Mit allen Kräften
das Leben schützen
Neujahrsempfänge: Paul Wehrle
und Rainer Klug vertraten den Erzbischof
Zu Jahresbeginn lädt die Erzdiözese traditionell zu
Neujahrsempfängen ein. Während es bei der Feier mit den Laien
vor allem um den Schutz von Ehe und Familie ging, bildeten beim
Empfang für die Priester naturgemäß Fragen der Pastoral den
Schwerpunkt. Erzbischof Oskar Saier wurde bei beiden Terminen von
Weihbischof Paul Wehrle beziehungsweise Rainer Klug vertreten.
Neujahrsempfänge sind nicht nur Gelegenheiten, bei denen gute Wünsche
ausgetauscht werden. Man nutzt sie vielmehr auch, um
innezuhalten, das abgelaufene Jahr zu bilanzieren und so
weit möglich die wesentlichen Themen und Vorhaben für
die kommenden Monate zu benennen.
Diese Aufgabe übernahmen in diesem Jahr die beiden Weihbischöfe
Paul Wehrle beim Neujahrsempfang für die Priester und die
Theologische Fakultät sowie Rainer Klug für die Laien.
Erzbischof Oskar Saier nahm an den Feiern nicht teil. Die Folgewirkungen
seiner Operation seien noch nicht behoben (Wehrle),
die Genesung mache aber deutliche Fortschritte, wie
Weihbischof Klug versicherte. Dennoch nahm der Erzbischof auch
nicht, wie zunächst angekündigt, wenige Tage später an der
Bischofsweihe in Straßburg teil.
Stichwort: Bischofsweihe. Nach den Worten von
Weihbischof Wehrle kann sich die Erzdiözese Freiburg in
absehbarer Zeit auf ein ermutigendes Fest
freuen: die Weihe eines dritten Weihbischofs. Wehrle verteidigte
die Zahl der dann drei so genannten Auxiliarbischöfe gegen
kritische Anfragen: Im Verhältnis von Katholikenzahl pro Bischof
für den pastoralen Dienst stehe das Erzbistum von allen
deutschen Diözesen am ungünstigsten da.
Weihbischof Wehrle ging im Besonderen auf Themen ein, die direkt
die Mitarbeiter in der Seelsorge betreffen. So kündigte er für
den weiteren Verlauf des Jahres an fünf Orten Tage der
pastoralen Dienste an. Sie sollen nicht wie beispielsweise
die Religionslehrertagungen im vergangenen Jahr einer einzigen
Berufsgruppe gewidmet sein, sondern der Begegnung der
verschiedenen pastoralen Mitarbeiter dienen. Nach Jahren
der Profilierung stehe nun die Vergewisserung über
die Einheit des pastoralen Dienstes an. Zum Prozess der
Bildung von Seelsorgeeinheiten sagte Wehrle, er bemerke eine
atmosphärische Veränderung. An die Stelle der
Abwehr gegen diesen Vorgang sei vielerorts ein Klima
des konstruktiven Gesprächs entstanden.
Beim Neujahrsempfang für die Laien stellte Weihbischof Rainer
Klug den Schutz für Ehe und Familie in den Mittelpunkt seiner
Rede. Er rief den Gesetzgeber auf, die Benachteiligung von
Familien mit Kindern in unserer Wohlstandsgesellschaft
zu beenden. Rainer Klug verwies auf das Engagement der Kirche in
diesem Bereich, das sich zum Beispiel in der Arbeit der
Schwangerenberatungsstellen, an den elf katholischen Frauenhäusern,
an den Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft und an weiteren
örtlichen Initiativen festmachen lasse. Als mustergültig
bezeichnete Klug in diesem Zusammenhang die Tätigkeit des
Helferkreises für werdende Mütter in Freiburg.
Damit war die Frau angesprochen, die zuvor die Grußbotschaft der
Laien vorgetragen hatte. Mechthild Herder stellte in diesem
Rahmen die Arbeit ihrer 1984 gegründeten Hilfseinrichtung vor
(das Engagement des Helferkreises ist im konradsblatt 22/2000
beschrieben). Herder beeindruckte die Gäste in der Freiburger
Domsingschule durch einen profilierten Beitrag. Sie bürstete
gegen den Strich, indem sie zum Beispiel die Konfliktberatung
durch Donum vitae als in katholischer Verantwortung
bezeichnete. Dennoch zeigte sie sich nicht als Revoluzzerin in
der Kirche vielmehr als eine Frau, die ihre Überzeugung
hat, die Ärmel hochkrempelt und sich vehement für ihre Sache
einsetzt. Zu lange und einseitig habe die Diskussion
um den Beratungsschein die Kräfte der Kirche in Anspruch
genommen, kritisierte Herder: Es ist höchste Zeit, sich
mit allen Kräften den konkreten Aufgaben des Lebensschutzes
zuzuwenden.
Weitere Themen, die im Verlauf des Jahres in der Erzdiözese
anstehen, sind nach Aussage von Weihbischof Rainer Klug die
Erziehung junger Menschen zu Toleranz, die schon im Kindergarten
beginne. Besondere Solidarität sprach der Weihbischof der
Landbevölkerung aus, die durch das Sterben der Höfe, den
Sturm Lothar und die BSE-Krise stark betroffen seien.
Rainer Klug ging außerdem auf Irritationen und
Verletzungen im ökumenischen Dialog ein. In Baden gebe es
eine so stabile Tradition des ökumenischen Miteinanders, dass
diese Schwierigkeiten eher zu den Wachstumsschmerzen einer
gefestigten Ökumene zählen dürften, so Klug.
Stephan Langer