Aussaat wie geht das?
Die Errichtung der
Seelsorgeeinheiten im Erzbistum scheint relativ reibungslos
voranzukommen. Dass mit dieser Neustrukturierung freilich noch
nichts über die Zukunft der Gemeinden ausgesagt ist, spüren
alle, die sich dort engagieren. Die entscheidende Frage ist die
nach grundlegenden Perspektiven und Inhalten des Gemeindelebens.
Diese Frage wurde beispielsweise in den zurückliegenden Monaten
bei fünf Tagen der pastoralen Dienste aufgeworfen.
Referenten wie der Bischof von Basel, Kurt Koch, der Erfurter
Bischof Joachim Wanke oder die Churer Dogmatikerin Eva-Maria
Faber gaben den versammelten hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern in der Pastoral Anregungen für eine inhaltliche
Neuausrichtung der Seelsorge.
Diese inhaltliche Neuausrichtung wird in besonderer Weise am
Stichwort missionarische Pastoral festgemacht. Nach
dem Motto: Wir hören auf zu jammern und zu klagen und krempeln
die Ärmel hoch. Es gilt, einladend und werbend auf suchende und
fragende Menschen zuzugehen und sie für den Glauben und die
Kirche zu begeistern.
Grundlage dafür ist ein vor einigen Monaten erschienener Text
der deutschen Bischöfe mit dem Titel Zeit zur Aussaat.
Ein Text, der in eindrücklicher Weise deutlich macht, dass der
missionarische Auftrag der Christen nicht etwas Beiläufiges ist,
sondern grundlegend zum Leben der Ortsgemeinden gehört. Unserer
katholischen Kirche in Deutschland fehlt die Überzeugung, neue
Christen gewinnen zu können, heißt es in dem lesenswerten
Dokument.
Die Rede von der missionarischen oder evangelisierenden Pastoral
hat Konjunktur gerade im Erzbistum Freiburg. Vor kurzem
wurde das Motto des 175-jährigen Jubiläums der Erzdiözese
Freiburg bekannt gegeben, das im kommenden Jahr begangen wird. Es
lautet: Es ist Zeit zur Aussaat. Wir feiern. Dieses
Motto suggeriert, dass ein Ruck durch die Kirche
geht, dass viele an einem Strang ziehen und sich über die Ziele,
Prioritäten und konkreten Schritte pastoralen Handelns im Klaren
sind. Dass sie wissen, wie das geht mit der Aussaat.
Aber ist das die Realität?
Eher nicht. Irgendwie fehlt der Rede von der missionarischen
Pastoral die Basis. Irgendwie hängt sie in der Luft. Hand
aufs Herz: Im pastoralen Alltag sind die Gemeinden in der Regel
weit von einer missionarischen Pastoral entfernt.
Eingespannt in ein enges Korsett von Aufgaben und Anforderungen,
fehlt es oft an Zeit, Mut und Energie etwas Neues auszuprobieren.
Dazu kommt, dass auf allen, auch den übergeordneten Ebenen der
Erzdiözese verschiedene pastorale Schwerpunkte, Methoden und
Gemeindebilder miteinander konkurrieren. Es fehlt der rote
Faden. Noch ist kein Ruck zu spüren.
Michael Winter