Kein rasches Ende des Schismas
Gespräche zwischen Lefebvre-Bewegung und Rom kommen nicht voran
Zwischen der Lefebvre-Bewegung und dem Vatikan gab es in den letzten Monaten Gesprächskontakte. Zunächst gehegte Hoffnungen, es könne schon bald zu einer Beendigung des Schismas kommen, erfüllen sich aber offenbar nicht.
Es war auf den ersten Blick nur
eine Meldung unter vielen im Heiligen Jahr, die von einer
Pilgergruppe berichtete, die nach Rom zog: Die von Erzbischof
Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X.
machte sich auf den Weg in die Ewige Stadt mit Wissen und
Zustimmung des Vatikans. Ein erster Gesprächskontakt war geknüpft.
Es ist nicht bei dieser Stippvisite im Heiligen Jahr geblieben:
Von unterschiedlichen Stellen im Vatikan wurde unterdessen bestätigt,
dass es im letzten halben Jahr offizielle Kontakte zwischen den
schismatischen Traditionalisten und Rom gegeben hat. Am 30.
Dezember 2000 begegnete einer der vier illegal geweihten Bischöfe,
der formell exkommunizierte Obere der Priesterbruderschaft St.
Pius X., Bernard Fellay, dem Papst in einer Audienz.
Vertreter der Priesterbruderschaft haben verschiedentlich Wert
gelegt auf die Feststellung, nicht sie wollten mit Rom
verhandeln, sondern umgekehrt Rom mit ihnen. Neben der Zurücknahme
der Exkommunikation der vier ohne Zustimmung Roms geweihten Bischöfe
geht es der Priesterbruderschaft vor allem um eine weltweite
uneingeschränkte Anerkennung des so genannten tridentinischen
Ritus. Dass Rom letzterem zustimmt, darin bestärkt von vielen
Bischöfen, ist jedoch wenig wahrscheinlich.
Der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, der neu
kreierte Kardinal Lous-Marie Billé, hat in einem Interview
deutlich gemacht, welche Möglichkeiten einer Wiedereingliederung
der Priesterbruderschaft unter bestimmten Bedingungen im Gespräch
gewesen sind: die Schaffung eines eigenen Ritus mit eigenen
Priestern und Bischöfen, ähnlich dem byzantinischen, oder die
Einrichtung einer eigenen Personalpfarrei oder eines
Personalbistums. Als Bedingung nannte er unter anderem die
Anerkennung der ökumenischen Konzile, unter ihnen auch des
Zweiten Vatikanischen Konzils.
Kardinal Ratzinger sprach unterdessen von einer Verhärtung
der Lage auf Seiten der Lefebvre-Anhänger. Der neue Präsident
der für die Traditionalisten zuständigen vatikanischen
Kommission, Ecclesia Dei, Kardinal Dario Castrillon
Hoyos, äußerte sich entsprechend. Am Anliegen selbst hielt
Ratzinger fest: Die Kirche könne die Großzügigkeit
besitzen, unterschiedliche Ausdrucksformen innerhalb derselben
Tradition zu akzeptieren.
Die entstandene Situation hat offenbar auch mit den
unterschiedlichen Interessen der beteiligten Seiten zu tun. Papst
Johannes Paul II. ist es offenbar ein persönliches Anliegen,
nichts unversucht zu lassen, um eine Rückkehr der schismatischen
Traditionalisten zu ermöglichen. Die Priesterbruderschaft selbst
sieht die Gefahr, dass es in diesen Kontakten im Wesentlichen nur
im eine Eingliederung in die Kirche geht, aber zu wenig um ihre
vielfältige Kritik an der nachkonziliaren Kirche, bei der es ihr
um weit mehr geht als um den vorkonziliaren Ritus. Weitgehende
Kompromisse in Lehrfragen würden zugleich die Lefebvre-Bewegung
selbst vor eine innere Zerreißprobe stellen.
Auch hochrangige kirchliche Stimmen warnen davor, die tiefen
inhaltlichen Unterschiede zwischen der Lefebvre-Bewegung und der
katholischen Kirche zu unterschätzen, und schrauben ihre
Erwartungen an eine mögliche Einigung zurück. So wies etwa der
Erzbischof von Bordeaux, Kardinal Pierre Eyt darauf hin, zusammen
mit vielen anderen sehe er auf dem mit den Traditionalisten zurückzulegenden
Weg vor der Hand mehr Hindernisse als Öffnungsmöglichkeiten.
Klaus Nientiedt