Nicht mitspielen
Konstanz hat seinen Aufreger. Der geplante Auftritt des
Schock-Rockers Marilyn Manson bei dem Musik-Festival Rock
am See erregt die Gemüter. Letztlich sehen alle Parteien
die freiheitlich-demokratische Grundordnung bedroht die
einen durch Mansons Auftritt, die anderen durch die Proteste
gegen die Show (unser Bericht auf den Seiten 10 und 11).
Doch worum geht es eigentlich? Da hat sich ein junger Mann
aufgemacht, Geld zu verdienen. Er versucht dies in der
Musikindustrie (!) einer Branche, die am laufenden Band
halbwegs magersüchtige Hochglanz-Schönheiten hervorbringt. In
diesem Umfeld spielt er nun den bösen Buben, weil allein das ihn
noch aus der Menge der Künstler heraushebt.
Es ist wichtig, diesen Mechanismus zu erkennen. Denn Manson hat
keine ausdrückliche Botschaft gegen das Christentum, und er ist
schon gar kein Satanist. Deshalb darf man aus der Diskussion um
die Show auch keinen Glaubenskrieg machen.
Man darf aber und vielleicht muss man es auch
Fragen stellen: Können junge Menschen mit dieser Form der
Präsentation wirklich angemessen kritisch umgehen? Durchschauen
sie Mansons Kalkulieren auf den Skandal? Oder lässt so ein
Auftritt im Rahmen eines großen Festivals nicht manche verstört
zurück? Wie weit darf einer das Prinzip von der Freiheit der
Kunst für sich in Anspruch nehmen und dabei möglicherweise
religiöse Gefühle verletzen? Der Dekanatsrat hat richtig
gehandelt. Er hat diese Fragen und seinen eigenen Standpunkt ins
Gespräch gebracht.
Schwierig wird es allerdings, wenn man zu schweres Geschütz
auffährt. Wenn vom geistigen Giftmüll gesprochen
wird oder wenn gar ein Verbot der Show gefordert wird. Dann
nämlich liefert man Manson den Skandal, auf den er setzt. Dann
nimmt die Kirche genau die Rolle an, die Manson ihr zugedacht
hat: der letzte Gralshüter der Inquisition. In diese Falle darf
man nicht tappen. Wenn einer unbedingt den bösen Buben spielen
will, gilt: einfach nicht mitspielen!
Stephan Langer