Im Münster Unserer Lieben Frau zu Freiburg empfing am 1. Mai Domkapitular Bernd Uhl die Bischofsweihe. Er wird künftig als dritter aktiver Weihbischof im Erzbistum tätig sein. Erzbischof Oskar Saier nahm die Weihe vor, Mitkonsekretoren waren Weihbischof Paul Wehrle und der Bischof von Basel, Kurt Koch.
Traumkarriere in ein nicht leichtes Amt
Domkapitular Bernd Uhl empfing die Bischofsweihe
Der Neugeweihte bedankte sich am
Schluss des festlichen Gottesdienstes im Freiburger Münster für
die schöne Musik und fügte hinzu: Die Musik trage
zur Schönheit der Liturgie entscheidend bei.
Weihbischof Bernd Uhl charakterisierte damit selbstredend nicht
nur den Weihegottesdienst, sondern zeigte auch, dass ihm dies
selbst besonders viel bedeutet.
Niemand wird Uhl darin widersprechen, dass die Weiheliturgie in
verschiedener Hinsicht schön war: Der Domchor sang
die Krönungsmesse von Mozart; der Volksgesang kam auf seine
Kosten; die Schola des Collegium Borromäum wirkte bei Choralgesängen
mit. Das Freiburger Münster bewies als Raum einmal mehr seine
Qualitäten. Die Weltkirche vertraten der peruanische Bischof
Luis Bambarén und die Nachbarbistümer Bischof Kurt Koch aus der
Schweiz sowie weitere Weihbischöfe.
In den Symbolen der Bischofsweihe entfaltet sich wie kaum sonst
irgendwo kirchliches Selbstverständnis: das Volk Gottes als
Gemeinschaft der Glaubenden unterwegs; Bischöfe, Priester und
Diakone in ihrer Zuordnung zur kirchlichen Sendung; der einzelne
Bischof in Gemeinschaft mit allen Bischöfen und dem Bischof von
Rom. Die Kirche, in diesem Fall vertreten durch den Ortspfarrer
des Weihekandidaten, erbittet die Weihe von ihrem bischöflichen
Vorsteher.
Bei seiner mittäglichen Tischrede berichtete der Freiburger
Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg er vertrat
das Land Baden-Württemberg davon, dass der badische
Landesbischof Ulrich Fischer sich von der Weihehandlung
beeindruckt gezeigt habe. Wird einmal ein badischer Landesbischof
nicht nur auf einem Prominentenplatz sitzen, sondern
Mitkonsekrator sein?
In seiner persönlichen Schluss-Ansprache zeigte sich Weihbischof
Uhl jedenfalls überzeugt, dass es einen weiteren Prozess
der Annäherung zwischen den Konfessionen geben wird, wenn wir
den Mut haben, uns ständig zu wandeln. Er kennt das Leiden
an der Spaltung der Christen aus der eigenen Familie.
Überzeugt von der Annäherung zwischen den Konfessionen
Dass ein Bistum innerhalb eines Jahres zwei Bischofsweihen
feiert, kommt nicht alle Tage vor. Nach den Ungewissheiten um den
zweiten neuen Weihbischof gab man sich in Freiburg gelöst.
Erzbischof Oskar Saier bedankte sich bei Papst Johannes II., dass
er seiner Bitte entsprochen habe, dem Erzbistum einen dritten
Weihbischof zu geben. Er nannte auch die Gründe, warum er auf
einen weiteren Weihbischof gedrängt hat: Wegen der Größe
des Bistums, wegen der zunehmenden Dringlichkeit,
dass die Bischöfe vor Ort bei den Gläubigen und den Ungläubigen
präsent sind und schließlich weil auch meine Jahre
zunehmen, von den physischen Kräften dies aber nicht unbedingt
gesagt werden kann.
Uhl und Weihbischof bei diesen
Stichworten dachten manche in den letzten Wochen an den
erstaunlichen Fortgang einer gradlinigen kirchlichen Karriere.
Erzbischof Saier griff diesen Gedanken in seiner Predigt auf,
sprach gar von der Erfüllung des Wunsches nach einer
Traumkarriere, nicht aber ohne den Gedanken gleich zu
relativieren: Auch wenn das Bischofsein manchmal nach einer
Traumkarriere aussehe, so seien Erlebnisse, die diese
Erwartung bestätigten, doch die Ausnahme, sogar die
seltene Ausnahme. Dem Bischofsamt gerecht zu werden, bringe
große Verantwortung und meistens auch schwere Arbeit mit
sich. Auch wenn er eine biblische Aufforderung anfügte,
sich damit nicht zufrieden zu geben (Zitat Paulus: Tut eure
Arbeit gern
), so klang dies auch nach einer sehr
persönlichen Bitte um Verständnis in schwierigen Zeiten.
Caritas cum fide (Liebe mit Glauben) der
Wahlspruch ist im Fall von Weihbischof Uhl gleichzeitig eine Art
Pflichtenheft in Kurzform. Auf dem Gebiet der Caritas wird er künftig
weiter verantwortlich sein. Erzbischof Saier: Uhl kenne die
zahlreichen Felder der karitativen Tätigkeit der Kirche
wie wenige andere. Und er betonte den für Christen
unaufgebbaren Zusammenhang tätiger Caritas und Verkündigung des
Wortes Gottes.
Es war wie immer bei einer Bischofsweihe: Was wird der
Neugeweihte in seiner Ansprache sagen? Welche Akzente wird er
setzen? Uhl sprach ohne Manuskript und wich doch nur wenig von
seinem zuvor an die Pressevertreter verteilten Manuskript ab. Er
dankte und bat um Unterstützung, er verabschiedete sich von
einem seiner bisherigen Arbeitsfelder, den Medien (ein
interessantes und positives Lernfeld, auch wenn es manchmal
schlechte Kritiken gab), und ermunterte zum Mut,
ihm gegenüber auch einmal ein offenes Wort zu wagen.
Die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri
Uhl dankte Erzbischof Saier für sein Vertrauen und Papst
Johannes Paul II., der ihn für das Amt des Bischofs ausgewählt
habe. Schließlich machte er eine theologische Aussage zur
Beziehung zwischen Bischofs- und Petrus-Amt: Wenn von der
Gemeinschaft der Bischöfe als Grundverfassung der Kirche
gesprochen wird, dann gehört dazu die Communio mit dem
Nachfolger des heiligen Petrus. Sonst würde man als Bischof
wie es der heilige Paulus ausdrückt (Gal 2, 2) in
seiner Verkündigung ins Leere hineinlaufen.
Das ist ganz unstrittig die Auffassung der katholischen Kirche;
und doch klingen eben gewichtige Fragen an. Wer denkt gerade im
deutschen Südwesten nicht daran, auf welch harte Probe die
Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri etwa im Falle der
Wiederverheiratetenfrage und der
Schwangerschafts-Konfliktberatung gestellt wurde aber da
ist man bereits im Alltag jenes Bischofsdienstes, der für den
Neugeweihten nun begonnen hat.
Klaus Nientiedt