Ein Vorkämpfer für die Erneuerung des Diakonats
Zum Tod von Diakon Hannes Kramer und seiner Frau Erika
Der Freiburger Diakon Hannes Kramer und seine Frau Erika sind am 1. April bei einem Verkehrsunfall auf der Heimfahrt von einem Einkehrtag ums Leben gekommen. Mit unermüdlichem Engagement hat Hannes Kramer in den 60er Jahren viel zur Erneuerung des Diakonats durch das Konzil beigetragen.
Seit 1948 fühlte Hannes Kramer
die innere Berufung an der Erneuerung des Diakonats in der
katholischen Kirche mitzuwirken. Er konsultierte in Innsbruck
Pater Karl Rahner, der die Berufung erkannte und ihm zum Studium
der Sozialarbeit in Freiburg riet. Dort lernte er auch seine spätere
Frau Erika kennen. In Diakonatskreisen, die er in Freiburg und München
gründete, gewann er Gleichgesinnte. Nach beruflicher
Caritasarbeit in Augsburg und München wurde er 1959 Assistent im
Generalsekretariat des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg.
Zur gleichen Zeit wurde nach Ausrufung des Zweiten Vatikanischen
Konzils das Interesse für die Erneuerung des Diakonats in der
katholischen Kirche entfacht. Da liefen bei Hannes Kramer viele
Initiativen zusammen, die zum Konzilsbeschluss führten, der den
Diakonat als eigenen Stand in der Kirche anerkannte. Im Oktober
1965 kam es bei einem Kongress in Rom zur Gründung des
Internationalen Diakonatszentrums, dessen Leiter Hannes Kramer über
zwanzig Jahre sein sollte.
Zu derselben Zeit, in den Sechzigerjahren, entfaltete sich der
Gedanke der organisierten Caritas weltweit: Es galt, für die
Notleidenden in der Dritten Welt, Partner und nicht nur Geber zu
sein. Auf Reisen nach Afrika, Lateinamerika und in den Nahen
Osten war Hannes Kramer stets der Diakon, der zuhörte, anregte
und ermutigte. Als er sodann 1969 das Referat Caritas und
Pastoral übernahm, sorgte er dafür, dass sich in der
Gemeinde die eigenen Kräfte entfalteten, damit die Not des
Nachbarn gesehen und in Zusammenarbeit mit der verbandlichen
Caritas Linderung gefunden wird. Als Diakon in seiner
Pfarrgemeinde wirkte er mit bei der Suche nach einem auf
Geschwisterlichkeit gründenden pastoralen Leben in der heutigen
Zeit.
Es war weitsichtig von Hannes Kramer, dass er seine tiefe Liebe
zum Frieden in ökumenischen Schalom-Diensten konkretisierte, wie
der es zum Beispiel beim ökumenischen Pfingsttreffen in Basel
formulierte.
Bei seinem visionären Ringen und Suchen konnte Hannes Kramer zäh
und unbequem sein. So sah er nie ein, warum die Kirche zögerte,
das Diakonat der Frau aus den frühen Jahrhunderten wieder zu
beleben.
Immer tiefer wurde bei Hannes und Erika Kramer die Neigung zu
Franz von Assisi. Aus diesem Geist beteiligten sie sich maßgeblich
an der Hilfe für Wohnungslose in Freiburg. Besonders Erika war
die Seele eines breiten ökumenischen Verbundes aller Pfarreien
und Ordenshäuser. Ihr Haus, in dem ihre vier Kinder aufwuchsen,
war Treffpunkt für Hilfe suchende und Helfer. Hannes und Erika
selbst blieben Krankheiten nicht erspart. Aber immer waren sie,
die sich in idealer und beispielhafter Weise ergänzten, Helfer
und Tröster. Nun haben sie gemeinsam heim gefunden.
Hannes Kramer hat viel von der Erneuerung der Kirche durch die
Diakonie gesprochen, und sich in seinem Dienst als Diakon dafür
stark gemacht. Er blieb, entgegen manchen Vorwürfen, bei der
Eucharistie als dem entscheidenden Bezugspunkt dieser Erneuerung.
Am Tisch Gottes empfangen wir die großen Gaben Gottes in
der Gestalt dessen, der das Werk der Erlösung als Armer an der
Seite der Armen vollbrachte (Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen
Gentium 8). Christsein in Jesus Christus: Das ist Armut vor Gott,
die alles von Gott empfängt. Dazu gehört, in abgeleiteter aber
gleicher Dringlichkeit, die Armut der Solidarität: Wir lassen
uns ein Leben lang einweisen in die heilsame Begegnung und finden
die Fülle des Lebens zusammen mit den anderen, im Dienst an der
Würde des Geringsten, des Fremden, des Nächsten. Alle
diakonische Verantwortung der Christen lebt aus dieser doppelten
Armut, die Jesus Christus in seiner Eucharistie göttlich und
menschlich begründet hat. Dafür stand Hannes Kramer als Diakon
im amtlichen Dienst der Kirche, und so dürfen besonders auch die
Diakone ihm und seiner Frau Erika das Gedenken bewahren.
Georg Hüssler / Eugen Maier