Eventure: Erleben statt erklären

Es hat sich gelohnt. Eventure, die bundesweite Großveranstaltung der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in Mannheim lässt sich in die Rubrik „gelungen“ einordnen. Es gab im Vorfeld nicht wenige Kritiker, die fragten, ob jetzt auch noch der kirchliche Jugendverband unter die zahllosen Eventveranstalter gehen muss. Schon der Name: Das Kunstwort Eventure erinnert sehr an eine reine Spaßveranstaltung. Natürlich: Die allermeisten kamen nach Mannheim, um Spaß zu haben, etwas zu erleben. Mit einer Konferenz über die Probleme der Gesellschaft oder die Zukunft des Verbandes hätte die KJG keine 3000 Jugendlichen aus der ganzen Republik angelockt.
Aber: Die jungen Menschen haben in den vier Tagen mehr als Spaß gehabt. In 150 Workshops haben sie sich durchaus mit nachdenklichen Themen auseinander gesetzt: Im Gespräch mit einem jüdischen Zeitzeugen des Nazi-Regimes, in Diskussionen über Kindermitbestimmung oder beim Sammeln von Argumenten für und gegen das politische Mittel des Volksentscheids. Für die Kampagne gegen Fremdenfeindlichkeit „Enjoy the difference“ haben 800 junge Menschen Bilder gemalt und Gedichte geschrieben, 1000 haben auf einer Postkarte ihre Forderungen an die Politik festgehalten. Beim Thomas-Morus-Musical über das Leben des Schutzpatrons der KJG haben 70 Jugendliche aus dem Bistum Freiburg mitgewirkt. Viele haben Eventure als Gelegenheit genutzt, über die Grenzen der Jugendarbeit in der eigenen Pfarrei hinauszuschauen, die Leistungen anderer anzuerkennen und mit (bisher) Fremden über die brennenden Themen unserer Zeit zu diskutieren.
Die meisten dieser jungen Menschen wird man selten in den Gottesdiensten ihrer Heimatpfarrei sehen. Aber sie sind und bleiben engagierte und kritische Christinnen und Christen.
Dass solche Events, die Erlebnisse ermöglichen, für die KJGler wichtige Höhepunkte in ihrer alltäglichen Jugendarbeit sind, hat Freiburgs Weihbischof Wehrle in seiner Predigt deutlich gemacht: „KJG kann man viel besser erleben als erklären“, hat Wehrle gesagt. „Eine große Gemeinschaft mit offener Atmosphäre, mit jugendlicher Zuversicht und nüchternem Sinn.“ Eventure hat gezeigt: Der Verband ist mit seinem Bundestreffen mit Ereignis-Charakter den richtigen Weg gegangen.
Burkhard Schäfers