Getroffen in Karlsruhe
Lukas Gomulski
Seit einem Jahr ist Lukas Gomulski
Caritasdirektor der Diözese Moskau, doch manchmal scheint er
noch immer ein wenig erstaunt über seinen eigenen Werdegang zu
sein.
Während seines Aufenthaltes in Deutschland, wo er Einblick in
die Arbeit der hiesigen Caritas erhält, war er zu Besuch in
unserer Redaktion.
Aufgewachsen als Kind nicht gläubiger Eltern, deutete lange
nichts auf eine kirchliche Tätigkeit hin. Während des Militärdienstes
in Georgien erlebte er dann, wie lebendig das Evangelium sein
kann. Diese Erfahrung weckte den Wunsch, sich taufen zu lassen.
Das schon zuvor begonnene Studium der Medizin beendete er noch,
doch anschließend studierte er Katholische Theologie in Polen.
Hier begegnete er einer völlig anderen Form von Kirche. Ich
war erstaunt über so große Gemeinden, erzählt er.
Katholik in Russland zu sein heißt immer auch, einer Minderheit
anzugehören. Darüber ist er froh. Wäre die Katholische
Kirche in Russland Volkskirche wie in Polen, wäre ich ihr wohl
nicht beigetreten. Er schätzt die persönliche Atmosphäre
und die Möglichkeit, sich einzubringen.
Diese Möglichkeit hat er auch bei seiner Tätigkeit für die
Caritas gefunden, zunächst als Projektleiter und nun als
Direktor. Die Caritas in Russland ist noch jung. Durch den
Kommunismus war die diakonische Arbeit im letzten Jahrhundert
fast vollständig verloren gegangen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges wurde die Caritas 1991 gegründet. In einem Land, in dem
dreißig Prozent der Bevölkerung an der Armutsgrenze leben, gibt
es viel zu tun. Neben lokaler sozialer Arbeit, wie z. B.
Essensausgaben, konzentriert sich die Caritas auf langfristige
Projekte. Man bietet Unterstützung für Menschen aus sozialen
Randgruppen, die kaum Perspektiven haben.
Gomulski misst der Gründung der Caritas für die weitere
Kirchenentwicklung in Russland große Bedeutung bei. Die
Mitgliederzahlen der Gemeinden steigen. Das muss auch
Auswirkungen auf die kirchliche Arbeit haben, betont er: Nach
der Expansion der katholischen Kirche muss der richtige Geist
folgen.
Claudia Ritzi