(K)ein gutes Klima
Ein gutes Klima ist wichtig.
Dem würde wohl jeder zustimmen. Aber zum Schutz des Klimas
tut kaum jemand etwas. Vom kommenden Montag an treffen sich in
Bonn Staats- und Regierungschefs und andere ranghohe Politiker
zum UN-Weltklimagipfel. Ihr Ziel: Das so genannte Kyoto-Protokoll
ratifizieren, in dem sich die Staaten erstmals weltweit völkerrechtlich
verbindlich dazu verpflichten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu
reduzieren und zwar um 5,2 Prozent gegenüber 1990 im
Zeitraum 2008 bis 2012.
Die vereinbarten Werte sind viel zu niedrig: Sie bedeuten nach
Rechnungen von Klimaschutzforschern einen Zeitaufschub von
vielleicht zehn Jahren. Für einen effektiven Wandel in der
Klimaschutzpolitik müsste der CO2-Ausstoß um 60 Prozent
reduziert werden. Verheerend sind außerdem die Zeichen, die die
Politiker mit ihrer Hängepartie der Bevölkerung geben. Seit dem
ersten Umweltgipfel 1992 in Rio ist nichts passiert. Die
Verhandlungen wurden zuletzt im Herbst in Den Haag erfolglos
abgebrochen, im Frühjahr sorgte die ablehnende Haltung der USA für
einen umweltpolitischen Skandal. Dadurch haben sich die Chancen für
eine Ratifizierung des Kyoto-Protokolls enorm
verschlechtert.
Die Industriestaaten haben Angst, ihre Unterschrift unter das
Abkommen könnte sie wirtschaftlich gegenüber Entwicklungsländern
benachteiligen. Dabei vergessen sie, dass sie samt und sonders
selbst Entwicklungsländer sind energiepolitisch gesehen.
Dieses Verhalten ist ein Signal an die Menschheit, ruhig so
weiterzumachen wie bisher. Betreiber von Kohlekraftwerken werden
nicht im Traum an andere Möglichkeiten zur Energiegewinnung
denken, viele Wohlständler fahren weiter mit dem Auto zum
Briefkasten um die Ecke oder zum Bäcker in der Nebenstraße.
Hatte der ein oder andere dabei vielleicht noch ein schlechtes
Gewissen, so lässt er sich gerne von den Staatsoberhäuptern
bestätigen, dass sein Verhalten schon in Ordnung ist. Noch
schlimmer: Den Unternehmen, die bereits auf Wind- und Sonnenkraft
setzen, signalisieren Regierungen wie die der USA, dass
regenerative Energien bei ihnen nicht gerade ein hohes Ansehen
genießen sprich vielleicht sogar weniger gefördert
werden als bisher.
Ein Weg in die verkehrte Richtung, und damit in die Sackgasse.
Die Folgen dieser rückwärts gewandten Politik Dürren,
Flutkatastrophen, Hunger und Seuchen bekommen wir
irgendwann alle zu spüren. Von Bonn muss endlich das eindeutige
Signal ausgehen: Wir wollen ein gutes Klima.
Burkhard Schäfers