Bedenken gegen Seelsorgeeinheiten

Priesterforum diskutiert das veränderte Rollen- und Selbstverständnis der Gemeindepfarrer

Nach Aussagen des Priesterforums der Erzdiözese Freiburg haben immer mehr Priester Bedenken, die Verantwortung für eine größere Seelsorgeeinheit zu übernehmen.

Auf den ersten Blick geht die Einrichtung der Seelsorgeeinheiten im Erzbistum Freiburg sowohl zügig als auch reibungslos voran. Die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden ziehen in der Regel sowohl untereinander als auch zusammen mit den Ehrenamtlichen an einem Strang, um den notwendigen Strukturwandel der Seelsorge zu gestalten.
Für die betroffenen Pfarrer, die mit der Leitung einer Seelsorgeeinheit beauftragt wurden, hat dieser Strukturwandel allerdings mitunter schmerzliche Folgen. Dies wurde bei einem Treffen deutlich, zu dem das „Priesterforum“ der Erzdiözese Freiburg nach Rastatt eingeladen hatte. Sinn und Zweck der Tagung war das Gespräch über das veränderte Priesterbild und über den Wandel im Rollen- und Selbstver-ständnis, den die Priester vollziehen müssen, wenn sie die Leitung einer Seelsorgeeinheit übernehmen. Dabei zogen die 25 Teilnehmer – Diözesanpriester unterschiedlichen Alters – eine durchwachsene Zwischenbilanz im Blick auf die ersten Erfahrungen mit den neu eingerichteten Seelsorgeeinheiten.
Wie das Priesterforum jetzt in einer Erklärung mitteilte, haben immer mehr Priester Bedenken, die Leitung einer größeren Seelsorgeeinheit zu übernehmen. Zum einen befürchteten viele eine „Überforderung durch Arbeitsüberlastung“. Zum anderen gebe es die Erfahrung, „dass sich mit der Leitung einer Seelsorgeeinheit die Gewichte innerhalb des priesterlichen Dienstes in Richtung Organisation, Betriebsführung und Personalmana-gement verschieben und damit die Bereiche personale Seelsorge, Glaubensweitergabe und Spiritualität verdrängt werden“.
Nach Auffassung von Hans Thomas Pospischil, einem der Sprecher des Priesterforums, steht angesichts dieser ersten Erfahrungen das Konzept der Seelsorgeeinheiten insgesamt auf „wackligen Beinen“. Dazu komme die weiter sinkende Zahl junger Männer, die mit Blick auf das Priesteramt Theologie studieren. Bereits in fünf Jahren werde die Zahl der Priester nicht mehr ausreichen, um die geplanten Seelsorgeeinheiten zu besetzen. Das Priesterforum warnt in seiner Erklärung davor, die Seelsorgeeinheiten weiter zu vergrößern. „Seelsorgeeinheiten sind nicht die Lösung für die Kirche hierzulande“, so Hans Thomas Pospischil.
Das Priesterforum, dem zur Zeit insgesamt 51 Diözesanpriester angehören, hat diese Erfahrungen und Bedenken in einem Brief sowohl Erzbischof Oskar Saier und Domkapitular Eugen Maier, dem direkten Ansprechpartner der Gruppe, als auch dem Priesterrat und dem Pastoralrat der Erzdiözese Freiburg mitgeteilt. „Wir halten es für wichtig, dass alle, die von den gegenwärtigen Entwicklungen in unserer Kirche betroffen sind, offen und ohne Ängste darüber ins Gespräch kommen“, heißt es in der Erklärung.

Michael Winter