Eine Karriere lag ihm fern
Im Alter von 89 Jahren starb Prälat Willi Vomstein
In der Nacht zum 17. Juli ist Prälat Willi Vomstein im Alter von 89 Jahren in Freiburg gestorben. Der emeritierte Domkapitular hat als langjähriger Personalreferent in den Jahren 1956 bis 1983 die Personalplanung des Erzbistums Freiburg wesentlich mitgeprägt.
Die über 20-jährige Tätigkeit
Willi Vomsteins als Personalreferent fiel in eine Zeit des
Umbruchs und des Wandels: Die Zahl der Pfarreien im Erzbistum
stieg auf 1085, während die Zahl der Neupriester stark zurückging.
Eine Veränderung, die Prälat Vomstein zutiefst bewegte und
beschäftigte. Patentlösungen und leichte Antworten gab es in
diesen Jahren so wenig wie heute. Vomstein plädierte mit
Nachdruck für mehr Mobilität unter den Priestern und für die
Bildung von Pfarrverbänden. Darüber hinaus förderte er
nachhaltig den verstärkten Einsatz von haupt- und ehrenamtlichen
Laien.
Willi Vomstein, am 19. August 1912 in Freiburg geboren, wurde
zusammen mit seinem jüngeren Bruder Fritz 1938 zum Priester
geweiht und noch während seiner Kaplanzeit in Pforzheim 1940 zum
Militärdienst eingezogen. Er verbrachte fünf Jahre als Sanitäter
im Feld und geriet dann in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Sein Bruder fiel an der Front.
Erzbischof Conrad Gröber berief Willi Vomstein 1947 als
Repetitor für Dogmatik ins Theologenkonvikt nach Freiburg. 1956
wechselte er ins Erzbischöfliche Ordinariat, wo ihm drei Jahre
später Erzbischof Hermann Schäufele das Personalreferat übertrug.
1961 wurde er Domkapitular, 1968 zum Päpstlichen Ehrenprälaten
ernannt.
Eng verbunden war Willi Vomstein dem Freiburger Münster. Seine
Fotosammlung vom Münster ist diözesanweit berühmt. Vomstein
nutzte die Renovationsarbeiten am Münster, kletterte auf die Gerüste
und fotografierte mit einem leistungsfähigen Teleobjektiv. So
entstanden ungewöhnliche, ja einzigartige Aufnahmen, die dem
Betrachter einen ganz neuen Blick auf die Bischofskirche ermöglichten.
Seine Fotosammlung hat Willi Vomstein dem Münsterbauverein
hinterlassen.
Beim Requiem im Freiburger Münster würdigte Erzbischof Oskar
Saier die Persönlichkeit des Verstorbenen: Seine
Zuversicht, die ihn in noch so schwierigen Situationen
begleitete, hatte durchaus nichts Gekünsteltes, sondern kam aus
dem Innern seines Herzens, betonte der Erzbischof. Der
Gedanke an eine kirchliche Karriere habe Vomstein
fern gelegen. Es war für ihn eine Selbstverständlichkeit,
dass seine zahlreichen Talente Gabe und Aufgabe sind, ihm
geschenkt, um sie für andere fruchtbar einzusetzen.
Der gelernte Bibeltheologe Willi Vomstein bewahrte sich zeit
seines Lebens die Nähe zur Heiligen Schrift. Sein Wissen und
sein Verständnis der biblischen Texte gab er in Bibelkreisen
weiter. Eng verbunden war er auch bis zuletzt mit seinen Angehörigen.
In den vergangenen zwei Jahren, die er im Freiburger Pflegeheim
Carolushaus verbrachte, besuchten sie den Senior der
großen Vomstein-Familie oft und regelmäßig.
Nicht zu vergessen ist das große Engagement Prälat Vomsteins für
die Pfarrhaushälterinnen. 12 Jahre lang war der Domkapitular
Geistlicher Beirat der Haushälterinnen im Stadtdekanat Freiburg.
Er begleitete die monatlichen Zusammenkünfte ebenso wie die
Ausflüge und Wallfahrten.
Konradsblatt