Ansteckende Begeisterung

Es war eine Aktion der Superlative: Rund 7200 Kinder und Jugendliche der katholischen Jugendverbände im Erzbistum Freiburg leisteten etwa 500 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden und verwirklichten dabei über 300 soziale Projekte. „72 Stunden ohne Kompromiss“ lautete das Motto dieser Aktion, die von der BDKJ-Diözesanleitung in Freiburg initiiert und von den Verantwortlichen auf allen Ebenen bis hinunter in die Gemeinden vorbereitet wurde.
Die Idee, drei Tage lang gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, das anderen zugute kommt, begeisterte die KJGler, Ministranten, Pfadfinder und die vielen Mitglieder der anderen Verbände. Zudem unterstützten Tausende von Erwachsenen die Arbeit der Jugendlichen. Sie stellten Werkzeug, Material, ihr Know-how und nicht zuletzt auch Essen und Trinken zur Verfügung. In vielen Pfarrgemeinden wurde die 72-Stunden-Aktion zur Erfahrung der Zusammengehörigkeit und des Miteinanders der verschiedenen Generationen. Eine Erfahrung, die alles andere als selbstverständlich und deshalb umso wertvoller ist.
Den letzten und wohl wichtigsten „Kick“ bekam die Aktion schließlich durch die Unterstützung des Pop-Senders SWR3. Unterstützung – das ist untertrieben: Der Baden-Badener Sender stellte sein Programm um. Drei Tage lang drehte sich alles um die Aktivitäten der katholischen Jugend im Erzbistum Freiburg. Von einer solchen – dazu noch kostenlosen – Imagewerbung für den BDKJ hätte bis dato niemand zu träumen gewagt.
Natürlich handelte SWR3 auch aus Eigeninteresse: Die Hörerbindung muss ständig gepflegt werden. Und mittels der 72-Stunden-Aktion konnte der Sender mit relativ geringem Aufwand ganz nah an sein Klientel herankommen. Denn die allermeisten Jugendlichen im BDKJ hören SWR3.
Aber von nichts kommt nichts: Sowohl die Radiomacher als auch die vielen privaten Firmen, die das BDKJ-Projekt großzügig unterstützten, spürten wohl, dass es sich hier nicht um eine der üblichen Wohltätigkeitsaktionen handelte. Sie hatten es vielmehr mit hochmotivierten Jugendlichen zu tun, die darauf brannten, die ihnen gestellte Aufgabe in Angriff zu nehmen. Dieser Begeisterung konnte sich kaum jemand entziehen.

Natürlich „passte“ die 72-Stunden-Aktion auch zur derzeitigen Mentalität der Jugendlichen. Sie lassen sich lieber auf eine zeitlich begrenzte und überschaubare Tätigkeit ein als sich langfristig auf ein bestimmtes Engagement festzulegen. Und doch konnte die Aktion nur gelingen, weil die kirchlichen Jugendverbände hierzulande immer noch über ein Potenzial aktiver und motivierter Mitglieder verfügen, das seinesgleichen sucht. Und diese Mitglieder kommen auch nach dem Ende des „Events“ 72-Stunden-Aktion Woche für Woche in die Gruppenstunde. Auf diesem Potenzial lässt sich weiterhin aufbauen.

Michael Winter