Christsein neben den Kirchen?

Studientag mit neuen christlichen Gemeinschaften in Rastatt

Das Erzbischöfliche Seelsorgeamt Freiburg hat im Diözesanbildungshaus St. Bernhard in Rastatt einen Studientag zum Thema „Christsein neben den Kirchen? – Begegnung mit neuen christlichen Gemeinschaften“ abgehalten. Rund 20 Teilnehmer aus der ganzen Diözese diskutierten dabei das Verhältnis der „etablierten“ Kirchen zu neuen christlichen Gemeinschaften.

Für den Laien ist die Lage längst unübersichtlich geworden. Immer häufiger entstehen neue christliche Gemeinschaften in und neben den Kirchen. Oft sind sie charismatisch geprägt. Manche verstehen sich als überkonfessionell und tragen evangelikale Züge.
Das Verhältnis dieser Gemeinschaften zu den kirchlichen Pfarrgemeinden ist nicht immer spannungsfrei, da diese neuen Gemeinschaften bewusst oder unbewusst als Konkurrenz oder zumindest als Anfrage an die kirchliche Pastoral der etablierten Kirchen verstanden werden. Während die „Volkskirchen“ beispielsweise zunehmend an Überalterung leiden, haben die neuen christlichen Gemeinschaften meist keine Nachwuchsprobleme. Schlagwörter wie „Geisttaufe“ oder „Lebensübergabe“ machen die Runde und irritieren die pastoralen Mitarbeiter der Großkirchen.
Was bleibt also zu tun? Sich dieser Konkurrenz, diesen Anfragen und Fragen zu stellen und gemeinsam mit den Gemeinschaften das Verhältnis und das Miteinander zu klären, war erklärtes Ziel des Studientages „Christsein neben den Kirchen? – Begegnung mit neuen christlichen Gemeinschaften“ in Rastatt.
Rund 20 Teilnehmer aus der ganzen Diözese diskutierten Fragen, Probleme und Irritationen, die ihnen als pastorale Mitarbeiter in ihrer Arbeit begegneten. Dabei hatten sie die Gelegenheit, sich sowohl theologisch mit dem Phänomen der wachsenden christlichen Gemeinschaften auseinander zu setzen als auch selbst mit Vertretern dreier solcher Bewegungen ins Gespräch zu kommen: Mit der „Charismatischen Erneuerung“ in der katholischen Kirche, der interkonfessionellen „Nehemia-Initiative“ aus Karlsruhe und der evangelischen Freikirche „Christliches Zentrum Karlsruhe“.
Als Referent führte Hans Gasper von der Zentralstelle Pastoral der Deutschen Bischofskonferenz in die Hintergründe charismatischer und pfingstlerischer Frömmigkeit und Gemeinschaftsgründungen ein. Dabei benannte er auch Punkte, die inner- wie außerkirchlich immer wieder kritische Fragen auslösen. So erörterte er die Forderung einer „universalen Geisttaufe“ oder – bezüglich des Wirkens Gottes – das „Pathos der Unmittelbarkeit“ mancher Charismatiker.
Positiv bewertete Hans Gasper den ökumenischen „Drive“ der charismatisch orientierten Christen. Der „Charismatischen Erneuerung“ räumte Hans Gasper einen wichtigen Platz innerhalb der katholischen Kirche ein. Gleichzeitig warnte er sie davor, sich als einzige Erneuerungsbewegung in der katholischen Kirche zu verstehen.

Markus Weber