„Falsches Frauenbild“

Kritik an der Werbekampagne zur Schwangerenberatung

Die Gestaltung der „Kommunikationsoffensive“, mit der die deutschen Bischöfe seit Jahresbeginn für die Schwangerenberatung ohne Schein werben, wird auch im Erzbistum Freiburg kritisiert. Die Kampagne sei sexistisch und transportiere ein falsches Frauenbild. Unterdessen werben Caritas und SkF im Bistum mit einer eigenen Broschüre.

Seit einigen Tagen stellen die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen in allen Bistümern außer Limburg keine Beratungsnachweise mehr aus (das konradsblatt berichtete mehrfach). In diesem Zusammenhang wollen die deutschen Bischöfe deutlich machen, dass der Ausstieg aus der Konfliktberatung kein wirklicher Rückzug sei. Dass das Beratungs- und Hilfsangebot – wenn auch ohne Schein – aufrechterhalten und sogar intensiviert werde. Um dies einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, hatten sie im Herbst einstimmig eine „Kommunikationsoffensive“ beschlossen. Seit Anfang des Jahres ist die Informationskampagne „Wir helfen und beraten weiter“ nun offiziell am Start: mit einem Fernsehspot, Plakaten, Anzeigen und im Internet (www.wir-helfen-und-beraten-weiter.de).
Doch die mehrere Millionen Mark teure Werbekampagne stand von Beginn an in heftiger Kritik. Schon die Botschaft „Wir helfen und beraten weiter“ halten die Kritikerinnen für irreführend: stelle sie durch das Wort „weiter“ doch eine Verbindung zur eigentlichen Konfliktberatung – mit Schein – her. Außerdem wird die Gestaltung kritisiert: dass nämlich mit einer nackten Frau geworben wird. Die Kampagne reihe sich damit in die sexistischen Werbesendungen in den Medien ein, heißt es. Darüber hinaus gibt es Proteste, weil die Frau in einer embryonalen Körperhaltung zu sehen ist. Dies vermittele den Eindruck, die Frau sei nicht Subjekt des Entscheidungsprozesses, sondern vielmehr ein unmündiges, hilfloses Wesen, für das man(n) entscheiden müsse.
Diese Kritik an der „Kommunikationsoffensive“ wird bundesweit von verschiedenen Verbänden formuliert. Am auffälligsten ist wohl das „Nein“ des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Obwohl man ja selbst Träger der Beratungsstellen ist, wollte man mit dieser Form der Werbung nichts zu tun haben. Der SkF hat der Aktion sein Logo verweigert. Auch die Frauenverbände in der Kirche – Katholischer Deutscher Frauenbund und Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – lehnen die Kampagne ab.
Die Nachfrage bei den betroffenen Verbänden ergab auch auf Diözesanebene ein klares „Nein“ zu der jetzigen Form der Werbung. Evamaria Zeidler, stellvertretende Vorsitzende des SkF, nennt das Motiv ein „entsetzliches Bild“. Und: „Wir bewerben etwas, was wir nicht mehr tun.“ Ingeborg Haag, Diözesanvorsitzende des Frauenbunds, schließt sich der Kritik an. Bei den Frauenbundsfrauen in der Erzdiözese stoße die Kampagne auf Unverständnis und Ablehnung.
Mit einem Brief hat sich die Diözesanvorsitzende der kfd, Martina Kastner, an die Bistumsleitung gewandt und gegen die Ausstrahlung der Werbung protestiert. In seiner Antwort, so berichtet Kastner, habe der zuständige Domkapitular Bernd Uhl eingeräumt, dass man „durchaus geteilter Meinung“ über die Kampagne sein könne. Allerdings sei es dem Bistum nicht möglich gewesen, inhaltlichen Einfluss auf die Aktion zu nehmen.
Im Erzbistum Freiburg ist unterdessen eine eigene Kampagne für die kirchliche Schwangerenberatung angelaufen. Die Broschüre formuliert Argumente für die Beratung ohne Schein und weist den Weg zu den 27 Beratungsstellen von Caritas und SkF im Bistum. Das Motiv der bundesweiten Kampagne taucht auf dem Faltblatt nicht auf.

Stephan Langer