Auf die Person kommt es an
Damit hatten wohl selbst die Optimisten
bei der CDU nicht gerechnet: Die baden-württembergischen
Landtagswahlen wurden nicht, wie im Vorfeld vermutet, zu einem
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem amtierenden Ministerpräsidenten
und seiner Herausforderin, sondern zu einem souveränen
Wahlerfolg für Erwin Teufel. SPD-Spitzenkandidatin Ute Vogt
schaffte es zwar, ihre Partei nach dem deprimierenden Ergebnis
von 1996 wieder auf das Niveau einer Volkspartei zu hieven. Mehr
aber war nicht drin. Vogts Lächeln am Wahlabend wirkte
aufgesetzt. Dahinter verbarg sich wohl doch eine gewisse Enttäuschung
darüber, dass der Ministerpräsident trotz seiner 61 Jahre gar
nicht alt aussah, sondern populärer erschien als je zuvor.
Erwin Teufels deutliche Zugewinne haben wohl alle verblüfft.
Nicht nur die Opposition, sondern auch die Anhänger der eigenen
Partei. Denn auch in der CDU wurde im Laufe des Wahlkampfes vor
allem darüber spekuliert, ob sich die Verluste in Grenzen halten
würden.
Um nachvollziehen zu können, warum es so ganz anders kam, als
viele dachten, sollte man den Blick vielleicht hinüberwerfen auf
die andere Seite des Rheins. Nach Rheinland-Pfalz, wo der
amtierende Ministerpräsident Kurt Beck ein ähnlich
imponierendes Wahlergebnis einfuhr und damit wiederum der SPD
einen überragenden Wahlerfolg bescherte.
Die umgekehrten Vorzeichen hier ein Sieg der CDU, dort ein
Erfolg der SPD sind ein klarer Hinweis dafür, dass die Wähler
hüben wie drüben von ihren Ministerpräsidenten überzeugt
waren. Und zwar nicht nur von deren Regierungsbilanz, sondern
auch von ihrer Persönlichkeit. Rheinland-Pfalz ist sicherlich
kein Stammland der SPD. Im Gegenteil. Aber der Sozialdemokrat
Kurt Beck konnte darauf bauen, auch aus dem Lager der CDU
Zustimmung für seine Person und seine Politik zu bekommen. In
Baden-Württemberg wiederum hielt selbst die Mehrheit der SPD-Anhänger
Erwin Teufel für einen guten Ministerpräsidenten.
Auf die Person kommt es an. Gerade bei Landtagswahlen. Das
zeigten in der Vergangenheit die Erfolge von Kurt Biedenkopf in
Sachsen und Bernhard Vogel in Thüringen. Das bewiesen jetzt die
Wahlsieger Teufel und Beck. Und es ist bezeichnend, dass sie sich
allesamt eines bewahrt haben: eine gewisse Unabhängigkeit von
ihrer eigenen Partei. Kurt Beck vertraute nicht in erster Linie
auf den Rückenwind aus Berlin, den Ute Vogt in
Baden-Württemberg, stets zu spüren glaubte, sondern auf sich
selbst: Auf den Wahlplakaten stand nicht einmal sein Name. Der
Kopf genügte und der Satz: Gut für unser Land.
Und Erwin Teufel? Er baute auf der einen Seite die
Spitzenpolitiker der CDU wohl dosiert und wirkungsvoll in seinen
Wahlkampf ein. Auf der anderen Seite grenzte er sich ab: Sowohl
von den internen Auseinandersetzungen in der CDU als auch von
populistischen Kampagnen wie dem Schröder-Verbrecherplakat und
Nationalstolz-Unterschriftenaktion kurz vor der Wahl.
Michael Winter