Boten für die Kultur des Friedens

Tagung von Pax Christi und Katholischer Akademie zum Friedenswort der deutschen Bischöfe

Im Herbst 2000 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz das Wort „Gerechter Friede“ und setzte – auf dem Hintergrund der Kosovo-Erfahrungen – neue Maßstäbe für die friedensethische Diskussion. Pax Christi Freiburg nahm dies nun zum Anlass, gemeinsam mit der Katholischen Akademie eine Tagung zu organisieren. Vertreter der Friedensbewegung, des Militärs und Politiker diskutierten dabei über das neue Friedenswort.

Die Stellungnahme der deutschen Bischöfe unter dem Titel „Gerechter Friede“ eröffne eine grundsätzlich neue Perspektive für die Friedensarbeit – in diesem Punkt waren sich Referenten und Tagungsteilnehmer einig. Von einem überaus erfreulichen Paradigmenwechsel sprach Joachim Garstecki, bis vor kurzem Geschäftsführer von Pax Christi Deutschland. „Im Bischofswort ist eine klare Orientierung auf den Geist der Gewaltfreiheit zu erkennen.“ Legte noch das Friedenswort „Gerechtigkeit schafft Frieden“ 1983, in der Zeit des Kalten Krieges, den Schwerpunkt auf eine Balance zwischen präventiver Abschreckung und Friedenssicherung durch Waffen, so liege heute der Schwerpunkt eindeutig auf der Gewalt-Vermeidung, machte auch Weihbischof Paul Wehrle deutlich. Oberst Klaus Achmann von der Gemeinschaft Katholischer Soldaten in Bonn sieht in dem Friedenswort eine solide Orientierungsgrundlage für den Dienst der katholischen Soldaten. Er beklagte jedoch die weiterhin unklare Rechtslage beim Einsatz der Bundeswehr in Krisenregionen: „Die Kriterien und Instrumente der Gewaltanwendung sind völkerrechtlich noch nicht ausreichend definiert.“ Das bringe viele Soldaten immer wieder in schwere Gewissenskonflikte, wenn sie zwischen den Anweisungen des nationalen Parlamentes und des UN-Sicherheitsrates abwägen müssten – wie etwa im Kosovo.
Seit Beginn der neunziger Jahre habe sich die Art der militärischen Auseinandersetzungen grundsätzlich geändert – von Konflikten zwischen zwei Staaten hin zu innerstaatlichen Konflikten, erläuterte Winfried Nachtwei (Bündnis 90/Die Grünen) die sicherheitspolitische Entwicklung. Das Friedenswort greife die veränderte Situation auf und biete eine Grundlage für die sorgfältige Reflexion militärischer Interventionen. Allerdings, so Gernot Erler (SPD), äußerten die Bischöfe nicht klar genug, in welchen Ausnahmefällen denn doch Gewalt angewendet werden dürfe. Hier stoße das Wort der Bischöfe an seine Grenzen.
Bei der Krisenprävention und in der Nachsorge werden, nach Ansicht von Joachim Garstecki, freiwillige Friedensdienste von Nicht-Regierungs-Organisationen oder kirchlichen Gruppen künftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Deshalb müsse dieser Einsatz noch mehr gefördert werden, forderte auch Peter Weiß (CDU).
„Doch wie lässt sich die Impulskraft des Friedenswortes – über die rein intellektuelle Auseinandersetzung hinaus – mit Leben füllen?“, fragte Herbert Froehlich, Geistlicher Beirat von Pax Christi in Deutschland. Seine Antwort: Wenn Menschen, die sich von der Vision des Friedens anrühren lassen, in ihren Heimatgemeinden finanzielle und spirituelle Unterstützung finden, können sie tragfähige Partnerschaften aufbauen helfen. Sie arbeiten dann eine gewisse Zeit in lokalen Pax Christi-Projekten in Bosnien, Kroatien oder im Kosovo in der Kriegsnachsorge und helfen so bei der Linderung der Kriegsfolgen. Vergebung und Versöhnung spielen dabei eine zentrale Rolle, um die Menschen der verschiedenen Volksgruppen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen. In diesen „Friedensboten“ sieht Froehlich einen wichtigen Ansatz, „damit sich die Kultur des Friedens immer weiter ausbreiten kann“.

Sandra Schreckenberger