„Noch nicht möglich“

Welche Ökumene für den Ökumenischen Kirchentag 2003?

Anderthalb Jahre sind es noch bis zum Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin. Nicht alle Unsicherheiten auf dem Weg dorthin sind bislang ausgeräumt. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat die eigene Position festgeschrieben. Zu einer offenen Einladung zu gegenseitiger Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl wird es nicht kommen.

Von Anfang der Planungen an war der Ökumenische Kirchentag 2003 in Berlin mit der Frage verbunden, inwieweit es gelingen würde, bis zu diesem Datum zu Formen eucharistischer Gastfreundschaft zwischen den getrennten Konfessionen zu kommen. Die einen drängen, man müsse endlich diesen Schritt tun – das Verbindende zwischen den Konfessionen sei wichtiger als das Trennende. Andere wenden ein, es sei unrealistisch anzunehmen, in einer so zentralen und gesamtkirchlich zu entscheidenden Fragen bis 2003 in Deutschland zu einer veränderten kirchlichen Praxis zu kommen.
Die vom Zentralkomitee auf katholischer Seite und dem Deutschen Kirchentag eingesetzte Kommission „Ökumenische Feierformen“ stellte denn auch unlängst auf einer Tagung in Bad Herrenalb dem Gemeinsamen Präsidium des Ökumenischen Kirchentags gegenüber fest: „Eine von den Vorstehern der liturgischen Feiern offen ausgesprochene Einladung aller Getauften zur gemeinsamen Eucharistie- und Abendmahlsfeiern ist angesichts der ... Bestimmungen von römisch-katholischer Seite derzeit nicht möglich.“

Katholisch sein bedeutet ökumenisch sein

Auf seiner jüngsten Vollversammlung hat nun der katholische Hauptveranstalter des Kirchentages, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, einen Text verabschiedet, mit dem versucht wird, die eigene Position in diesen Fragen zu klären. Der Titel ist Programm: „Ermutigung zur Ökumene.“ Der Text soll Skeptikern und Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen und eine verlässliche Basis für die Vorbereitung liefern.
Insgesamt ist er ein entschiedenes Bekenntnis zu einem realistischen Ökumenismus: „Katholisch sein bedeutet immer auch ökumenisch sein.“ Ökumene sei „keine neue, zusätzlich hinzukommende Aufgabe, sondern ein Wesensmerkmal der Kirche, ohne welches das ganze Leben und Dasein der katholischen Kirche nicht denkbar“ sei. Zur Intensivierung des ökumenischen Engagements werden eine Reihe von Anregungen mitgegeben: gemeindliche Ökumene-Tage, örtliche oder regionale Ökumenische Kirchentage, Partnerschaftsvereinbarungen zwischen Nachbargemeinden, Gespräch, Dialog der Kirchenleitungen, ökumenische Taufgedächtnisgottesdienste, ein „Tag der Einheit der Kirche“ am Pfingstmontag, Gebet um die Einheit.
Die Frage nach der eucharistischen Gastfreundschaft stand auch hier im Mittelpunkt der Debatte. In dem Entwurf, der der ZdK-Vollversammlung am vergangenen Wochenende zur Verabschiedung vorgelegt wurde, hieß es: „Es schmerzt uns, dass dieses Ziel (die gemeinsame Feier der Eucharistie, K.N.) bislang noch nicht erreicht werden konnte.“ Und dann folgte ein Satz, der den ZdK-Mitglieder offenbar zu realistisch und zu wenig visionär erschien: „Nach unserer Einschätzung liegt dieses Ziel wohl auch nicht in greifbarer Nähe.“
Genau diesen Eindruck hatte man aber bei der Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentags erweckt, indem man öffentlich von der Hoffnung sprach, bis 2003 könnte diese Frage positiv beschieden werden. Statt dessen ist nun in dem Text zu lesen: „Wir vertrauen aber auf den Heiligen Geist, dass er uns auch hier Einheit schenkt und die Wunden heilt. Auf jeden Fall darf die noch nicht vollzogene Tischgemeinschaft beim Ökumenischen Kirchentag nicht als Festhalten an der Spaltung missverstanden und überbewertet werden... Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um eine Einheit am Tisch des Herrn zu erreichen.“
Und noch eine Änderung zeigen die Kalamitäten, in die man sich hineinmanövriert hat. In der vorgelegten Fassung war ein Zitat von niemand Geringerem als dem heutigen Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper, enthalten: „So kann sich ein evangelischer Christ..., der sich in Übereinstimmung mit dem katholischen Glauben im Hinblick auf die Eucharistie sieht und in seiner Lebensführung entsprechend disponiert ist, berechtigt und auch ermutigt sehen, zur Kommunion bei einer katholischen Messfeier zu gehen. Ich denke, wir können ihn dazu nicht auffordern, aber wir müssen eine solche Entscheidung respektieren.“

„Ihre Entscheidung wird respektiert“

Als Kasper dies schrieb, war er Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Hätte man ihn in Verlegenheit gebracht, wenn man an dem Zitat festgehalten hätte? Statt dessen fasste man die Aussage nun nicht als Kasper-Zitat, sondern als eigene Feststellung: „Unabhängig davon machen viele evangelische Christinnen und Christen, die aufgrund ihrer persönlichen Gewissensentscheidung zur Kommunion bei einer katholischen Messfeier gehen, die Erfahrung, dass sie nicht zurückgewiesen werden, sondern dass ihre Entscheidung respektiert wird.“
Noch vor Jahresfrist hatte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in seiner Eröffnungsansprache zur Vollversammlung dagegen ausgesprochen, dieses Problem gewissermaßen auf breiter Ebene individuell lösen zu wollen.
Wie immer man sich die Entwicklung in dieser Frage gewünscht hätte, es heißt auch die Realitäten anerkennen. Die Zeit drängt. Vor den Realitäten auszuweichen, könnte die weitere Vorbereitung des Kirchentages belasten.

Klaus Nientiedt

Die Erklärung im Internet: www.zdk.de