4200 Ministrantinnen und Ministranten aus dem Bistum Freiburg reisen im Sommer nach Rom. Dort findet vom 29. Juli bis 4. August die Internationale Miniwallfahrt statt. Schon jetzt bereiten sich die Jugendlichen inhaltlich auf die Wallfahrt vor – und die Diözesanverantwortlichen verteilen Leute aus 300 Pfarreien in 80 Busse und 30 Hotels.

4200 unterm Leuchtturm

Die Vorbereitung der Miniwallfahrt nach Rom ist eine logistische Meisterleistung

Manche reden schon seit über einem Jahr davon: „Nächsten Sommer darf ich mit nach Rom.“ Die Ministrantengruppe von Marion Weis aus der Pfarrei Herz Jesu in Weinheim ist dabei: Bei der Internationalen Miniwallfahrt 2001 nach Rom. Marion überlegt gemeinsam mit anderen Oberministranten aus dem Dekanat Weinheim und Pfarrer Martin Heringklee, wie sie ihre 110 Teilnehmer aus zwölf Pfarreien auf die Wallfahrt vorbereiten. Ein Treffen hat es schon gegeben. Jede Pfarrei hat einen kleinen Vortrag gehalten, über die Geschichte von Rom, die Hauptkirchen, die Katakomben; einen Film über die Papstwahl haben sie gesehen und in einem Crashkurs einige italienische Vokabeln gelernt. Ein gemeinsamer Lichtermarsch am Abend zum nahen See hat den Tag beendet. „Die Vorbereitung soll unseren Blick darauf lenken, dass wir eine Wallfahrt machen“, sagt Pfarrer Heringklee. „Wir wollen etwas nach Rom mitnehmen und auch wieder etwas nach Hause mitbringen.“
Mitnehmen wollen die Minis aus dem Dekanat Weinheim einen selbst gebastelten Leuchtturm, das Wallfahrtssymbol der Erzdiözese Freiburg. Er steht für Christus, der ihnen Orientierung geben soll, „unterwegs in eine neue Welt“. Unter diesem Motto reisen Ende Juli 20 000 Ministranten nach Rom, davon 16 000 Deutsche. Gut 4200 Minis aus rund 300 Pfarreien kommen aus dem Bistum Freiburg, so viele sind es in keiner anderen Diözese. 80 Busse von hier machen sich am Abend des 29. Juli auf nach Italien. Die Freiburger belegen knapp 30 Hotels. Damit vorher und währenddessen alles glatt läuft, müssen die Verantwortlichen vom Offenen Arbeitskreis Ministranten (OAK) mit ihrem Leiter Rainer Moser-Fendel eine logistische Meisterleistung vollbringen. Seit fast eineinhalb Jahren bereiten sie die Wallfahrt vor, die eigentlich alle fünf Jahre stattfindet, zuletzt 1995. Wegen des Heiligen Jahres wurde sie auf 2001 verschoben. Fahrt und Unterkunft der Freiburger Gruppe organisiert bereits zum dritten Mal der Busunternehmer Werner Schweizer: „Die Busfahrer freuen sich schon sehr darauf, da ist sogar ein richtiger kleiner Wettbewerb ausgebrochen, wer mit nach Rom fahren darf.“
In jedem Bus ist ein Begleiter dabei, der für das Programm verantwortlich ist. Der diözesane Eröffnungsgottesdienst findet am Tag der Ankunft in San Giovanni in Laterano statt. Neben dem internationalen Pilgerweg zum Petersdom am zweiten Tag haben die Pfarreien die Möglichkeit, eigene Programme zu gestalten: Etwa ein Besuch in den Katakomben, bei Radio Vatikan oder der Gemeinschaft San Egidio, die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten oder ein Nachmittag am Meer. Höhepunkt der Wallfahrt dürfte für die meisten die Papstaudienz sein.
„Wir möchten versuchen, die Ministranten auf die Suche nach Lichtblicken für eine neue Welt zu schicken“, formuliert Rainer Moser-Fendel den hohen Anspruch. Er wünscht sich vor allem, dass die Teilnehmer offen sind: „Für Minis aus anderen Pfarreien und Ländern, alte Bekannte von neuen Seiten und eine bunte Mischung aus Gebet, Gottesdienst und Gemeinschaft über den Kirchturm hinaus.“ Natürlich fahren die meisten Jugendlichen nach Rom mit dem Ziel, Spaß zu haben. Aber es soll auch darum gehen, eine tiefere Freude zu erfahren, so Moser-Fendel: „Wir wollen Situationen erleben, bei denen es einfach stimmt, wo es gut ist so wie es ist.“
Die vielen Anmeldungen sind ein Indiz dafür, dass die bisherigen Miniwallfahrten mehr waren als ein „Fun-Urlaub“. Vor 16 Jahren reisten aus dem Bistum Freiburg 1500 Ministranten nach Rom, alle fünf Jahre kamen rund 1000 dazu. Das Ministrantenreferat im Seelsorgeamt hat seine Werbung nicht verstärkt. „Entscheidend sind die Erzählungen von Älteren, die schon einmal in Rom waren und davon schwärmen“, ist Rainer Moser-Fendel überzeugt.
So war es auch in Weinheim. „Die, die zum ersten Mal mitgehen, wollen Rom sehen und den Papst, und sie wollen Spaß haben“, sagt Carolin Suhling aus der Weinheimer Pfarrei St. Marien. Erst einmal ist aber Arbeit angesagt. Neben der inhaltlichen Vorbereitung haben die meisten Pfarreien Aktionen gestartet, um Geld zu verdienen und damit die Kosten für die Wallfahrt zu senken. 620 Mark muss jeder Teilnehmer bezahlen – auf den ersten Blick viel Geld für sechs Tage Rom. „Aber Tausende von Jugendlichen preisgünstig in Schulen, Turnhallen oder Pfarrhäusern unterzubringen, wäre von der Organisation her unmöglich gewesen“, erklärt Rainer Moser-Fendel. Und Pilgerhäuser seien auch nicht billiger.
Die Weinheimer haben Kugelschreiber und Feuerzeuge mit dem Wallfahrts-Motto bedruckt und verkaufen sie in den Pfarreien. Weitere Einnahme-Quellen sind Flohmärkte, Kuchenverkäufe oder Partys. Aktionen, die durchaus einen tieferen Sinn haben als das Geldverdienen. Rainer Moser-Fendel: „Es geht nicht nur um die eine Woche in Rom, sondern wir sind jetzt schon auf dem Weg.“

Burkhard Schäfers