Fragen gegen Intoleranz

Ausländer nutzen unser Sozialsystem aus, nehmen uns die Arbeitsplätze weg, sind oft kriminell. Dass diesen pauschalisierten Aussagen zwischen der Hälfte und Dreiviertel aller Deutschen zustimmen, ist äußerst bedenklich. Laut einer europäischen Untersuchung ist die Akzeptanz von Minderheiten in Deutschland wesentlich geringer als in vielen anderen EU-Staaten. Diese ablehnende Haltung führt in eine Sackgasse. Ausländer werden abgestempelt als Menschen zweiter Klasse. Die Bundesrepublik braucht Zuwanderung, und sie muss Zuwanderer integrieren.
Das Problem sind nicht allein Radikale, die bei ihren Aufmärschen rechte Parolen grölen und ihr Gedankengut verbreiten. Mindestens ebenso gefährlich ist
das alltägliche rassistische Geschwätz. Die abfällige Bemerkung über den Schwarzen in der Straßenbahn, der Witz auf Kosten der Juden, das Lamentieren am Stammtisch über die vielen Ausländer, die in der Fußball-Bundesliga spielen.
Wie kann das Fremde zum Vertrauten werden? Ein erster Schritt ist vielleicht, Menschen, die sich negativ über Ausländer äußern, mit einfachen Gegenfragen zu begegnen: Was würdest du tun, wenn bei uns Krieg wäre? Würdest du als Ausländer in einem anderen Land denen, die dich aufnehmen, jeden Tag Dankbarkeit entgegen bringen, wie du es offensichtlich von den Ausländern hier erwartest? Wärst du bereit, in einem Land wie Deutschland wesentlich unter dem Standard zu leben? Würdest du einen Ausländer nicht noch eher schief angucken, wenn er ärmlich gekleidet wäre?
So ein Gespräch wird den Gegenüber zumindest nachdenklich machen. Man muss sich nicht gleich Glatzköpfen in Springerstiefeln gegenüberstellen. Für die Ergebnisse der europäischen Toleranz-Umfrage haben nicht die Extremisten gesorgt, sondern die breite Masse.

Vor allem aber dürfen Politiker das Thema Zuwanderung nicht im Wahlkampf instrumentalisieren. Der Schaden, den sie mit einer Anti-Kampagne anrichten, ist selbst mit mühevoller Kleinarbeit und mehreren aufwändigen Pro-Kampagnen nicht wieder gut zu machen.

Burkhard Schäfers