Damit die Hauptsache Hauptsache bleibt

Eine neue Arbeitshilfe des Ordinariats gibt Impulse zur Gemeindeentwicklung

Nachdem der Diözesanrat der Katholiken gemeinsam mit den Regionalstellen bereits im Frühsommer ein „Startset“ für die neuen Pfarrgemeinderäte mit den Rechtsgrundlagen und vielen praktischen Hilfen herausgegeben hat, gibt jetzt eine neue Arbeitshilfe des Ordinariats konkrete und anschauliche „Impulse zur Gemeindeentwicklung“.

Dass die anstehenden strukturellen Reformen in der Seelsorge und die innere, geistliche Erneuerung der Gemeinden zwei verschiedene Paar Stiefel sind, ist offensichtlich. Die erfolgreiche Neuorganisation der Seelsorge in einem bestimmten, überschaubaren Lebensraum sagt noch nichts über das „Profil“ der Gemeinden und Seelsorgeeinheiten. Das „Fundament“ des Glaubens dürfe bei all den unumgänglichen Strukturreformen nicht aus den Augen verloren werden, warnt Domkapitular Hermann Ritter deshalb im Vorwort zu einer neu erschienenen Arbeitshilfe des Erzbischöflichen Ordinariats. „Gott und den Menschen nahe sein“, so umschreibt Hermann Ritter das wesentliche Ziel der pastoralen Arbeit in den Pfarrgemeinden und Seelsorgeeinheiten.
Die neue Arbeitshilfe will all denjenigen, die in den Gemeinden und Seelsorgeeinheiten Verantwortung tragen – insbesondere den Pfarrgemeinderäten – Impulse zur „Gemeindeentwicklung“ geben. Ausgangspunkt des 24-seitigen Heftes ist die Überzeugung, dass eine Seelsorgeeinheit nur dann ein erkennbares Profil entwickeln kann, wenn sich die beteiligten Gemeinden wiederum über ihr eigenes Profil klar werden – über ihre Stärken und Schwächen, über das, was sie an „Gaben und Charismen“ in die jeweilige Seelsorgeeinheit einbringen können.
Das „Profil Jesu“, an dem eine Gemeinde letztendlich Maß nehmen muss, wenn sie sich daranmacht, ihr eigenes Profil zu entwickeln, wird in der Arbeitshilfe prägnant und anhand zentraler biblischer Texte herausgearbeitet. Texte, die für den Pfarrgemeinderat und für die Gruppierungen in der Pfarrei Grundlage dafür sein können, so etwas wie eine „Vision“ oder Zielpunkte der Gemeindepastoral zu entwicklen.
Die Arbeitshilfe, die im Wesentlichen aus der Feder von Rudolf Vögele, dem Referenten für Gemeindeentwicklung im Erzbischöflichen Ordinariat, stammt, macht zudem deutlich, dass der Weg der Kirche immer der Mensch ist, wie es Papst Johannes Paul II. ausgedrückt hat: Das Profil der Seelsorge „wird geprägt von Menschen, die anderen helfen, dass ihr Leben gelingt unter dem Anspruch und Zuspruch Gottes“, so wird in der Arbeitshilfe formuliert.
Als Gesprächsanregungen beschreibt das Heft zudem verschiedene „Haltungen“ und Eigenschaften, die den jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Gemeinden gut anstehen, damit Seelsorge „gelingt“, Dialog, Anerkennung des Anderen, Offenheit, Betroffenheit, Gemeinschaft, Solidarität, Auseinandersetzung, Echtheit, Gleichheit, Spiritualität und Gebet. Eine Liste, die ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Und immer wieder beschreibt die Arbeitshilfe in Form von „Tipps“ ganz konkrete kleine Schritte, die jeder Pfarrgemeinderat und jedes Seelsorgeteam gehen kann, um dem „Profil“ der eigenen Gemeinde ein Stück näher zu kommen.
Die neue Arbeitshilfe der Erzdiözese enthält nicht nur konkrete, realistische und gangbare Schritte, sondern ist auch anschaulich und prägnant gestaltet. Angesichts der andauernden und auch notwendigen Diskussionen über Strukturen wird sie denjenigen, die sich vor Ort engagieren, helfen, den Blick wieder stärker auf die Grunddienste der Pastoral zu richten: Auf die Frage, wie eine Gemeinde auch unter veränderten äußeren Bedingungen „Gott und den Menschen nahe sein kann“ – gemäß einem geflügelten Wort von Ehrendomkapitular Herbert Dewald, das ebenfalls in der Arbeitshilfe zitiert wird: „Die Hauptsache der Seelsorge ist, dass die Hauptsache Hauptsache bleibt.“
Michael Winter