Der Erzbischof von Straßburg, Joseph Doré, hat seinen Diözesanen für ihren geleisteten Beitrag zum finanziellen Auskommen des Erzbistums Straßburg gedankt und zugleich zu weiterer Spendenbereitschaft ermuntert. Doré äußerte sich im Vorfeld der großen Bistumskollekte, die am 24. und 25. Februar angehalten wurde.
Ein Elsass ohne Kirchen?
Das Erzbistum Straßburg lädt zur jährlichen Kirchenkollekte ein
Könnten Sie sich ein Elsass ohne
Kirchen vorstellen? So lautet die Eingangsfrage zur großen
Straßburger Bistumskollekte 2001, die in der vergangenen Woche
begann. Der Aktion merkt man an, dass Vorstöße dieser Art immer
noch ganz besonders der Begründung, ja geradezu der
Entschuldigung bedürfen.
In einer der dazu angebotenen Informationsmaterialien heißt es:
Sagen wir es ohne Umschweife: Ohne die Großzügigkeit
ihrer Gläubigen wäre die elsässische Kirche zahlungsunfähig.
Und an anderer Stelle: Sagen wir es ohne falsche Scham: Die
hauptsächliche Geldquelle der katholischen Kirche des Elsass
sind Ihre Spenden.
Jahr für Jahr müssen die französischen Bistümer erhebliche
Anstrengungen unternehmen, um die vielfältigen Ausgaben abdecken
zu können. Frankreichs Kirche kennt keine Kirchensteuer: Kirche
und Staat sind so strikt getrennt, dass ein Einzug der
kirchlichen Mitgliedsbeiträge durch die staatlichen
Finanzämter undenkbar wäre. Die Bischöfe laden daher immer
wieder die Katholiken des Landes dazu ein, durch regelmäßige
Spenden (Denier de lEglise, Kirchen-Zehnten)
zum finanziellen Auskommen der Bistümer beizutragen. Die
Kirchenbeiträge sind bis zu einer bestimmten Höhe steuerlich
absetzbar.
1999 beliefen sich die Einnahmen der Kirche in Frankreich
so die jüngsten Zahlen der französischen Bischofskonferenz dazu
durch die Kollekte des Kirchen-Zehnten auf
1,13 Milliarden Francs (340 Millionen Mark). 1,75 Millionen
Haushalte tragen im westlichen Nachbarland zum Denier de lEglise
bei. Die durchschnittliche Spende eines Haushaltes beläuft sich
nach diesen Angaben auf rund 650 Francs (195 Mark) pro Jahr. Je
nach Diözese erreicht das durchschnittliche Einkommen der
Priester und Bischöfe (außer im Elsass und in Lothringen) 4800
bis 6000 Francs (1500 bis 1800 Mark) pro Monat.
In der Erzdiözese Straßburg stammten im Jahr 2000 Einnahmen in
Höhe von 10,3 Millionen Francs (3,1 Millionen Mark) aus
Kollekten, Spenden und Vermächtnissen 80 Prozent davon
allein aus der jährlichen Kollektenaktion Gabe der
Katholiken an die Kirche im Elsass. Der Haushalt des
Bistums, das das Gebiet des gesamten Elsass umfasst, belief sich
in dieser Zeit auf etwa 22 Millionen Francs (6,6 Millionen Mark).
Zum Vergleich: Der Haushalt der Erzdiözese Freiburg erreicht in
den Jahren 2000 und 2001 ein Volumen von je über 490 Millionen
Mark (siehe konradsblatt 3/2000).
Die größten Ausgabenposten im Straßburger Bistumshaushalt des
Jahres 2000 sind die Personalausgaben und die baulichen
Investitionen jeweils 6,5 beziehungsweise 6,6 Millionen
Francs (je knapp zwei Millionen Mark). Gerade bei den
Personalkosten ist die Lage im Elsass von derjenigen in anderen
Teilen Frankreichs deutlich verschieden: Zum Zeitpunkt der
Staat-Kirche-Trennung Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten das
Elsass und Lothringen zum Deutschen Reich. Deswegen greift hier
die französische Staat-Kirche-Trennung von 1905 nicht, sondern
es gilt das napoleonische Konkordat bis heute fort. Nach dessen
Bestimmungen werden die Geistlichen vom Staat bezahlt. Ein
Priester wird hier etwa in der Höhe eines Lehrergehaltes
entlohnt. Die elsässischen Priester treten einen bestimmten
Prozentsatz des ihnen vom Staat gezahlten Gehaltes an die Diözese
ab.
Für die Kollekten bedeutet das: Die Spendenbereitschaft fällt
im Elsass eher geringer aus als in Teilen Frankreichs, in denen
die Kirche selbst für das Einkommen des Klerus aufkommen muss.
In der elsässischen Bevölkerung ist offenbar die Ansicht
verbreitet, für die kirchlichen Belange sei auf Grund der
besonderen konkordatären Lage ausreichend gesorgt. Dies ist
jedoch nicht der Fall. Für Kirchen, die nach 1905 errichtet
wurden, ist die Kirche beispielsweise ebenso verantwortlich wie für
die Entlohnung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nicht
Priester sind.
Für Erzbischof Doré und seine Mitarbeiter geht es aber nicht
nur um die absolute Höhe der Einnahmen aus Kollekten und
Spenden. Vor Pressevertretern erläuterte er, dass die
finanziellen Einnahmen auch eine bestimmte Stetigkeit bräuchten,
um richtig eingesetzt werden zu können. 1999 habe man eine
Steigerung bei den Einnahmen durch Spenden erzielt, die sich aber
im Jahr 2000 nicht fortgesetzt habe. Da viele Unkosten jedoch
kontinuierlich anfielen, seien einmalige Steigerungen so
erfreulich sie an sich auch seien keine nachhaltige
Abhilfe.
Joseph Doré, seit 1997 Erzbischof von Straßburg und ein
anerkannter Fachtheologe, wies in dem Zusammenhang darauf hin,
dass die Katholiken auf Grund der Taufe nicht nur Glieder der
Kirche seien, sondern ebenso auch mitverantwortlich für ihre
Bistumskirche. Dies gelte es auch in diesem Zusammenhang deutlich
zu machen.
So schwierig die finanziellen Verhältnisse der Kirche in einem
Land wie Frankreich jedoch auch sind dem Straßburger
Erzbischof ist es wichtig, trotz allem auch weltkirchlich
Verantwortung übernehmen zu können. So wies er darauf hin, dass
seine Diözese rund 30 afrikanischen Priesteramtskandidaten und
Priestern mit einem Stipendium das Studium an der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Straßburg
ermöglicht.
Könnten Sie sich ein Elsass ohne Kirchen vorstellen?
Diese nicht zufällig hart gestellte Frage zielt auf die Antwort:
Nein, natürlich nicht. Das Erzbistum Straßburg hat
sich entschlossen, entschieden zurückzufragen: Wenn ihr euch
dies nicht vorstellen könnt, dann müsst ihr wissen, dass dies
eine angemessene finanzielle Ausstattung der Kirche voraussetzt.
Klaus Nientiedt