Frankfurter Modell

Der 29. Deutsche Evangelische Kirchentag und die Ökumene

Ökumene war eines der zentralen Themen auf dem 29. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt (siehe auch Seite 9 und konradsblatt Nr. 26). Nach den Irritationen der letzten Monate stellte sich die Frage: Welchen Kurs nimmt die Ökumene?

Es begann mit dem katholischen Fronleichnamsfest. Das Ziel der Kirchentagsleitung lautete, ein „römisch-katholisches Fest zu einem ökumenischen Zeichen werden zu lassen“. Zwei evangelische und zwei katholische Prozessionen zogen zum Römerberg, wo man sich zur abschließenden Segensfeier und einem Agapemahl traf. Unter den Teilnehmern befanden sich auch der Limburger Bischof Franz Kamphaus und der Präsident der für den Kirchentag gastgebenden Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker.
Vor Journalisten bemerkte Steinacker später, die gemeinsame Feier des Fronleichnamsfestes habe ihn „persönlich besonders bewegt“. Erstmals hätten Katholiken und Protestanten dieses Fest „wirklich gemeinsam“ gefeiert; denn erstmals hätten sie sich an diesem Tag „personell und liturgisch so ineinander verschränkt“. Steinacker sprach von einem eventuellen „Frankfurter Modell“ für künftige ökumenische Feiern am Fronleichnamstag, von einem Modell auch für den Ökumenischen Kirchentag in Berlin.
Im Mittelpunkt des evangelisch-katholischen Gespräches auf dem Kirchentag stand erneut das gemeinsam von Deutschem Evangelischem Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken veranstaltete Forum. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, forderte dazu auf, sich bewusst zu machen, dass die widrigen Winde in Sachen Ökumene nicht nur aus einer Richtung kämen. Mahnungen, dass Wichtiges und Wertvolles unbeachtet bleibe, höre man von katholischer wie von evangelischer Seite. Heute zeigten sich insgesamt wieder stärkere Tendenzen zu einer „deutlichen konfessionellen Identität“. Meyer äußerte dennoch die Übersetzung, die Grundlage christlicher Einheit werde weiter zunehmen.
Der designierte Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, Christoph Kähler, sagte, Ziel der Reformation sei es nicht gewesen, eine neue Kirche zu schaffen. Vielmehr sei es um die „Rückkehr der einen, ganzen Kirche zu ihren biblischen Ursprüngen“ gegangen.
Die Münsteraner Theologieprofessorin Dorothea Sattler ging auch auf das vatikanische Schreiben „Dominus Iesus“ ein, das im vergangenen Sommer für erhebliche Unruhe in der Ökumene gesorgt hatte, vor allem weil darin den evangelischen Glaubensgemeinschaften abgesprochen wird, „Kirche im eigentlichen Sinn“ zu sein. Sattler kritisierte nicht nur den Ton des Schreibens, sondern auch das Nichtberücksichtigen der zahlreichen ökumenischen Dialoge.
Der ökumenische Dialog über Fragen des Kirchenverständnisses sei, so Sattler, „weiter“, „differenzierter“ und „offener“, als es die „verhärtete Diskussion der letzten Monate“ erahnen lasse. Man sei sich zwar noch nicht in allen Fragen des Kirchenverständnisses einig. Das Gespräch solle man aber in hoher Achtung vor den Erfahrungen der anderen führen.
Am ökumenischen Ton, der in Frankfurt herrschte, änderte auch die Kritik von Bischof Kamphaus an dem umstrittenen Liturgievorschlag für die beim Frankfurter Kirchentag wiederum abgehaltenen so genannten Feierabendmahle nichts. Bereits im Vorfeld des Kirchentages zeigte sich, dass es sich bei dieser Auseinandersetzung mehr um eine innerprotestantische Kontroverse handelt.
Die Feierabendmahle wurden beim Kirchentag wie vorgesehen in mehr als 120 evangelischen Kirchengemeinden in Frankfurt und Umgebung gefeiert, zumeist nach dem von der Kirchentags-Leitung korrigierten Vorschlag. Bei einer aus Anlass dieser Kontroverse ins Kirchentagsprogramm aufgenommenen Diskussion zur Frage „Was ist Protestanten heilig am Abendmahl?“ charakterisierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, die biblischen Einsetzungsworte als bindendes Element aller Christen.

KNA/konradsblatt