
Verbindung zwischen peruanischen Gemeinden und Pfarreien im
Erzbistum Freiburg ein.
Aber dieses Engagement Bambaréns für die Partnerschaft ist
nicht der einzige Grund dafür, dass ihm jetzt im Rahmen eines
einwöchigen Deutschlandbesuches die höchste Auszeichnung der
Erzdiözese Freiburg, die Konradsplakette, verliehen wurde. Bei
einer Feierstunde in Freiburg würdigte Erzbischof Oskar Saier
vor allem die einzigartigen Verdienste Luis Bambaréns
im Einsatz für die Armen und Rechtlosen in seiner Heimat. Oskar
Saier erinnerte daran, dass Bambarén im peruanischen Volk als
der Bischof der Elendsviertel gilt und dass er
aufgrund seines kompromisslosen Engagements in der Zeit der Militärregierung
sogar vorübergehend im Gefängnis saß.
Luis Bambarén ist seit 1999 Vorsitzender der Peruanischen
Bischofskonferenz. Und mit seinem politischen und
gesellschaftlichen Engagement ist er zurzeit auch so etwas wie
ein Symbol für das Engagement der peruanischen Kirche insgesamt.
Bei einer Pressekonferenz in Freiburg unterstrich Bambarén die
Bedeutung und den Stellenwert der Kirche von Peru angesichts der
derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Situation in dem
Andenstaat. Umfragen zeigen, dass die Kirche bei uns mit
Abstand die größte Glaubwürdigkeit besitzt, unterstrich
der Jesuit und verwies darauf, dass die Peruanische
Bischofskonferenz allein in den letzten zwei Jahren zehn
Dokumente veröffentlichte, die sich mit der politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Situation des Landes befassten.
Texte, die im Volk weit verbreitet seien und als prophetische
Stimme wahrgenommen würden, so Bambarén.
Kein Wunder: In Peru, so der Bischof, gebe es inzwischen eine
institutionalisierte Korruption, von der alle
betroffen seien das Militär, die Justiz und die Politik.
Alle, außer der Kirche, die deshalb mithelfen wolle, die tiefe
ethisch-moralische Krise der peruanischen
Gesellschaft zu überwinden. Dies geschieht Bambarén zufolge
nicht zuletzt durch die Teilnahme von Kirchenvertretern in drei
wichtigen Kommissionen gegen die Armut, gegen die Korruption
sowie in einer Wahrheitskommission. Dort sollen die
zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die in den letzten 20
Jahren durch Militärs und Terroristen geschehen sind,
aufgearbeitet werden. Luis Bambarén ist selbst an der
Vorbereitung dieser Wahrheitskommission beteiligt.
Ein schwieriges Thema, sagt er. Denn es gab in
dieser Zeit viele außergerichtliche Hinrichtungen.
Wie es weitergeht in Peru hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Präsidentenwahl
ab. Im Juni treten Alan García und Alejandro Toledo zur
Stichwahl an. Bambarén gab zwar keine eindeutige Stellungnahme für
den einen oder anderen Kandidaten ab, erinnerte aber daran, dass
García bereits zwischen 1985 bis 1990 das Land regierte. Er
war korrupt, so der Bischof. Zudem werde der Kandidat der
Mitte-Links-Partei Apra noch immer von den gleichen
wirtschaftlichen Experten beraten, die das Land schon
einmal in den Ruin führten. Deswegen bestehe vonseiten des
ausländischen Kapitals erhebliches Misstrauen gegenüber García.
Auf ausländische Investoren aber sei Peru in den nächsten
Jahren in hohem Maße angewiesen. Die Kirche will Bambarén
zufolge mithelfen, ein Vertrauensklima im Land zu
schaffen. Darauf sei die neue Regierung angewiesen. Egal
wer gewinnt.
Was die Partnerschaft zwischen der peruanischen Kirche und dem
Erzbistum Freiburg angeht, hat Luis Bambarén inzwischen jede
Skepsis überwunden. Er dankte bei der Pressekonferenz allen
Wegbereitern und Begleitern dieses Projektes und teilte die
Einschätzung von Domkapitular Wolfgang Sauer, dem Leiter des
Referats Weltkirche im Erzbischöflichen Ordinariat: Diese
Partnerschaft ist ein einzigartiges Modell.
Michael Winter