Immer öfter feiern die Christen diesseits und jenseits des Rheins gemeinsam: so etwa 1999 in Freiburg und im vergangenen Jahr in Straßburg. Jetzt hatte die Diözese Basel zu ihrem Bistumstreffen nach Solothurn eingeladen – auch die Nachbarn aus Deutschland und Frankreich.

Bei den Nachbarn „derbi“

Bistumstreffen der Diözese Basel im schweizerischen Solothurn

Im Vorfeld galt es einen Zungenbrecher zu bewältigen. „Bisch derbi“, wurde man da gefragt. Und das musste sich mancher schon laut vorsagen, um die Bedeutung der Worte zu erfassen. Dahinter verbarg sich die herzliche Einladung unseres Nachbarbistums im Süden, der Diözese Basel, am dortigen Bistumstreffen teilzunehmen – oder wie es eben auf schweitzerdeutsch heißt: „derbi“ zu sein.

Freiburg, Straßburg und jetzt Basel

Gut 700 waren nun „derbi“. Die meisten kamen natürlich aus dem eigenen, zehn Kantone und 1,12 Millionen Katholiken umfassenden Bistum. Doch einige fanden auch aus den Nachbardiözesen Freiburg und Straßburg den Weg nach Solothurn. Die waren nämlich ausdrücklich auch eingeladen. Wenn man so will, hat nun jede der Diözesen entlang des Hochrheins ein grenzüberschreitendes Fest gefeiert. „Tag der Begegnung“ hieß das 1999 in Freiburg, zum „Ökumenischen Treffen der Kirchen“ kamen Gläubige im vergangenen Jahr in Straßburg zusammen – und jetzt eben das Bistumstreffen der Diözese Basel in Solothurn. Eine „besondere Freundschaft“ und „sympathische Verbundenheit“ machte Basels Bischof Kurt Koch zwischen den drei Ortskirchen aus. Und der Freiburger Erzbischof Oskar Saier bat: „Gott segne unsere Nachbarschaft.“
Die Gäste von jenseits des Rheins wurden hineingenommen in das derzeit große Thema im Bistum Basel: die Taufe. Die Bistumsleitung hat vor einem Jahr ein Dokument mit dem Titel „Als Getaufte leben“ vorgelegt, das auf möglichst vielen Ebenen im Bistum bedacht und besprochen werden soll. In 2002 plant man, diese Stimmen zusammenzufassen und das Bistumsprojekt abzuschließen. Vor diesem Hintergrund nimmt es nicht Wunder, dass sich jetzt – zur Halbzeit des Gesprächsprozesses – das Thema Taufe wie ein roter Faden durch das gesamte Bistumstreffen zog. „Unsere Taufe hat uns zusammengeführt“, formulierte es Denis Theurillat, einer der beiden Baseler Weihbischöfe. Die Teilnehmer hörten zur Taufe eine Predigt von Bischof Kurt Koch im Eröffnungsgottesdienst, in der Liturgie erneuerten sie dann ihr Taufversprechen.

Wie machen es die Nachbarn?

Ein viel genutztes Angebot während des Tages war dann der so genannte Taufparcours: an sechs Stationen konnte man sich den Symbolen rund um die Taufe annähern. Was hat es mit dem Chrisam auf sich? Worum geht es bei der Taufwasserweihe? Was bedeutet das weiße Taufkleid? Und auch eine Taufkerze konnte sich jeder zum Abschluss basteln.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Ur-Sakrament geschah in Form von Vorträgen und Diskussionen. Da ging es etwa um Taufe aus biblischer Sicht. Arnould de Coral berichtete über die Erfahrungen mit dem Erwachsenenkatechumenat in Frankreich, Klemens Armbruster aus Freiburg erläuterte die hiesigen Angebote der Glaubenserneuerung in den Pfarreien.
Wie machen es die Nachbarn? Mit dieser Frage waren viele der Gäste nach Solothurn gekommen. Und sie waren dankbar dafür, bei diesem Bistumstreffen zu erfahren, dass die Schweizer Freunde oft vor ähnlichen Problemen stehen – und welchen Weg sie im Einzelnen einschlagen. Matthias Effner, Pfarrgemeinde- und Dekanatsrat in Haltingen (Dekanat Wiesental), interessierte sich beispielsweise besonders für das neue Pastoralkonzept der Region Basel. Zu diesem Thema fand er den entsprechenden Informationsstand und Gesprächspartner. „Noch interessanter“ als erhofft, war Effners Fazit am Ende des Tages.
Es war ein recht kompakter Tag in Solothurn: Eröffnungsgottesdienst, Mittagessen, dann zwei Stunden für Begegnung und Information, abschließend die Andacht mit eucharistischer Anbetung in der Kathedrale St. Urs und St. Viktor.
Das Bistum Basel hat über den deutschsprachigen Raum hinaus den Ruf, besonders aufgeschlossen zu sein für neuere Entwicklungen in der Kirche. Angesichts dessen überraschte dieser eher traditionell gestaltete Tag. Was andere „Events“ in der Kirche zuweilen zu viel haben, hätte sich mancher in Solothurn etwas mehr gewünscht.
Vielleicht war dies aber auch nur ein sprechendes Zeichen dafür, wie schwer es heute nicht nur im Bistum Basel fällt, die Balance zu halten zwischen Tradition und Moderne.
Für die Abteilung „Moderne“ waren an diesem Sonntag in Solothurn jedenfalls andere zuständig: die Sportlerinnen und Sportler, die beim „Swiss Walking Event“ mitmachten und mit denen sich die Gläubigen das Verpflegungszelt teilten, prägten das Gesicht der Kantonshauptstadt.

Stephan Langer