Caritasfachmann und Pianist
Domkapitular Bernd Uhl neuer Weihbischof in Freiburg
Domkapitular Bernd Uhl (54) wurde von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Freiburg und Titularbischof von Malliana ernannt. Uhl leitet das Referat Caritas im Erzbischöflichen Ordinariat und ist Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes. Außerdem ist er für die Öffentlichkeitsarbeit der Erzdiözese verantwortlich. Uhl stammt aus Karlsruhe und wurde 1974 zum Priester geweiht.
Eine Überraschung war die
Nachricht von der Ernennung von Domkapitular Bernd Uhl zum neuen
Weihbischof in Freiburg nicht wirklich. Als möglicher Kandidat
wurde er seit langem gehandelt.
Dafür war hier und da unabhängig davon, wie real diese
Aussicht je wirklich war Erleichterung darüber zu spüren,
dass der neue Weihbischof nicht von außen kommt. Das Warten auf
den zweiten neuen und damit insgesamt dritten aktiven Weihbischof
im Erzbistum hatte allerlei Spekulationen ins Kraut schießen
lassen.
Eine Überraschung ist die Ernennung von Uhl auch deshalb nicht,
weil auch seine beiden Vorgänger im Amt des Diözesanvorsitzenden
der Caritas Weihbischöfe waren. Seit 23 Jahren arbeitet Uhl im
Bereich Caritas, zuletzt als Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes
und zuständiger Referent im Erzbischöflichen Ordinariat. Uhl
wird auch künftig für diesen Arbeitsbereich Verantwortung
tragen. Sein Weihespruch als Bischof betont diesen Zusammenhang:
caritas cum fide (Liebe verbunden mit Glauben).
Bereits in seiner Dissertation befasste sich Uhl mit
Sozialpolitik beziehungsweise der Soziallehre der Kirche. Seine
bei Professor Rudolf Henning im Fach Christliche
Gesellschaftslehre angefertigte Arbeit trug den Titel Die
Idee des christlichen Sozialismus 1945 bis 1947.
Wenn Kirche verwaltet, erntet sie heute in den eigenen Reihen wie
auch außerhalb oft erhebliche Reserven. Uhl weiß er nur zu gut:
Auch wenn Verwaltung nicht gerade populär ist, man käme nicht
ohne sie aus. Ohne sie wäre das soziale Angebot der Kirche nicht
möglich. Hinzu kommt: Vieles wird ihr vom Staat aufgezwungen.
Beispiel Pflegeversicherung.
Die Alternative wäre ein Sakristeichristentum, von
dem Uhl aber ausdrücklich nichts wissen will. Für ihn persönlich
kommt hinzu: Ihm selbst sagt diese Art Tätigkeit durchaus zu:
Zu meiner Schande muss ich gestehen: Ich mache Verwaltung
nicht ungerne.
Frage an den künftigen Weihbischof: Jemand der verwaltet,
ist der notwendigerweise konservativ? Strukturkonservativ
antwortet Uhl ohne langes Zögern. Man spielt
eher eine bewahrende Rolle. Wir können nicht jeder neuen Idee
nachlaufen. Wir müssen erst einmal Fragen stellen, prüfen, ob
etwas Neues trägt und taugt. Seine Bemerkungen wirken nüchtern
und realitätsnah.
Domkapitular Uhl bezeichnet es als eine wichtige Aufgabe der
Kirchenleitung, auch kritische Geister einzubinden und sie nicht
vorschnell abzuschreiben, neue Ideen aufzugreifen, auch mal Altes
zu beenden. Er betont innerkirchliche Subsidiarität: Die
Zentrale muss nicht alles tun, was die kleinere Organisation
unten leisten kann. Er hebt positiv hervor, dass Kirche ein
äußerst plurales Gebilde sei. Kirche ist pluraler, als
man sie sich oft vorstellt.
Uhl war bisher auch oberster Medienverantwortlicher der Erzdiözese.
In seine Amtszeit fielen erhebliche Veränderungen gerade auf dem
Gebiet der elektronischen Medien. Wer angenommen hätte, Uhl würde
vor allem darüber klagen, wie schwer dieses Arbeitsgebiet aus
kirchlicher Sicht sei, der sieht sich positiv überrascht. Bernd
Uhl bedauert eher, dass er diesem Gebiet nicht mehr Zeit hat
widmen können, als dieser es verdient und erfordert hätte. Ihm
ist bewusst, dass Kirche manche Erwartungen, die aus den Medien
an sie gerichtet werden, nicht oder nicht ausreichend erfüllt
und denkt darüber nach, wie hier Abhilfe möglich sein könnte.
Das ist die eine Seite von Freiburgs Mister Caritas. Der gebürtige
Karlsruher Uhl ist neben seiner kirchlichen Laufbahn auch
ausgebildeter Pianist. Musik ist für einen wie ihn mehr als
Entspannung und Ausgleich. Uhl beschreibt, wie ihm die Musik
geholfen habe, zu dem zu werden, der er ist: Klavierspielen
ist eine enorme Schulung: Disziplin zu üben, sich zu
konzentrieren, die Merkfähigkeit zu trainieren. Auf die
Frage nach seinem Lieblingskomponisten in einem jener Fragebögen,
wie sie heute beliebt sind, antwortet er nicht etwa Bach,
wie man es vielleicht erwartet hätte, sondern: Wagner und
Verdi konkurrieren miteinander.
Apropos Disziplin. Domkapitular Uhl geht der Ruf nach,
diszipliniert zu sein. Auch Leute, die in der Sache zuweilen auch
anderer Ansicht sind als er, loben seine Verlässlichkeit. Uhl
spricht geradeheraus, kommt gleich zur Sache. Man schildert ihn
als einen immer gut vorbereiteten Gesprächspartner. Er wirkt
zielstrebig und eigentlich nie gehetzt. Angesichts der Fülle
und Kompliziertheit der Materie, mit der er sich befasst,
angesichts des Detailwissens, ohne dass er hier nicht auskäme, würde
ihm jeder nachsehen, wenn es anders wäre.
Uhls Biographie ist etwas anders als jene von Priestern, die dem
katholischen Milieu entstammen. So war er beispielsweise nie
Ministrant. Mehrfach betont er, dass er schöne
Liturgien schätzt, Gottesdienste mit schöner Musik.
Den Glauben nennt er notwendig und schön.
Den bis vor wenigen Jahren in seiner Heimatstadt Karlsruhe ansässigen
Jesuiten verdanke er viel, sagt er. Aus ihrer Jugendarbeit gingen
manche hervor, die es weit gebracht hätten, betont er:
Professoren, Regisseure, Juristen und nun auch ein
Weihbischof. Hilfs-Bischof präzisiert Uhl unter
Verweis auf die Bezeichnung des Weihbischofs in anderen Sprachen.
Hilfs-Bischof, nichts weiter.
Klaus Nientiedt