Es ist keines der ganz großen Jubiläen. Doch auf immerhin schon 15 Jahre ihres Bestehens kann die Peru-Partnerschaft der Erzdiözese in diesen Tagen zurückblicken. Zu diesem Jahrestag hat das konradsblatt Partnerschaften besucht, die am Rande dieser Zeitschiene liegen: Perukreise der ersten Stunde und eine noch ganz junge Partnerschaft.
Freunde, 14 000 Kilometer entfernt
Die Partnerschaft FreiburgPeru besteht seit 15 Jahren
Peru? Mal ehrlich, den meisten fällt
zu dem lateinamerikanischen Land wohl nicht sehr viel ein. Unter
Umständen hat man mitbekommen, dass es dort im Moment politisch
drunter und drüber geht. Aber welche Namen, Persönlichkeiten
aus Peru, sind hier schon allgemein bekannt? Claudio Pizarro
vielleicht noch, weil der in der Bundesliga kickt. Aber das wars
dann wirklich.
Für eine ganze Menge Menschen im Erzbistum Freiburg trifft diese
Unkenntnis nicht zu. Peru ist für sie kein Land wie jedes andere
auch. Sie informieren sich intensiv über aktuelle Vorgänge, über
Kultur und Geschichte. Sie machen sich Sorgen, wenn von
Menschenrechtsverletzungen berichtet wird. Und sie freuen sich
von Herzen, wenn Post oder gar Besuch von dort eintrifft.
Grund für diese innere Beziehung in das Land, das tausende
Kilometer entfernt ist: Man hat in Peru Freunde, man hat
Schwestern und Brüder im Glauben gefunden. Ermöglicht und befördert
wird dies durch ein Modell, für das es auch im Spanischen oft
nur das eine Wort gibt: Partnerschaft. Diese
freundschaftliche Verbindung zwischen Freiburg und Peru kann in
diesen Tagen auf ihr 15-jähriges Bestehen zurückblicken.
Angeregt vom Diözesanrat wurde sie am 23. Februar 1986 offiziell
mit einem Gottesdienst im Münster begonnen, im September mit
einer Feier in der Kathedrale von Lima besiegelt. Heute sind es
etwa 150 Pfarrgemeinden und fünf Verbände beziehungsweise
Gruppierungen, die vor diesem diözesanen Hintergrund eigene
Verbindungen nach Peru geknüpft haben.
15 Jahre Partnerschaft das ist zweifellos eine
Erfolgsgeschichte. Doch die bringt man nur zustande, wenn man
sich ordentlich anstrengt. Ohne Rückschläge und Enttäuschungen
ist auch das beglückende Geschenk Partnerschaft nicht zu haben.
Anlässlich des kleinen Jubiläums hat das konradsblatt Gemeinden
besucht, die sich ihre Partnerschaft schon erarbeitet haben sowie
eine Gruppe, die gerade frisch dabei ist. Die Pfarreien von
Karlsdorf, Forst und Neuthard einerseits, den Peruarbeitskreis
der Katholischen Hochschulgemeinde Karlsruhe andererseits.
Neuthard, Karlsdorf und Forst das waren Begeisterte der
ersten Stunde. Am Anfang vor mehr als 15 Jahren stand eine Lücke.
Die Pfarrgemeinderäte hatten über Monate hinweg den Besuch von
Dom Helder Camara vorbereitet und sich dazu intensiv mit
Lateinamerika beschäftigt. Dann war der berühmte Bischof da, es
wurde ein bewegendes Ereignis. Aber dann? In der Situation
konnte uns nichts Besseres passieren als der Aufruf des
Erzbischofs, sagt Marianne Allendorf, die Seele
der Neutharder Partnerschaft. Mit dem Aufruf meint sie das Wort
von Oskar Saier, mit dem er im Januar 1986 aufrief, die bereits
bestehende eher lockere Verbindung nach Peru fester zu knüpfen.
Ich lade Sie ein, den Weg mitzugehen, der uns von einer
mehr einseitigen Patenschaft zu einer echten gegenseitigen
Partnerschaft mit der Kirche in Peru führen soll, schrieb
der Erzbischof damals.
Die drei Pfarreien folgten der Einladung und kamen so in Kontakt
zu Yanaoca in den Südanden. So sehr die Euphorie für
Lateinamerika brannte, so heftig wurde man im Folgenden zunächst
gebremst. Da musste man lernen, dass es unter Umständen mal ein
Vierteljahr dauert, bis ein Brief beantwortet wird. Häufige
Pfarrerwechsel, die mangelhafte Infrastruktur in Peru und natürlich
auch der verschiedene gesellschaftliche Hintergrund erschwerten
zu Beginn die Verständigung.
Den Durchbruch brachten die gegenseitigen Besuche,
wie Marianne Allendorf erzählt. Für sie erweist sich damit,
dass Partnerschaft erst mal nichts mit einer Hilfsaktion zu tun
hat. Es geht um Kommunikation, um Spiritualität also um
das Kennenlernen, um die Erfahrung von Weltkirche. Erst danach
habe man an den Punkt Solidarität, sprich: finanzielle Unterstützung
gedacht. Hilfe stehe nicht an erster Stelle, man komme aber auch
nicht daran vorbei. Sie sei eine Konsequenz aus der
freundschaftlichen Verbindung, erklärt sie. Diese Reihenfolge
ist für die Freundschaft entscheidend. Mit einer spektakulären
Spendensammelaktion würden wir wahrscheinlich mehr Geld
hereinbekommen, sagt Marianne Allendorf: Aber dann wäre
unsere Partnerschaft schon längst kaputt.
Heute gehören die Freunde in Peru fest zum Gemeinde- und darüber
hinaus zum Ortsleben. Es gibt einen Singkreis, der
lateinamerikanische Lieder einübt. Die Perukreise verkaufen fair
gehandelte Waren. Und durch öffentlichkeitswirksame Aktionen
wie das alljährliche Schuhputzen auf dem Dorffest
erzielt man Spenden, mit denen zum Beispiel die Schülerspeisung
unterstützt wird.
Die Bereitschaft, Partnerschaften zu knüpfen, ist heute zurückgegangen
zumindest auf deutscher Seite. Doch es gibt immer noch
Gruppen, die sich auf diesen Weg machen. Ganz aktuell zum
Beispiel die Hochschulgemeinde in Karlsruhe. Vor gut einem
Semester hat sich dort ein Arbeitskreis Peru gebildet, man hat
Verbindung aufgenommen mit der Pädagogischen Hochschule von
Tinta im Andenhochland. Auch für diese Partnerschaft gilt:
Miteinander in Kontakt kommen und voneinander lernen steht
an erster Stelle, wie Hochschulpfarrer Peter Stengele erklärt.
Danach sei durchaus möglich, bei einem Projekt unterstützend zu
wirken. Das Interesse der Studierenden sei groß, einige würden
schon Spanisch lernen.
Diese noch junge Partnerschaft könnte durch eine Aktion im
Sommer weiteren Schwung bekommen. 21 Studierende nehmen an einer
Reise, durchgeführt von der Missionszentrale der Franziskaner in
Bonn, durch Lateinamerika teil. Nun hat es sich gefügt, dass
eine Station eben auch Tinta sein wird. Ein Gegenbesuch für 2002
ist auch schon geplant. Und man weiß ja, was persönliche
Begegnungen bewirken können.
Karlsdorf, Neuthard, Forst sowie die Hochschulgemeinde Karlsruhe
Gemeinden, die an den Zeiträndern von 15 Jahren
Perupartnerschaft im Erzbistum stehen. Dazwischen gibt es jede
Menge positive, aber natürlich auch negative Erfahrungen.
Ein Jubiläum überstrahlt ja nicht einfach die Schwierigkeiten,
mit denen einzelne Perukreise zu kämpfen haben. Beispielsweise
die Herausforderung, jüngere Menschen für die
Partnerschaftsidee zu begeistern oder eine wirklich breite Basis
in den Gemeinden zu finden.
Doch letztlich stehen einzelne Probleme sicher nicht
kennzeichnend für die Partnerschaft. Diese wohl einzigartige
Form weltkirchlicher Verbundenheit direkt von Pfarrei zu
Pfarrei, auf dem diözesanen Hintergrund ist schon jetzt
ein kirchengeschichtliches Ereignis (Wolfgang Sauer).
Die beglückende Erfahrung Freunde in 14 000 Kilometern
Entfernung zu haben, wie Marianne Allendorf sagt.
Stephan Langer
Hinweis: Informationen zur
Peru-Partnerschaft im Referat Weltkirche, Telefon (07 61) 21 88-2
40 sowie im Internet unter:
www.kath.de/bistum/freiburg/welt