Nach zehn Jahren hat das Institut für Pastorale Bildung in Freiburg wieder ein neues Handbuch für Firmkatecheten sowie ein dazugehöriges Firmbuch für Jugendliche herausgegeben. Die Materialien eröffnen eine Vielfalt von Möglichkeiten entsprechend der unterschiedlichen Voraussetzungen der beteiligten Jugendlichen und Firmgruppenbegleiter.
Einen Geschmack von Glaube und Kirche vermitteln
Neue Materialien für die Firmvorbereitung im Erzbistum Freiburg
Die Firmkatechese ist eine große
Werkstatt. Ein Experimentierfeld mit immer neuen Ideen und
Methoden. Der Handwerker und Tüftler sind viele. Aber das
Ausprobieren und Experimentieren ist kein Selbstzweck, sondern
ganz offensichtlich eine Notwendigkeit. Denn so wie sich die
Gesellschaft verändert, so verändert sich auch die Lebenswelt
der Jugendlichen, die sich zur Firmvorbereitung anmelden. Und
auch die Lebenswelt der Firmgruppenbegleiter ist nicht mehr die
der 80er Jahre.
Zehn Jahre ist es her, seit das Institut für Pastorale Bildung
in Freiburg mit dem Firmkurs Den Heiligen Geist suchen und
erleben Materialien für die Firmvorbereitung in den
Gemeinden vorgelegt hat. Sie werden bis heute vielerorts
eingesetzt. Zehn Jahre sind keine sehr lange Zeit. Und doch wirkt
das überkommene Material reichlich angestaubt. Das gilt zum
einen äußerlich: Umweltschutzpapier und Schwarz-Weiß-Fotos
wirken nicht sonderlich attraktiv in einer Zeit, in der sich der
Briefkasten fast täglich mit aufwändig gestalteten farbigen
Werbeprospekten füllt. Das gilt aber auch für manche Inhalte,
die den Jugendlichen und ihrer Lebenssituation nicht mehr gerecht
werden. Denn wer nüchtern und realistisch auf die Entwicklung
der vergangenen zehn Jahre blickt, muss feststellen, dass die
Distanz der Jugendlichen zu Kirche und Gemeinde noch einmal größer
geworden ist.
Unter dem Titel Mich firmen lassen hat das Institut für
Pastorale Bildung jetzt ein neues Handbuch für Katechetinnen und
Katecheten (samt CD-Rom mit Bildern und Kopiervorlagen) sowie ein
dazugehöriges neues Firmbuch für die Jugendlichen
herausgegeben. Im Februar 2002 folgt zudem die Veröffentlichung
einer CD mit Neuen Geistlichen Liedern und den dazugehörigen
Partituren für Chöre und Musikgruppen. Die Autoren Martin
Moser, Helena Rimmele und Ursula Lüdemann waren schon an der
Erstellung der Materialien von 1991 beteiligt. Die veränderte
Situation, so die Überzeugung der Verantwortlichen, erfordert
neue Anknüpfungspunkte.
Was freilich nicht heißt, dass die Autoren das Rad der
Firmkatechese neu erfinden wollten. Im Gegenteil: Die zentralen
Themen der Vorbereitung die Frage nach Gott, nach Jesus
Christus, nach dem Heiligen Geist und nach der Bedeutung des
Firmsakramentes sind nicht austauschbar und bilden nach
wie vor die Grundstruktur des Firmkurses. Aber noch stärker als
vor zehn Jahren setzen die Verantwortlichen auf die Vielfalt der
Möglichkeiten und Methoden im Umgang mit diesen Themen. Viele
verschiedene Bausteine zur Gestaltung der einzelnen
Gruppentreffen machen den Firmkurs passend. Passend zu den
unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen der
Jugendlichen wie auch der Katecheten. Passend auch zu den Möglichkeiten
der jeweiligen Gemeinde. Davon ausgehend, dass Glaube, Kirche und
Gemeinde für die meisten Jugendlichen unbekannte Größen sind,
wollen die Themen und Texte, Fotos und Bausteine den Jugendlichen
grundlegende Erfahrungen vermitteln. Es geht ums
Kennenlernen, meint Helena Rimmele.
Und dieses Kennenlernen kann auf unterschiedliche Weise
geschehen. Zum einen über den Verstand im Fragen und im
Nachdenken über bestimmte Inhalte des christlichen Glaubens. Im
Anhang des Handbuches für die Firmgruppenbegleiter finden sich
deshalb kurze und prägnante Antwortversuche zu Stichwörtern wie
Auferstehung, Beichte, Bibel, Evangelium, Himmel oder Jesus
Christus.
Es ist damit zu rechnen, dass die Katecheten mitunter
selbst unsicher sind, meint Martin Moser, der Leiter des
Referats Gemeindekatechese und Glaubenskommunikation im Institut
für Pastorale Bildung. Das Glossar sei als eine
Formulierungshilfe für die Firmgruppenbegleiter gedacht.
In erster Linie soll aber das Kennenlernen dessen,
was es mit dem Glauben auf sich hat, nicht über die
intellektuelle Anstrengung geschehen, sondern durch Erfahrung,
durch Ausprobieren, wie Helena Rimmele betont. Da
sind wir mitunter auch ganz fromm.
In der Vielfalt liegt die Chance
Allerdings nicht im herkömmlichen Sinn. Dies zeigt sich
beispielsweise an den konkreten Vorschlägen für die Gestaltung
eines Gebetes oder der Meditation eines biblischen Textes in der
Gruppe: Stille, Kerzenlicht, meditative Musik, eutonische Übungen
oder das ruhige Rezitieren eines Psalmes sollen den Jugendlichen
so etwas wie einen religiösen Erfahrungsraum eröffnen. Für
Katecheten und Jugendliche, die sich mit solchen Elementen
schwerer tun, bietet der Kurs freilich auch konventionellere
Bausteine, die nicht minder gehaltvoll sind. In dieser Vielfalt,
die den unterschiedlichen Mentalitäten und Voraussetzungen
sowohl der Katecheten wie auch der Jugendlichen gerecht wird,
liegt eine der Stärken und Chancen des neuen Firmkurses.
Aber nicht nur die Jugendlichen werden sozusagen an der Hand
genommen und behutsam an die Inhalte der Firmvorbereitung
herangeführt. Jedes Kapitel des Firmkurses beginnt grundsätzlich
mit einer Einstimmung für die Gruppenbegleiter und
mit grundsätzlichen Gedanken zum Thema. In diesen
Abschnitten werden die Katecheten zum einen dazu ermutigt, über
ihre eigenen Glaubens- und Gotteserfahrungen nachzudenken. Zum
anderen werden die Themen der Gruppentreffen biblisch und
theologisch geerdet, so dass die Bausteine und
Methoden nicht in der Luft hängen. Wie überhaupt
die biblischen Texte immer wieder im Mittelpunkt der einzelnen
Themenbereiche und Bausteine stehen. Da muten
wir den Jugendlichen ganz bewusst etwas zu, unterstreicht
Ursula Lüdemann.
Den absoluten Schutz vor Enttäuschungen bei der Firmvorbereitung
kann freilich auch ein ausgeklügeltes System von Bausteinen,
die attraktive und zeitgemäße Aufmachung der Materialien sowie
die perfekte Einübung einer kommunikativen Arbeitsweise nicht
garantieren. Martin Moser zufolge liegen solche Entäuschungen
vor allem in einer überzogenen Erwartungshaltung mancher
Verantwortlicher in den Gemeinden begründet. Vielerorts werde
die Messlatte bei der Firmvorbereitung viel zu hoch gehängt
nach dem Motto: Ziel ist, dass die Jugendlichen regelmäßig
den Gottesdienst besuchen.
Realistische Ziele formulieren
Statt der Fixierung auf eine sichtbare Zugehörigkeit der
gefirmten Jugendlichen zur Gemeinde fordert Moser realistische
Zielformulierungen. Angesichts der Tatsache, dass die
allermeisten Jugendlichen nach der Firmung der Gemeinde wieder
den Rücken kehren, gehe es zunächst darum, Begegnung und
Passagen zu gestalten, so der Theologe. Durch attraktive
Angebote der kirchlichen Jugendarbeit müssten dann die Zugänge
zur Gemeinde offen gehalten werden. Ähnlich beurteilt Helena
Rimmele die derzeitige Situation: Mir genügt es, wenn die
Jugendlichen den Geschmack und die Atmosphäre kennen. Wichtig
ist, dass ein guter Geschmack bleibt.
Nicht zuletzt verstehen die Autoren die Firmkatechese als eine
Begegnung zwischen verschiedenen Milieus: den Milieus der
Jugendlichen wie Sport, Schule, Musik und dem gemeindlichen
Milieu. Wenn es gut geht, so Martin Moser, dann
haben die Jugendlichen erlebt, dass es Leute in der Gemeinde
gibt, die authentische Antworten geben können. Und dass
Spiritualität etwas ist, das genau wie Sport und Musik ein
wesentlicher Aspekt in ihrem Leben sein könnte. Hinter dem
vorliegenden Firmkurs stehe die Auffassung, dass Kirche
kein Selbstzweck ist, sondern auch eine spirituell-religiöse
Dienstleistung an den Jugendlichen sein kann.
Die Chancen dieses Ansatzes liegen auf der Hand: Jugendliche
machen im Zuge ihrer Firmvorbereitung zwar eine vorübergehende
aber doch gute Erfahrung mit der Kirche. Und diese Erfahrung kann
ihnen Jahre später vielleicht helfen, einen neuen Zugang zum
Glauben zu finden.
Auf der anderen Seite werden auch Grenzen sichtbar. Denn es
braucht neben den Jugendlichen, die den Kontakt zur Gemeinde nach
der Firmung wieder abbrechen, auch die anderen: Diejenigen, die
sich bewusst für eine sichtbare und verantwortliche Zugehörigkeit
zu Kirche und Gemeinde entscheiden. Und allzu wenige dürfen es
auch nicht sein. Denn sonst fehlen schon in absehbarer Zeit
Menschen, die in der Lage sind, den zukünftigen Generationen von
Jugendlichen wenigstens eine angemessene spirituell-religiöse
Dienstleistung anzubieten.
Michael Winter