Es geht um das eigene Amt
Römische Bischofssynode befasst sich mit dem Bischofsamt
Am 30. September tritt in Rom die zehnte ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode zusammen und wird sich etwa vier Wochen lang mit dem Thema Bischofsamt befassen. Wegen verschiedentlicher Kritik am Verhältnis der Ortskirchen zur Kurie in Rom werden die Beratungen mit Spannung erwartet. Kritik wurde im Vorfeld auch an der traditionellen Arbeitsweise der Bischofssynode geübt.
Nach einer Reihe von kontinentalen
außerordentlichen Bischofssynoden ist dies die erste ordentliche
Vollversammlung der Bischofssynode nach sieben Jahren. Thematisch
schließt sie dort an, wo die letzten Bischofssynoden aufgehört
haben: Nach Synoden, die sich mit den Laien (1987), der
Priesterausbildung (1990) und den Ordensleuten (1994) befasst
haben, widmet sich die diesjährige Synode nicht weniger als dem
wichtigsten kirchlichen Amt, dem Bischofsamt.
Kaum ein Thema wird ausgelassen
Erwartungen an die bevorstehende Bischofssynode waren vom Papst
selbst geweckt worden, als er in seinem Schreiben zum Abschluss
des Heiligen Jahres 2000 (Novo Millennio Ineunte von Januar 2001)
deutlich die Frage der bischöflichen Kollegialität ansprach: Im
neuen Jahrhundert, so Johannes Paul II., werde man sich mehr
denn je dafür einsetzen müssen, jene Bereiche und Hilfsmittel
zu erschließen und zu entwickeln, die ... dazu dienen, die
Gemeinschaft zu stützen und zu sichern.
Und in Frageform fügte er hinzu: Muss man da nicht vor
allem an die besonderen Dienste an der Gemeinschaft denken, wie
etwa das Petrusamt und, in enger Beziehung zu ihm, die bischöfliche
Kollegialität? Einer ständigen Überprüfung
bedürften diese Dienste, damit garantiert bleibe, dass sie
wirklich vom Evangelium inspiriert seien.
Im Vorfeld von Bischofssynoden gibt das römische Sekretariat
Arbeitspapiere heraus, die auf die Debatten vorbereiten sollen.
Schon der Umfang des Arbeitsdokumentes (Titel: Der Bischof
als Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnungen der
Welt) deutet jedoch auch diesmal auf eine Schwierigkeit
hin, die seit langem bekannt ist, ohne dass jedoch eine Abhilfe
in Sicht wäre: Die Themen der Synoden werden so breit
angegangen, dass auch diesmal Debatten an strittigen Einzelfragen
kaum wirklich möglich sein dürften.
Für die bevorstehende Synode heißt das: Da der Bischof für
alles zuständig ist, behandelt das Instrumentum laboris folglich
fast alle Fragen, die heute für kirchliche Leitung wichtig sind.
Für die bevorstehenden Beratungen der Synode bedeutet das, dass
sich die Gesprächsbeiträge auch diesmal wieder auf eine kaum
eingrenzbare Fülle an Aspekten und Themen verteilen werden.
Der Erzbischof von Mecheln-Brüssel, Kardinal Godfried Danneels,
eine der profiliertesten Bischofspersönlichkeiten in Europa, hat
daher erst unlängst seine Kritik an der Arbeitsweise der
Bischofssynode erneuert. In ihrer bisherigen Arbeitsweise nannte
er sie schlicht eine verpasste Chance.
Dennoch wird die Synode sicherlich manche jener Fragen
aufgreifen, die in den vergangenen Jahren immer wieder die Ausübung
des Bischofsamtes belastet haben; einige davon werden auch
bereits im Arbeitsdokument erwähnt.
Umstrittene Bischofsernennungen verstärkten in manchen
Ortskir-chen den Wunsch nach mehr Beteiligung an der Auswahl der
Kandidaten. In verschiedenen Fällen trat die Rolle der Bischöfe
als notwendige Brückenbauer innerhalb ihrer
Ortskirchen in den Blick. Lange Vakanzen, also Zeitspannen
zwischen dem Rücktritt des bisherigen Bischofs und der Ernennung
des neuen Bischofs, ließen den Wunsch nach zügigen
Ernennungsverfahren aufkommen.
Es könnte durchaus brisant werden
In Ländern mit vielen Bischöfen entstand Unmut darüber, wenn
Bischöfe wie auf einer Karriereleiter von einem Bischofssitz zum
anderen versetzt wurden. Die Kurie glaubte verschiedentlich, in
Auseinandersetzungen innerhalb von Ortskirchen eingreifen zu müssen.
Dies ließ verstärkt nach dem angemessenen Verhältnis von Kurie
und Ortskirchen fragen, wie es das katholische Kirchenverständnis
nahe legt. An brisanten Fragen müsste es mithin der Synode
eigentlich nicht mangeln.
Klaus Nientiedt